Die sparsamsten Stromer bei 130 km/h
Drei neue Effizienz-Könige

Drei neue Elektro-Kleinwagen führen plötzlich die Effizienz-Hierarchie an. Renault Twingo, Cupra Raval und Mini Aceman erzielen bei unserem 130-km/h-Test herausragend niedrige Verbrauchswerte. Die drei liefern der E-Auto-Branche eine wichtige Lektion indem sie beweisen, dass weniger Gewicht wichtiger ist als immer größere Akkus.
Bild: Christoph Börries / mit Hilfe von KI überarbeitet
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Der größte Reichweiten-Booster eines Elektroautos? Wir finden, dass sollte nicht ein immer größerer Akku sein, sondern der immer kleinere Verbrauch. Genau das beweisen drei neue Kleinwagen, die im AUTO BILD-Test bei 130 km/h so sparsam unterwegs sind wie kein E-Auto zuvor. Wir sind begeistert, denn die E-Mobilität sorgt beim Gewichts-Trend seit Jahren für eine steile Kurve nach oben. Die Waage zeigt es schwarz auf weiß, unsere Testwagen werden immer dicker. Statt konsequent auf Effizienz zu setzen, werden zu oft immer schwerere Fahrzeuge mit dicken Akkus entwickelt. Was erfreuliches passiert, wenn man die Masse in Zaum hält, zeigen diese drei kleinen, aber ziemlich schlauen Typen.
Bei den ersten Fahrten mit dem Twingo staunten wir nicht schlecht. Auf dem Bordcomputer flimmerten einstellige Verbrauchswerte, wenn der kleine Franzose im urbanen Revier wilderte. Einen Rekordverbrauch von nur 14,4 Kilowattstunden bei Tempo 130 km/h hätten wir dennoch nicht unbedingt erwartet. Denn das bedeutet für den Kleinen Höchstgeschwindigkeit. Natürlich elektronisch begrenzt, den Permanentmagnet-Synchronmotor mit einer Dauerleistung von 48 PS scheint das auf jeden Fall nicht zu stressen.

Überrascht? Wir auch ein bisschen, aber Renault ist konsequent geblieben, verzichtete beim neuen Elektro-Stadtflitzer auf unnötigen Ballast in Form eines zu großen Akkus. Das Resultat: 1242 kg gemessenen Leergewicht und ein sensationell niedriger Verbrauch von 14,4 kWh bei 130 km/h.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Der Antrieb muss lediglich einen 212 kg leichten Akku in Fahrt bringen, der netto bis zu 27,5 kWh Kapazität bereithält. Klingt bescheiden, doch dieser Stromer wurde kompromisslos für die City und kleine Überlandfahrten konstruiert – und dafür reicht die Akkugröße vollkommen aus. Die wichtige Erkenntnis. Für Top-Verbräuche braucht es weder Hightech-Antriebe noch einen überragend niedrigen cW-Wert. Mit kleiner Stirnfläche, rollwiderstandsarmen Reifen (mit 195er oder 205er Breite beim Twingo) und einem geringen Gewicht von unter 1,3 Tonnen klappt es auch. Die Außentemperatur passte mit günstigen 21° Celsius ebenfalls am Messtag. Der Twingo E-Tech ist aber kein Zufallstreffer für Renault. Auch den etwas größeren R4 haben die Franzosen sparsam konstruiert (siehe Tabelle).
Noch ein kleiner Typ, den man aber nicht übersehen sollte, wenn es um die Effizienz geht. Das Ergebnis der Testverbrauchsfahrt (beinhaltet Stadt, Landstraße und Autobahn) unterbot sogar seinen WLTP-Wert des Raval ganz knapp. Mit 13,7 kWh auf 100 km endlich mal einer, der hält was er verspricht – zumindest bei sommerlichen Temperaturen.

Mit dem Raval trifft Cupra die goldene Mitte: ein Kleinwagen mit ordentlicher Akku-Größe (54 kWh). So bietet sich der kleine Spanier auch für längeren Distanzen an. Das Test-Gewicht ist mit 1569 kg im Rahmen geblieben, der Verbrauch auch: 15,2 kWh. Absoluter Spitzenreiter von allen von uns bisher gemessenen E-Autos ist der Raval außerdem im AUTO BILD Verbrauchstest (Mix aus Stadt, Land und Autobahn). Mit 13,7 kWh unterbot er bei der 155 km langen Verbrauchsfahrt sogar ganz knapp seinen WLTP-Wert.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Bei Tempo 130 kamen wir mit dem Raval dank seines 52 kWh-Akku 338 Kilometer weit. Der Bordcomputer zeigte einen hervorragenden Verbrauchswert von nur 15,2 kWh an. In Verbindung mit dem größeren Akku taugt der neue Raval also auch für längere Strecken. Das Gewicht von 1569 kg ist zwar stattlich für einen Kleinwagen, doch für einen Stromer noch annehmbar. Vor allem wenn man die Masse so effizient in Bewegung bringt.
Ein etwas überraschendes aber vor allem gutes Ergebnis erzielte der Mini Aceman SE bei unserem Autobahn-Test. Mit fast 1,8 Tonnen ist er hier der schwerste des Spitzentrios, wiegt über eine halbe Tonne mehr als der Renault Twingo. Umso bemerkenswerter sein Resultat: Bei konstant 130 km/h begnügte sich der kompakte Brite mit gerade einmal 16,2 kWh pro 100 Kilometer. Macht Rang drei in unserem neuen Effizienz-Ranking.

Auf dem dritten Platz in unserem neuen Ranking landet der Mini Aceman. Der Engländer gehört offiziell zu unserem neuen Spitzentrio und bringt mit fast genau 1,8 Tonnen am meisten auf die Waage. Da beeindruckt der bescheidene 130-km/h-Verbrauch von 16,2 kWh noch mehr. Vor wenigen Monaten hätte das noch für den ersten Platz gereicht.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Auch auf der Testverbrauchsrunde überzeugte der Aceman. Mit 18,1 kWh pro 100 Kilometer (stets inklusive Ladeverluste) liegt er für Größe und Leistung auf einem sehr guten Niveau. Dank seines 49,2-kWh-Akkus sind im Alltag rund 300 Kilometer möglich, auf der Autobahn bei Tempo 130 immerhin noch knapp 300 Kilometer. Der Aceman beweist damit, dass ein gutes Effizienzpaket auch bei einem Crossover möglich ist. Zwar ist der Aceman kein Leichtgewicht, beim Stromverbrauch spielt er trotzdem ganz vorne mit.
Die aktuelle Rangliste markiert einen kleinen Entwicklungssprung. Erstmals unterschreiten gleich drei Elektroautos bei konstant 130 km/h die Marke von 17 kWh pro 100 Kilometer. Noch letztes Jahr galten Verbrauchswerte um 17 bis 18 kWh als das Maß der Dinge. Das hat sich nun offiziell geändert. Auffällig ist außerdem, dass sich die Spitzengruppe längst nicht nur aus extrem windschnittigen Limousinen zusammensetzt. Der Hyundai Ioniq 6 bestätigt mit 17,4 kWh zwar weiterhin seinen Ruf als einer der effizientesten Langstrecken-Stromer überhaupt, muss sich inzwischen aber mehreren deutlich kleineren Fahrzeugen geschlagen geben. Allerdings musste der Inoniq auch zu erschwerten Bedingungen ran, die Temperatur am Messtag lag bei nur 11° Celsius.

Auch größere Stromer können Topwerte auf der Autobahn erreichen, wie der aufgefrischte Tesla Model Y mit einem Verbrauch von 17,7 kWh/100 km bei 130 km/h beweist.
Bild: Tesla Motors
Auch der Mercedes EQS beweist eindrucksvoll, welchen Einfluss Aerodynamik haben kann. Trotz Oberklasseformat und 118-kWh-Akku erreicht die Luxuslimousine 18,8 kWh und gehört damit noch immer zu den sparsamsten Elektroautos bei Autobahntempo. Der Tesla Model Y Long Range RWD zeigt wiederum, dass auch ein SUV sehr effizient unterwegs sein kann. Mit 17,7 kWh liegt er deutlich unter vielen klassischen Limousinen und Kombis. Insgesamt zeichnet sich jedoch ein klarer Trend ab: Spitzenwerte entstehen nicht ausschließlich durch perfekte Aerodynamik oder riesige Entwicklungsbudgets. Die vorderen Plätze zeigen vor allem, wie wirkungsvoll ein stimmiges Gesamtkonzept aus geringem Gewicht, kompakter Bauweise und hoher Effizienz sein kann. Genau das macht die neue Spitzengruppe so bemerkenswert.
Die effizientesten E-Autos: Stromverbrauch bei Tempo 130
Modell | Test im | Temp. | Verbrauch bei 130 km/h laut Bordcomputer (in kWh/100 km) |
|---|---|---|---|
Renault Twingo E-Tech 80 Urban Range (60 kW/81 PS; 27,5-kWh-Akku) | Jun 26 | 19 °C | 14,4 |
Cupra Raval (165 kW/224 PS; 52-kWh-Akku) | Jul 26 | 23 °C | 15,2 |
Mini Aceman SE (160 kW/218 PS; 49,2-kWh-Akku) | Jul 26 | 23 °C | 16,2 |
Mini Cooper SE JCW Trim (160 kW/218 PS; 49,2-kWh-Akku) | Jul 25 | 20 °C | 16,5 |
Renault 4 E-Tech 150 Comfort Range (110 kW/150 PS; 52-kWh-Akku) | Jul 25 | 21 °C | 17,1 |
Fiat 500 Elektro (87 kW/118 PS; 42-kWh-Akku) | Aug 23 | 24 °C | 17,2 |
Lynk & Co 02 (200 kW/272 PS; 66-kWh-Akku) | Mai 25 | 23 °C | 17,3 |
Hyundai Ioniq 6 RWD (168 kW/229 PS; 77,4-kWh-Akku) | Sep 25 | 11 °C | 17,4 |
Tesla Model Y Long Range RWD (220 kW/299 PS; 77-kWh-Akku) | Jun 25 | 18 °C | 17,7 |
Hyundai Inster Select (71 kW/97 PS; 42-kWh-Akku) | Mai 25 | 12 °C | 17,8 |
Tesla Model 3 Performance (338 kW/460 PS; 79-kWh-Akku) | Jun 22 | 22 °C | 17,9 |
Opel Grandland Electric Long Range (239 kW/325 PS; 97-kWh-Akku) | Jul 25 | 21 °C | 18,0 |
Mercedes CLA 250+ (200 kW/272 PS; 85-kWh-Akku) | Okt 25 | 14 °C | 18,1 |
Smart #3 Premium (200 kW/272 PS; 66-kWh-Akku) | Jul 24 | 22 °C | 18,4 |
VW ID.3 Pro (150 kW/204 PS; 59-kWh-Akku) | Aug 25 | 18 °C | 18,8 |
Peugeot E-408 (157 kW/213 PS; 58-kWh-Akku) | Okt 25 | 16 °C | 18,8 |
Mercedes EQS 450+ (265 kW/360 PS; 118-kWh-Akku) | Sep 25 | 16 °C | 18,8 |
Ford Explorer Extended Range RWD (210 kW/286 PS; 77-kWh-Akku) | Sep 25 | 21 °C | 18,9 |
Opel Mokka Electric (115 kW/156 PS; 54-kWh-Akku) | Mai 25 | 20 °C | 18,9 |
Peugeot E-2008 (115 kW/156 PS; 54-kWh-Akku) | Okt 23 | 9 °C | 19,1 |
Für unser Autobahn-Ranking verwenden wir den Verbrauch laut Bordcomputer bei konstant 130 km/h. So lassen sich alle Fahrzeuge unter identischen Bedingungen direkt vergleichen. Natürlich verlassen wir uns dabei nicht blind auf die Anzeige des Fahrzeugs. Jeder Bordcomputerwert muss zu den Ergebnissen unserer standardisierten Verbrauchsfahrt passen. Dort ermitteln wir den Testverbrauch inklusive Ladeverlusten, also die Energiemenge, die nach dem Nachladen tatsächlich aus dem Stromnetz entnommen werden musste. Denn genau diese Energie bezahlt der Fahrer später an der Ladesäule oder Wallbox. Die Autobahn-Reichweite berechnen wir dagegen ohne Ladeverluste, schließlich gehen diese nicht während der Fahrt verloren, sondern erst beim anschließenden Laden. Stimmen Bordcomputer- und Testverbrauch in ihrer Größenordnung überein, was bei unseren Messungen regelmäßig der Fall ist, können die verbleibenden Unterschiede als normale Messtoleranzen gelten.
Die drei neuen Spitzenreiter legen die Effizienz-Latte ein gutes Stück weit höher. Zum Vergleich: Viele Stromer bewegen sich beim Autobahnverbrauch in den mittleren Zwanzigern. Und es gibt durch aus auch Elektroautos, die bei Tempo 130 über 30 kWh verbrauchen. Ein kleines Rechenbeispiel verdeutlich, wie wichtig die Effizienz ist: Um gute 300 Kilometer bei Richtgeschwindigkeit zu schaffen, benötigen solche Stromfresser im Vergleich zum Raval praktisch einen zweiten Akku. Jede beim Verbrauch eingesparte Kilowattstunde ersetzt Batteriekapazität, die nicht produziert, bezahlt, mitgeschleppt und jedes Mal geladen werden muss. Statt immer größere Akkus in immer größere Fahrzeuge einzubauen, gehört vor allem Effizienz ins Lastenheft. Effizienz durch weniger Gewicht, kleinere Stirnflächen und eine clevere Aerodynamik, um mit der vorhandenen Energie möglichst weit zu kommen.
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