Volvo XC70: Reichweiten-Riese aus China im Test
Dieser Plug-in-Hybrid-Volvo schafft über 1200 Kilometer

Der Name ist vertraut, doch das Konzept ist neu – und könnte auch bei uns klappen. Deshalb will Volvo den Langläufer XC70 aus China auch nach Europa holen.
Bild: Thomas Geiger
Zwar wartet derzeit alle Welt auf den neuen EX60, mit dem Volvo deutschen Hoffnungsträgern wie dem BMW iX3 und dem Mercedes GLC in die Parade fahren will. Doch während sich der designierte Bestseller in Göteborg erst noch warmläuft, dreht in China schon der nächste Neuling unter schwedischer Flagge seine Runden. Denn im Reich der Mitte verkauft Volvo seit dem letzten Sommer wieder einen XC70.

Volvo belebt den XC70 wieder – dieses Mal als modernes Plug‑in‑SUV.
Bild: Volvo
Der ist zwar vom aufgebockten Abenteuer-Kombi mit robusten Plastikplanken, wie wir ihn zur Jahrtausendwende kennengelernt haben, mittlerweile zu einem eleganten, aber konventionellen SUV mit rahmenlosen Fenstern und den Scheinwerfern im Design von Thors Hammer aufgestiegen, hat dafür aber einen umso spannenderen Antrieb: Weil Strom-Skeptikern auch die bis zu 810 Kilometer Reichweite und knapp 400 kW Ladeleistung des EX60 noch zu wenig sind, fährt der große Bruder als erster Plug-in-Hybrid der Schweden mit XXL-Akku vor.
Während bei uns mit Autos wie dem V60 gerade mal 93 Kilometer drin sind, surrt der XC70 bis zu 212 Kilometer ohne Sprit. Erst wenn die je nach Modellvariante 21,2 oder 39,6 kWh des Akkus aufgezehrt sind, greift ein 156 PS starker 1,5-Liter ins Geschehen ein und erspart einem die mit bestenfalls 23 Minuten für die ersten 80 Prozent ohnehin nur kurze Zwangspause an der Steckdose.
Volvo XC70: XXL-Reichweite für Strom-Skeptiker
In China ist das zwar mittlerweile gang und gäbe, bei uns aber noch eine Nische, in der sich Volvo durchaus Chancen bei allen Zögerern und Zauderern auf dem Weg in die elektrische Zukunft erhofft. Deshalb haben die Schweden beschlossen, den XC70 später auch in den Westen zu holen.
Selbst wenn er dann etwas mehr kosten dürfte als die lachhaften 416.900 RMB oder umgerechnet knapp 51.000 Euro, könnte das klappen. Denn in der Theorie verspricht der XC70 einen extrem langen Atem und fährt nach der elektrischen Etappe noch einmal rund 1000 Kilometer mit der Unterstützung eines Benziners, bevor er zum ersten Mal anhalten muss. Da muss die viel beschworene Oma schon verdammt weit weg wohnen, damit der vierteljährliche Anstandsbesuch wirklich zum Stresstest wird.

Komfortabel, luftig, aufgeräumt: Der XC70 zeigt Volvos typische Linien.
Bild: Thomas Geiger
Vor allem aber funktioniert das Paket auch in der Praxis perfekt. Zumindest in und um Peking macht der XC70 eine gute Figur, wirkt ausgewogen und rund. Ja, wie alle Autos für den chinesischen Markt hat er ein eher weiches, für unseren Geschmack etwas unverbindliches Set-up für Fahrwerk und Lenkung, und bislang knurrt der Verbrenner auch noch ein bisschen vorlaut mit einer Klangfarbe, die nicht so recht zum vornehmen Auftritt in dieser Liga passen will. Schließlich sind da auch Autos wie ein Mercedes GLE, ein Audi Q6 oder ein BMW X5 zu Hause. Aber das ist nichts, was sich auf dem Weg nach Europa nicht mit ein wenig Feinschliff lösen lassen würde.
Und daran, dass bei Volvo hier wie dort spätestens bei 180 km/h Schluss ist, daran haben wir uns so langsam gewöhnt. Zumal bis dorthin ja einiges geboten wird. Schon in der Basisversion mit Frontantrieb gibt es 318 PS, und der Sprint auf Tempo 100 dauert 8,0 Sekunden.
Topmodell mit 462 PS
Doch wer das Topmodell bestellt, bekommt nicht nur eine zweite E-Maschine an der Hinterachse und damit neben Allradantrieb auch mal eben 462 PS. Bei einem Sprintwert von 5,3 Sekunden fängt der Nachwuchs fröhlich an zu kichern, während verantwortungsbewusste Eltern auf dem Beifahrersitz zur Mäßigung mahnen.
Keine Sorge! Wie alle Volvos ist auch der XC70 hochgerüstet mit Assistenzsystemen und Aufpassern, die dem wilden Treiben schon rechtzeitig Einhalt gebieten werden. Erst recht, wenn das Chinesisch der Langnase am Steuer nicht reicht, um auf dem großen, wie beim EX60 diesmal quer montierten Screen die richtigen Buttons zu finden und die nervigen von den nützlichen Helferlein zu trennen.
Was den XC70 neben seinem langen Atem auszeichnet, ist sein Innenleben. Wie alle Volvos nordisch-nüchtern gestaltet und angenehm spärlich instrumentiert, zeigt er sich beim Platzangebot umso großzügiger. Bei 4,82 Metern Länge und 2,86 Metern Radstand sitzt man auch in der zweiten Reihe erstklassig. Und mit 408 Litern fällt der Kofferraum so üppig aus, dass man den lieb gewonnenen Frunk guten Gewissens dem Verbrenner opfern kann – wenn man dafür entsprechend weiter fahren darf.
Fazit
Reichlich Reichweite und trotzdem kein ganz so schlechtes Gewissen, viel Platz auf allen Plätzen und auch mit Fokus auf den chinesischen Markt ein typisches Volvo-Ambiente – so könnte der XC70 für all jene die Brücke in die neue Zeit schlagen, die noch nicht ganz reif sind für die E-Mobilität, ohne dass Volvo gleich eine Rolle rückwärts machen und wieder allein auf den Verbrenner setzen muss.
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