Voyah Dream: Fahrbericht
Im 5,32 Meter langen Voyah Dream ist Platz der neue Luxus
Bild: T. Kempe
Es ist fünf nach Feierabend, und der Verkehr quält sich mal wieder im Schritttempo aus der Stadt. Doch in diesem Auto verliert auch der dickste Stau seinen Schrecken. Denn ich sitze, nein, ich lümmle im Fond des neuen Voyah Dream und genieße jenen Luxus, der Fahrzeuge wie dieses daheim in China und überall sonst im Asien gerade ganz nach vorne spült in den Zulassungsstatistiken: Platz!
Während die Raumfahrer bei uns als Pampersbomber verschrien sind, nach dem Höhenflug von Renault Espace, Chrysler Voyager, Opel Zafira oder VW Sharan einen herben Absturz erlebt haben und längst vom SUV verdrängt wurden, stehen sie in Asien höher im Kurs denn je. Denn wer stundenlang im Stau steht, dem ist Platz wichtiger als Prestige und der fühlt sich in einem Van wohler als in einer Luxuslimousine. Space Shuttle statt S-Klasse lautet deshalb immer öfter die Devise.
Asiatische Vans nehmen Europa ins Visier
Und so ganz langsam rücken auch die Besserverdiener in Europa ins Visier. Während Daimler noch daran tüftelt, die nächste Generation von Mercedes V-Klasse und EQV auf jenen Luxus zu trimmen, der zur neuen Strategie passt, und VW sich gerade zwischen ID.Buzz, Multivan und Transporter zu verlieren droht, setzen die asiatischen Raumgleiter bei uns zur Landung an.

Mit 5,32 Metern ist der Voyah Dream ähnlich lang wie eine Mercedes S-Klasse.
Bild: T. Kempe
Voyah Dream: ähnlich lang wie eine Mercedes S-Klasse
Zwar gibt's reichlich LED-Lametta, Chrom und Glanz – aber wie all diese großen Kästen ist natürlich auch der Voyah keine Schönheit, sondern imponiert allein durch sein stattliches Format: Mit 5,32 Metern ist er ähnlich lang wie eine Mercedes S-Klasse. Nur dass man hier im Fußraum Tango kann.
Denn erstens misst der Radstand eindrucksvolle 3,20 Meter; zweitens steht der Dream auf einer Skateboard-Plattform und hat deshalb einen ebenen Boden. Auf dem haben die Chinesen zwei Captain Chairs groß wie Thronsessel installiert, die beim Öffnen der Schiebetüren automatisch nach hinten gleiten und so noch mal mehr Beinfreiheit bieten.

Platz hat man im Voyah Dream ohne Ende.
Bild: T. Kempe
Wer sich da hineinfallen lässt, der hat wenig später die Welt da draußen vergessen. Während im Klapptisch davor das Tablet steckt und einem Netflix & Co die Zeit vertreiben, kühlt oder wärmt die Klimatisierung den Rücken und Massagekissen kneten die Knochen, die sich im Liegesitz mit elektrischer Beinauflage wunderbar lang machen können.
Dazu gibt's für den Notfall oder den Nachwuchs noch eine Bank in der zweiten Reihe, die allerdings spürbar weniger Komfort bietet und obendrein eine hässliche Stufe im Kofferraum hinterlässt, wenn man sie – auch nicht gerade nobel – mit zwei Seilzügen aus Rolladengurt umlegt. Das können andere besser. Aber bevor man das merkt, hat man eh längst die Augen geschlossen und begreift kurz vor dem Einschlafen, warum dieser Voyah Dream heißt.

Auch hinterm Steuer muss man auf Komfort nicht verzichten.
Bild: T. Kempe
Obwohl der Dream der Traumwagen der Hinterbänkler sein will, kommt auch der Fahrer auf seine Kosten. Erstens sitzt er in der ersten Reihe kaum schlechter als die Passagiere dahinter, zweitens hat er vor seiner Nase den größeren Bildschirm, der sich mit seinen drei tabletgroßen Clustern hier fast über die gesamte Fahrzeugbreite spannt. Drittens leisten die beiden E-Maschinen solide 435 PS und gehen mit bis zu 620 Nm zu Werke.
Mit 435 PS in 5,9 Sekunden auf Tempo 100
Gewaltig wie ein Airbus, beim Start aber so flüsterleise wie ein ICE schiebt der Dream damit an, beschleunigt in 5,9 Sekunden auf Tempo 100 und wird erst bei 200 km/h wieder von der Elektronik eingebremst. Da darf es dann gerne auch mal die Autobahn sein statt nur die Umgehungsstraße oder der Boulevard durch die Stadt. Und damit es nicht bei Kurzstrecken bleibt, schrauben die Chinesen einen 108-kWh-Akku in den doppelten Boden und stellen – im etwas laxeren lokalen Zyklus – eine Reichweite von 482 Normkilometern in Aussicht. Geladen wird danach allerdings eher langsam: mit 10 kW am Wechselstrom und gerade mal 125 kW am Gleichstrom.

Mit dem Voyah Dream zeigt uns Dongfeng einmal mehr, dass es nicht immer ein SUV sein muss.
Bild: T. Kempe
Aber man darf sich von der schieren Kraft ohnehin nicht täuschen lassen. Der Dream will kein Pulsbeschleuniger sein, sondern ist durch und durch ein Blutdrucksenker, der nicht zuletzt wegen seines Gewichts von satten 2,7 Tonnen gelassen dahingleitet. Deshalb bettet einen auch das Fahrwerk wie auf Wolken, die Lenkung ist von der sanften Sorte. Und als wäre die Welt in Watte gepackt, ist es wunderbar ruhig an Bord.
Im Gegensatz zum Mercedes EQV hat der Voyah Dream Allrad
Zwar schickt Dongfeng den stärksten Antrieb auf den Weg nach Westen und bietet so zum Beispiel jenen Allrad, den man beim Mercedes EQV vergebens sucht. Doch bei der Ausstattung machen sie für den Export nicht alle Kreuze. Es fehlt auch mit Blick auf die Konkurrenz an formatfüllenden Bildschirmen, und die Beinfreiheit könnte noch üppiger sein, wenn die ohnehin unnütze Rückbank wie beim Topmodell in China einfach rausfliegen würde.
Aber das ist am Ende natürlich auch eine Preisfrage, und auch so ist der Dream schon kein Schnäppchen. In der Schweiz, wo der Wagen jetzt schon verkauft wird, kostet er 76.990 Franken; wenn er im Herbst nach Deutschland kommt, dann werden daraus mit der höheren Steuer wahrscheinlich schnell 90.000 Euro. Spätestens dann ist für viele der Traum auch schon wieder vorbei, bevor er überhaupt begonnen hat.
Fazit
Raumfahrer, aufgepasst: Mit dem Voyah Dream zeigt uns Dongfeng einmal mehr, dass es nicht immer ein SUV sein muss, wenn es ein praktisches und prestigeträchtiges Auto sein soll. Zwar reizen die Chinesen die Idee von der Raumfahrt auf Rädern zumindest beim Exportmodell nicht ganz aus und verzichten auf XXL-Sessel oder Mega-Bildschirme. Doch ein Anfang ist gemacht, und so ganz langsam steigen de Space Shuttles wieder im Kurs.
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