Co-Produktion in VWs Mittelklasse: Der neue Arteon mimt den Schöngeist, während der Passat im Hintergrund die erfolgsgarantierenden Gene spendet. Ein Welterfolg ist VWs Business-Baureihe dabei schon länger. Vom Grundstein Passat will sich der Neue allerdings merklich emanzipieren, denn während der Vorgänger des Arteon zunächst noch unverblümt Passat CC hieß – nach dem großen Facelift dann nur noch CC –, setzt der Arteon nun bewusst eine halbe Klasse höher an. VW richtet sich mit seinem neuen Flaggschiff an ein deutlich gediegeneres Publikum; der Arteon geht mit seinem kecken Hüftschwung und der markanten Front sogar als Oberklässler durch – ein bisschen guten Willen vorausgesetzt. Denn trotz seiner stattlichen 4,86 Meter: Ein Gegner für Mercedes' CLS ist der Arteon unserer Ansicht nach nicht. Wir sehen eher bullige Mittelklässler wie Opels neuen Insignia GSi mit 260 PS, den stärksten Ford Mondeo mit 240 PS oder den neuen Kia Stinger (256 PS) als Konkurrenz – auch wenn VWs Marketingabteilung das sicher nicht gern hören dürfte.
VW Arteon 2.0 TSI R 4M Leder AHK Pan
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VW Arteon Shooting Brake R-Line 2,0 l TSI 4MOTION 206 kW 280 PS 7-G
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VW Arteon Shooting Brake R-Line 2,0 l TSI 4MOTION 206 kW 280 PS 7-G
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VW Arteon Shooting Brake 2.0 TDI R-Line AHK Standheiz
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Das Cockpit kommt fast komplett vom Passat

Video: VW Arteon (2017)

VWs neues Topmodell

Im Interieur kann er die Verwandtschaft zum Passat dann nicht mehr leugnen: Das Cockpit übernimmt der Arteon fast komplett vom Passat. Augenscheinlichste Neuerung: das neue Infotainment mit 9,2 Zoll und Gestensteuerung. Letztere ist jedoch nicht mehr als eine Spielerei – könnten wir sie gegen einen Lautstärkedrehregler eintauschen, wir würden es, ohne mit der Wimper zu zucken, tun. Ansonsten haben wir an der Bedienung unseres sportlich angehauchten R-Line-Testwagens wenig auszusetzen. Was uns etwas wundert: Spezielle Sportsitze hat VW für den Arteon nicht im Programm, ein R-Logo im Ergo-Comfort-Gestühl muss reichen. Unsere Fahreindrücke sammeln wir mit dem Topmodell: 280 Turbo-PS aus zwei Liter Hubraum, das Ganze garniert mit VWs 4Motion-Allrad und einem 7-Gang-Doppelkuppler.
Überblick: Alle News und Test zum VW Arteon

Technisch unterscheidet sich der Arteon R-Line kaum vom Golf R

VW Arteon !!! SPERRFRIST 31. Mai 2017	00:01 Uhr !!!
Die muskulösen Seiten und die flache Dachlinie sind das Markenzeichen des Arteon.
Bild: Toni Bader / AUTO BILD
Falls Ihnen das verdächtig nach Golf R riecht – da liegen Sie gar nicht so falsch, denn rein technisch unterscheiden sich die postpubertäre Kompaktrakete und unsere gediegene Limousine kaum: gleicher Motorblock, gleiche Bremsanlage, gleiche Plattform. Das nüchterne Datenblatt spuckt 30 PS, 50 Newtonmeter sowie acht Zehntel auf Tempo 100 zugunsten des 123 Kilo leichteren Golf aus. Wenn er muss, ist der Arteon also nahezu auf Augenhöhe. Zwar verliert er beim Spurt messbar, wirklich davonfahren kann ihm ein Golf R allerdings nicht, denn VW hat Motorcharakteristik und Übersetzung so angepasst, dass sich der Vorsprung des Kompakten mehr und mehr egalisiert, je höher das Reisetempo wird. Auf landsträßlichem Geläuf gibt sich der sportlichste Arteon freilich weniger agil als ein Golf R, doch die ambitionierte Kurvenhatz quittiert auch er nicht mit Unmut – hier hilft das straffer abgestimmte Sportfahrwerk des R-Line-Pakets. Das auffällig neutrale Fahrverhalten wird vom daueraktiven ESP sicher in die Schranken verwiesen, sollte sich in schnell gefahrenen Kurven mal ein leichtes Untersteuern ankündigen. Wer dagegen das Heck zum Schlenkern bringen will, muss schon mutwillig die Ideallinie ignorieren.

Der Verbrauch liegt 19 Prozent über der Werksangabe

In Sachen Fahrleistungen gibt VW stramme 5,6 Sekunden für den Standardsprint an. Das wollten wir natürlich ganz genau wissen und haben nachgemessen. Und sie he da: Unser Test-Arteon erreichte exakt die Werksangabe. Es wäre nur schön, träfe dies auch beim Verbrauch zu: 7,3 Liter gibt VW an, glatte neun Liter dokumentiert unser Protokoll am Ende der Messrunde. Das sind 19 Prozent über der Werksangabe – Wolfsburger Mehrwertsteuer, wenn Sie so wollen. Neben dem Top-Benziner hat VW für den Arteon noch drei weitere Motoren im Angebot. Auf der fremdzündenden Seite kam im August 2017 die zivilere 190-PS-Version des Zweiliter-TSI dazu. Ausschließlich vorderradgetrieben verliert sie im 0-100-Sprint 2,1 Sekunden auf den großen Bruder, erreicht mit 239 maximalen km/h allerdings ebenfalls eine stattliche Reisegeschwindigkeit. Die angegebenen 6,0 Liter Verbrauch sind dann natürlich unrealistisch. Auch bei den Dieseln hat VW eine vernünftige Version und eine High-End-Variante im Angebot. Die Allzweckwaffe 2.0 TDI mit 150 PS kostet ab 39.675 Euro, während der Biturbo-TDI mit 240 PS mit mindestens 51.600 Euro schon ein größeres Loch ins Budget reißt. Dafür gibt es ihn nur als hochwertigeren Elegance oder R-Line.
Der künstlerische Anspruch ist beim Arteon deutlich zu erkennen – nicht nur bei der Namensgebung. In Sachen Eleganz fährt er dem Passat um Längen davon, allerdings auch beim Preis. Ein Volkswagen nach dem sich die Leute umdrehen – das gibt es auch nicht alle Tage.