Wir müssen übers Geld reden. Gleich zu Beginn. Der T5 Multivan steht in der Käufergunst ganz oben. Den Allzweck-Transporter hätten viele gern. Doch leider bewegt er sich preislich in entrückten Regionen. Selbst der spartanisch ausgestattete Startline steht mit 1,9-Liter-TDI und als Siebensitzer für satte 32.267 Euro in der Liste. Da klingen die 22.717 Euro für einen Caddy Maxi doch wesentlich freundlicher für normale Familien-Budgets. Schauen wir uns die beiden mal genauer an. In den Multivan steigst du nicht ein, sondern auf. Und die Trittstufen sind sogar beleuchtet – serienmäßig. Die angenehm hohe Sitzposition vorn mit toller Weitsicht gibt es so wirklich nur hier. Für den bequemen Einstieg in den Fond baut VW dann aber nur eine Schiebetür ein, dem Caddy Maxi haben sie zwei, wenn auch etwas schmalere Exemplare spendiert. Doch die brauchen geöffnet eine stärkere Fixierung, fallen viel zu leicht wieder ins Schloss.

Der Caddy Maxi fährt grundsätzlich als Siebensitzer vor

Serienmäßig kommt der Multivan als Fünfsitzer, mit einer Dreier-Sitzbank in der zweiten Reihe. Ohne Aufpreis kann man die aber durch zwei Einzelsitze ersetzen. Oder ganz abbestellen, das spart dann 512 Euro. Zwei zusätzliche Drehsitze mit Längsverstellung kosten 982 Euro. Sämtliche Sitze sind groß, straff gepolstert und sehr bequem. Und Raum gibt es so viel, dass der Multivan fast den Rahmen unserer Bewertung sprengt. Der Caddy fährt grundsätzlich als Siebensitzer vor. Mit Dreier-Sitzbank in Reihe zwei und Zweier-Bank in Reihe drei. Geräumig ist er, keine Frage, aber so extrem viel Platz wie im Multivan sollte niemand erwarten. Er ist spürbar schmaler, hat überall viel weniger Raum für lange Beine. Und Reihe drei werden Erwachsene wohl höchstens auf Kurzstrecken erdulden wollen, sie hocken dort sehr unglücklich. Kinder jedoch sind hier bequem untergebracht. Auffällig ist auf allen Plätzen die große Kopffreiheit, im Caddy gibt es überall jede Menge Luft über dem Scheitel. Multivan und Caddy können riesige Mengen Ladung einpacken. Für den Multivan gibt VW ein minimales Ladevolumen von 350 Litern an – hängt eben davon ab, wo Sitze oder Bank hingeschoben wurden. Baut man beides komplett aus, was nicht ganz einfach ist, schluckt der T5 sagenhafte 4525 Liter – dazu kommen stolze 930 Kilo Zuladung.

Beim Platzangebot schlägt der T5 den Caddy um Längen

VW Caddy Maxi gegen Multivan
Schluckspechte: Den Karton-Test gewinnt der Multivan mit 42 zu 28 gegen den Caddy.
Nicht ganz so gewaltig sind die Zahlen insgesamt beim Caddy: Minimal passen hier 380 Liter hinein, also bei voller Bestuhlung hinter der Bank in der dritten Reihe. Baut man die aus – auch hier am besten mit einem kräftigen und handwerklich begabten Gehilfen – und kippt die vordere Bank komplett nach vorn um, entsteht ein Laderaum von stattlichen 3950 Liter Größe. Als Zuladung sind 672 Kilogramm erlaubt. Beides dürfte wie beim Multivan entweder für den ganz großen Abenteuerurlaub oder mittlere Speditionsaufgaben reichen. In beiden Autos steckt der alte 1,9-Liter-Pumpe-Düse-TDI unter der Haube. Im Multivan mit 102 PS, im Caddy mit 105. Trotz des gleichen Motors fällt das Ergebnis doch recht unterschiedlich aus. Der T5, das lässt sich schon vor dem Losfahren ahnen, ist mit dem kleinen TDI bestimmt nicht übermotorisiert. Die Wahrheit ist noch drastischer: Er könnte sogar als Verkehrshindernis wahrgenommen werden. Der Motor lärmt, dröhnt, rappelt – und beschleunigt den Zweitonner nur zäh und zögerlich. Aber, ganz ehrlich, in der Stadt fällt das sowieso nicht weiter auf, und auf der Autobahn kann man bis etwa Tempo 140 ganz gut mitschwimmen. Darüber geht, vielleicht noch voll beladen, allerdings wirklich nicht mehr viel.
Im kleineren und leichteren Caddy macht der gleiche Motor einen ganz anderen Eindruck. Rau und laut läuft er immer noch, aber er wirkt kraftvoller, dreht befreiter und temperamentvoller. Er wirkt insgesamt vitaler. Die Fahrleistungen sind deutlich besser, bewegen sich in einer höheren Liga als beim Multivan. Klar ist auch, dass der Caddy Maxi sich müheloser und leichtfüßiger als der Multivan fährt. Diesen hoch aufragenden Kleinbus durch die Gegend zu wuchten, das hat dafür einen ganz eigenen Reiz. Manche kaufen ihn nur wegen dieses besonderen Erhabenheitsgefühls. 32.267 Euro kostet der T5 Startline als Siebensitzer und 22 .717 Euro der Caddy Maxi Life, beide mit 1,9-Liter-TDI und Partikelfilter. Die Fahrleistungen sind nicht berauschend, dafür aber der Verbrauch: 8,0 Liter beim Caddy, 8,7 beim Multivan.

In Sachen Sicherheit lassen beide serienmäßig Wünsche offen

An wesentlicher Ausstattung fehlt dem Caddy das ESP für 422 Euro, das ist beim T5 Serie. Dafür hat der Caddy serienmäßig Seitenairbags vorn – die kosten beim Multivan im Paket mit Kopfairbags (für Caddy nicht lieferbar) 434 Euro. Beide haben elektrische Außenspiegel und eine Zentralverriegelung mit Fernbedienung, aber weder Klimaanlage noch Radio. Bleibt unter dem Strich die Frage nach den Gesamtkosten. Für vier Jahre und 60.000 km Fahrleistung gerechnet, liegt der Caddy mit 44 Cent pro km gegenüber 53 für den Bus vorn. Zusammen mit dem knapp 10.000 Euro niedrigeren Kaufpreis ist das eine Welt. Wie gesagt, wir mussten vor allem übers Geld reden.

Fazit von AUTO BILD-Redakteur Dirk Branke

Der Multivan ist als Raum-Fahrzeug nicht nur eine Legende, sondern auch viel größer und variabler als der Caddy. Aber er kostet eben knapp 10.000 Euro mehr als der gestreckte Maxi-Caddy. Auch der hat jede Menge Platz und fährt eben doch spürbar handlicher und lebhafter als der riesige Multivan. Eine gute Wahl für Leute, die auf Gepäck und Geld schauen.