Gebrauchtwagen-Test VW Golf 1.6 TDI

VW Golf 7: Gebrauchtwagen-Test

Kaufen oder Finger weg?

Der Golf als Diesel war eine solide Investition. Heute hat er ein Imageproblem. Zu Unrecht, wie unser Test zeigt.
Die Erfolgsgeschichte startete nach langem Vorglühen etwas rappelig. Mit 50 PS auch nicht übertrieben schnell. Trotzdem schaffte VW mit dem ersten Golf vor 42 Jahren den Durchbruch für den Diesel in der Kompaktklasse. Vollwertig wie immer, mit einem Verbrauch von 6,5 Litern unverschämt wirtschaftlich. Turbo, Direkteinspritzung, Pumpe­Düse, Common Rail ... Über sieben Golf-­Generationen wuchs auch der Diesel immer mit. Der aktuelle 2.0 TDI GTD stellt mit 184 PS die Spitze der Nagelrevolution beim Golf dar. Aber ist deren Zenit nun überschritten?

Gebrauchtwagensuche: VW Golf

Der einstige Garant für geringen Wertverlust schwächelt

Der EA288-Motor wird von einem Zahnriemen angetrieben, der ein Leben lang halten soll.

Schummeldiesel, drohende Fahrverbote und nicht zuletzt die verbrauchsoptimierten Benziner als starke Konkurrenz im eigenen Haus machen dem Selbstzünder das Leben schwer. Die Zulassungszahlen auf dem Neuwagenmarkt sinken. Heißt das, dass auch Gebrauchtkäufer einen Bogen um den Golf Diesel machen sollten? Nein! Den Golf VII gibt es seit sechs Jahren. Schon ein halbes Jahr nach Markteinführung waren die ersten Euro­-6-­Diesel verfügbar. Unter der Haube sitzt, unabhängig von der Version, grundsätzlich der EA288­-Motor. Auch wenn er nicht so stark in die Schlagzeilen geriet wie sein Vorgänger, der "Schummeldiesel" EA 189, ging der Manipulationsskandal auch an ihm nicht spurlos vorüber. Zurückhaltung bei den Käufern ist die Folge. Was dazu führt, dass der frühere Garant für geringen Wertverlust im Alter schwächelt. Dreijährige Limousinen mit rund 100.000 Kilometern stehen schon für knapp oberhalb von 10.000 Euro beim Händler. Kombis sind sogar noch billiger.
Überblick: Alles zum VW Golf

Wertlos wird ein Golf 7 auch als Diesel nicht

Nach der durchwachsenen Qualität der Vorgänger, wurde beim Golf 7 Wert auf Langzeitqualität gelegt. Das zahlt sich aus.

Das führt zu einer neuen Kalkulationsbasis bei Interessenten: Früher mussten die Einsparungen beim Verbrauch nicht nur die Aufpreise bei Steuer und Versicherung auffangen, sondern auch einen guten Tausender mehr beim Kauf – erst dann wurde es rentabel. Zumindest der Mehrpreis fällt heute weg, oft ist sogar noch eine Ersparnis drin. Klar, ein Teil davon wird später beim schlechteren Wiederverkauf wieder aufgefressen, wertlos wird ein Golf 7 aber auch als Diesel nicht so schnell. Denn bei allen Ökobestrebungen in Deutschland und Europa gehorcht der Handel der Weltwirtschaft. Das heißt: Wird es für Diesel tatsächlich irgendwann eng hierzulande, fließen sie in andere Länder ab, wo sie weiterlaufen. Dass so ein Golf 7 das auch noch ein Weilchen tut, ist wahrscheinlich. Nach dem durchwachsenen Qualitätsniveau der Vorgänger hat VW hier wieder kräftig in die Langzeitqualität investiert, was sich im Alter auszahlt. Es gibt nur wenig ernst zu nehmende Schwachstellen. Kurz vor seiner Ablösung ist die siebte Generation solide und frisch wie nie.

Technische Daten: VW Golf 1.6 TDI Comfortline
Motor Vierzylinder/vorn quer
Ventile/Nockenwellen 4 pro Zylinder/2
Hubraum 1598 cm³
Leistung 81 kW (110 PS) bei 3200/min
Drehmoment 250 Nm bei 1500/min
Höchstgeschwindigkeit 200 km/h
0–100 km/h 10,5 s
Tank/Kraftstoff 50 l/Diesel
Getriebe/Antrieb Fünfgang manuell/Vorderrad
Länge/Breite/Höhe 4255/1799/1442 mm
Kofferraumvolumen 380-1270 l
Leergewicht/Zuladung 1295/580 kg

Seit Jahrzehnten halten die Kunden dem Golf die Treue

Zeitlos ohnehin. Da VW, aller Kritik zum Trotz, große Revolutionen beim Golf­-Design vermeidet, kommt der Kompakte auch nicht aus der Mode. So wirkt selbst ein gut 20 Jahre alter Golf 4 noch frisch. Auftrumpfen kann der Golf im täglichen Umgang. Egal, ob man den Wolfsburger mag oder ihn einfach nur langweilig findet: Mit einem Quäntchen Objektivität kommt man an einem Lob einfach nicht vorbei. Kein Konkurrent fährt sich so ausgewogen und vollwertig. Das sehen auch die Kunden so, die den Golf mit großer Treue seit Jahrzehnten zum meistverkauften Auto in Deutschland machen. In der Folge ist er auch der meistgehandelte Gebrauchte. Wenn die Jahreslaufleistung stimmt, dann mit Diesel. Der war schon damals gut – und ist es auch heute noch.

Gebrauchtwagen-Test VW Golf 1.6 TDI

VW Golf 1.6 TDIVW Golf 1.6 TDI

Kosten
Unterhalt
Testverbrauch 5,2 l D/100 km
CO2 138 g/km
Inspektion 300-500 Euro
Haftpflicht (17)* 457 Euro
Teilkasko (21)* 165 Euro
Vollkasko (18)* 995 Euro
Kfz-Steuer (Euro 6) 160 Euro
Ersatzteilpreise**
Lichtmaschine (AT) 651 Euro
Anlasser (AT) 512 Euro
Wasserpumpe 422 Euro
Zahnriemen 452 Euro
Nachschalldämpfer 301 Euro
Kotflügel vorn links, lackiert 688 Euro
Bremsscheiben u. -klötze vorn 451 Euro
*Onlinetarif der HUK24-Versicherung: Zulassung in Hamburg, Fahrer nur Versicherungsnehmer und Partner (25 Jahre alt), jährliche Fahrleistung 15.000 km, Schadensfreiheitsklasse 1; **Preise inklusive Arbeitslohn und 19 Prozent Umsatzsteuer

Malte Büttner

Fazit

Für einige mag es wie eine Lobeshymne auf VW klingen, tatsächlich aber ist der Golf VII als Diesel mit Euro 6 so gut wie nie. Er hat es nicht verdient, von der Politik geopfert zu werden.

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