Als VW den Golf 8 im Jahr 2019 vorstellte, gab es Lob für die gewohnt geschliffene Hardware wie Federung und Lenkung – und es hagelte Kritik am lahmen wie rätselhaften Infotainment.
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Teile der Stammkundschaft waren überfordert mit der fast reinen Touchscreen-Bedienung im leer geräumten Cockpit und sicherten sich noch schnell einen Golf 7. Kann VW mit dem Facelift des aktuellen Golf Boden gutmachen?

Facelift mit vielen Verbesserungen

Auch wenn das Hartplastik ab B-Säule heckwärts, der schlichte Hauben-Haltestab oder die fehlende Kappe über dem Not-Türschloss leider immer noch vom Spardiktat künden – es gibt Fortschritte zu verzeichnen. Etwa Solides wie die schwere Motorhaube oder Laderaum-Verzurrösen aus Metall, verankert im Blech. Und das ist längst nicht alles.
VW Golf 1.5 eTSI
Wirkt deutlich solider: Das Facelift gefällt mit schwerer Motorhaube und Verzurrösen aus Metall im Kofferraum – im Blech verschraubt.
Bild: Christioph Börries / AUTO BILD
Unser Testexemplar kam in Style-Ausstattung. Die ist oben angesiedelt in der Hierarchie und hat Highline abgelöst. Dreizonen-Klima, Heckkamera, Vordersitze mit Lendenwirbelstützen und Massagefunktion auf der Fahrerseite sind Serie. Schön auch, dass die nervös machenden Sensorfelder in den Lenkradspeichen wieder echten Tasten gewichen sind. Denn die sind eindeutiger zu bedienen.

Infotainment endlich wie es sein soll

Zentrale Verbesserung des Golf-8-Facelifts aber ist ohne Zweifel das überarbeitete Infotainment. VW hat die nicht nur von uns geäußerte Kritik abgearbeitet: Das Infotainment, in unserem Testwagen die große Version mit 12,9-Zoll-Bildschirm, fährt jetzt deutlich schneller hoch. Auch die früher häufigen lästigen Hängenbleiber sind passé. Die letzten Ziele verdecken nicht mehr die Navikarte.
VW Golf 1.5 eTSI
Endlich: Das Infotainment fährt jetzt schneller hoch und läuft auch stabiler, alte Naviziele verdecken nicht mehr die Karte.
Bild: Christioph Börries / AUTO BILD
Die konnten früher nur Eingeweihte freilegen, per Wischbewegung. Jetzt drückt man einfach auf ein allgemein verständliches, da beschriftetes Kartensymbol – so kann man's machen. Dank Menüleisten oben und unten, mehr Direktzugriffen auf Wichtiges (ohne ablenkenden Umweg übers Zentralmenü) und verständlicherer Symbolik ist die Bedienung nun selbsterklärend – warum nicht gleich so?

Fahrzeugdaten

Fahrzeugdaten
Motor Bauart/Zylinder
Vierzylinder, Turbo, Mildhybrid
Einbaulage
vorn quer
Ventile/Nockenwellen
4 pro Zylinder/2
Nockenwellenantrieb
Zahnriemen
Hubraum
1498 cm³
kW (PS) bei 1/min
110 (150)/5000
Nm bei 1/min
250/1500
Vmax
224 km/h
Getriebe
Siebengang-Doppelkupplung
Antrieb
Vorderradantrieb
Bremsen vorn/hinten
Scheiben/Scheiben
Testwagenbereifung
225/40 R 18 Y
Reifentyp
Bridgestone Potenza S005
Radgröße
7,5 x 18"
Abgas CO2
121 g/km
Verbrauch*
5,3 l
Tankinhalt
50 l
Kraftstoffsorte
Super
Ottopartikelfilter
Serie
Vorbeifahrgeräusch
68 dB(A)
Anhängelast gebremst/ungebremst
1500/680 kg
Stützlast
80 kg
Kofferraumvolumen
381–1237 l
Länge/Breite/Höhe
4282/1789–2073**/1483 mm
Radstand
2620 mm
Grundpreis
34.480 Euro
Testwagenpreis (wird gewertet)
41.680 Euro
Der Lautstärke-Slider, noch immer weniger eindeutig als der gute alte Drehregler, ist jetzt wenigstens beleuchtet und mit einer breiteren Kante versehen, auf der sich die Hand bei der Bedienung ablegen lässt. Mit dieser umfänglich überarbeiteten Bedienung bleiben auch Geschäftsreisenden, die nach langem Flug müde in einen Leih-Golf steigen, Schreikrämpfe erspart. Das war vor dem Facelift nicht so.

Gute Sitze und ausreichend Platz

Naviziele einzugeben ist mit der wachen neuen Spracherkennung ("Hallo, Ida" oder per Lenkradtaste) flott erledigt. Sie versteht freie Rede und beantwortet etwa auch Fragen nach dem nächstgelegenen japanischen Restaurant.
VW Golf 1.5 eTSI
Die Sitzfläche im Fond fällt stark ab, aber dafür reicht die Kopffreiheit im Golf auch für Großgewachsene – und der Einstieg gelingt leicht.
Bild: Christioph Börries / AUTO BILD
In der ersten Sitzreihe erfreut der Golf mit gewohnt gut stützendem Gestühl. Die Kopfstützen sind neigungsverstellbar (wie in diversen Audi), sodass der Kopf nicht in eine bandscheibengefährdende Demutshaltung gezwungen wird. In der zweiten Sitzreihe fällt die Sitzfläche kompaktautotypisch stark ab; die Kopffreiheit reicht dafür auch für Großgewachsene, die ohne Einziehen des Kopfes einsteigen können – klassenunüblich.

Mildhybrid mit niedrigem Verbauch

Vom Start weg entwickelt der vom 48-Volt-Riemenstartergenerator unterstützte Direkteinspritzer viel Kraft, klingt beim Kickdown wie die Sportversion seiner selbst. Wer vor der Ampel ausrollt, erhält eine Aufforderung, das Gaspedal zu lupfen und so die Segelfunktion zu nutzen. Der Motor schaltet beim Ausrollen dann ab, um bei Bedarf samtig-diskret wieder die Arbeit aufzunehmen. Resultat der Mildhybridisierung: Verbräuche um sechs Liter. Und: Der Startergenerator lässt auch den letzten Rest an DSG-Geruckel verschwinden; alles fein verschliffen.
VW Golf 1.5 eTSI
Ordentlich: Der 1.5 eTSI kommt dank Segelfunktion im Testdurchschnitt mit 6,1 l/100 km aus, sein Startergenerator eliminiert das DSG-Ruckeln.
Bild: Christioph Börries / AUTO BILD
Windgeräusche kennt er erst ab 180 km/h. Die angegebenen 224 km/h Höchsttempo sind ein eher theoretischer Wert, denn der eTSI ist lang übersetzt und braucht für solche Tempi mehr Anlauf, als die Verkehrsdichte in der Regel hergibt. Kopfsteinpflaster entzaubert ihn ein wenig: Die Innenverkleidungen quittieren es mit leichtem Zirpen, viele andere Kompakte sind aber lauter.

Messwerte

Messwerte
Beschleunigung
0–50 km/h
3,2 s
0–100 km/h
8,6 s
0–130 km/h
13,9 s
0–160 km/h
21,6 s
Zwischenspurt
60–100 km/h
4,6 s
80–120 km/h
5,9 s
Leergewicht/Zuladung
1359/501 kg
Gewichtsverteilung vorn/hinten
60/40 %
Wendekreis links/rechts
11,1/11,0 m
Sitzhöhe
515 mm
Bremsweg
aus 100 km/h kalt
34,0 m
aus 100 km/h warm
33,1 m
Innengeräusch
bei 50 km/h
59 dB(A)
bei 100 km/h
67 dB(A)
bei 130 km/h
70 dB(A)
bei 160 km/h
72 dB(A)
Verbrauch
Sparverbrauch
4,9 l S/100 km
Testverbrauch Durchschnitt der 155-km-Testrunde
(Abweichung zur WLTP-Angabe)
6,1 l/100 km
(+15 %)
Sportverbrauch
7,9 l/100 km
CO2 (Testverbrauch)
145 g/km
Reichweite (Testverbrauch)
815 km
Unser Testwagen hatte die Progressivlenkung (215 Euro Aufpreis) an Bord. Das Handmoment liegt höher als vorher, auch hier hat VW Kritik an zuvor übertriebener Leichtgängigkeit abgearbeitet. Agilität und Fahrspaß bietet dieser Golf ohne Zweifel. Mit den auf kurzen Anregungen nur leicht komfortmindernden 18-Zoll-Rädern lässt sich ein präziser Kurvenstrich fahren.
VW Golf 1.5 eTSI
Dynamiker: Mit der Progressivlenkung für 215 Euro geht der Golf gut ums Eck. Agilität und Fahrspaß bietet dieser VW ohne Zweifel.
Bild: Christioph Börries / AUTO BILD
Und wenn wir es übertreiben, werfen bissige Bremsen den Anker. Unser Testwagen bietet Verkehrszeichenerkennung mit Übernahme (reagiert überdurchschnittlich schnell) und Echtzeit-Verkehrsmeldungen. Die Assistenz differenziert zwischen Rinnen, Bordsteinen und gestrichelten Linien – ein aufwendiges Kamerasystem. Allerdings zeigt das Navi-System freie Straßen nicht an.
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* Weitere Informationen zum offiziellen Kraftstoffverbrauch und zu den offiziellen spezifischen CO2-Emissionen und gegebenenfalls zum Stromverbrauch neuer Pkw können dem "Leitfaden über den offiziellen Kraftstoffverbrauch" entnommen werden, der an allen Verkaufsstellen und bei der "Deutschen Automobil Treuhand GmbH" unentgeltlich erhältlich ist www.dat.de.
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Der 1.5 eTSI (gab es schon vor dem Facelift) drückt den Verbrauch mittels technischem Aufwand erfolgreich. Die Frage ist, ob ein Eigner 3000 Euro Mehrkosten gegenüber dem normalen 1.5 TSI herausfahren kann, denn der Test-Minderverbrauch liegt bei rund 0,5 Litern auf 100 Kilometer. Man muss über 300.000 Kilometer fahren, bis sich die Mehrausgabe rechnet. Oder Idealist sein.
Vielleicht schafft es der Golf ja wieder auf den Zulassungsthron, den kürzlich noch der SUVige Markenbruder T-Roc besetzt hielt. Denn jetzt ist der Golf 8 erstmals so rund und ausgewogen, dass man kaum Kritikpunkte findet.

Testwagenpreis über 40.000 Euro

Mal abgesehen vom Preis. Und der läppert sich: Zu den 37.300 Euro für den Mildhybrid-Style gesellen sich noch 1645 Euro für den großen Infotainmentbildschirm, Head-up-Display, Sprachassistent Ida und Sitzheizung vorn (Business Premium Paket), 390 Euro für die Ringsum-Kameraüberwachung und 620 Euro für Travel Assist mit automatischer Tempolimit-Übernahme. Wie wär's mit adaptiven Dämpfern? Bitte sehr, macht 1045 Euro. Noch die schicken 18-Zoll-Räder für 705 Euro? 40.000 Euro sind schnell überschritten.

Wertung

Wertung
Karosserie
Solide verarbeitet, auf Kopfsteinpflaster nicht geräuschfrei. Laderaum gut nutzbar dank Steilheck.
4/5 Punkten
Antrieb
Dank Unterstützung des Startergenerators ruckfreie, fast sportive Kraftentfaltung – geschliffen.
4/5 Punkten
Fahrdynamik
Mit der Progressivlenkung agil, rückmeldungsfreudig, gut beherrschbar. Bremsleistung über Durchschnitt.
4/5 Punkten
Connected Car
Software läuft nun flüssig, Spracherkennung beantwortet auch Wissensfragen, Apps hinzubuchbar.
4/5 Punkten
Umwelt
Letztlich ein Verbrenner mit nur leicht unterdurchschnittlichem CO2-Ausstoß. Nicht zu schwer.
3/5 Punkten
Komfort
Fahrwerkskomfort wie Lenkung ausgewogen, bequeme Sitze. Komfort im Fond durchschnittlich.
4/5 Punkten
Kosten
Der große Schwachpunkt. Zum Testwagenpreis (41.680 Euro) gibt's anderswo Familien-SUV.
2/5 Punkten
AUTO BILD-Testnote
2-
Das Erfreulichste an diesem Facelift ist, dass hier Kundenkritik tatsächlich erhört und abgearbeitet wurde. So macht Golf fahren wieder Spaß – muss man sich nur leisten wollen und können.

Bildergalerie

VW Golf 1.5 eTSI
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VW Golf 1.5 eTSI
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VW Golf 8 Facelift im ersten Test

Fazit

Schluss mit der Golf-Krise: VW hat die Schwächen bei Bedienung und Infotainment konsequent abgearbeitet. Geschliffen und ausgewogen, hat der Golf 8 unserer Meinung nach nur noch einen echten Fehler: den Preis.
AUTO BILD-Testnote: 2-