Mit der achten Generation sollte der Golf digital wie nie und richtig smart werden. Doch es kam anders – und so wurde der Klassenprimus in Sachen Connectivity zum Sorgenkind. Das MIB-3-System musste sich anhören, zu langsam zu sein, eine wenig intelligente Sprachsteuerung zu haben und immer wieder abzustürzen. 

Das Klagen der Kunden und die zahlreiche Kritik der Presse haben allerdings ihre Wirkung gezeigt. Volkswagen liefert nun ein Soft- und Hardwareupdate für den Golf 8. Kann die Aktualisierung der Technik die Missstände endgültig beseitigen und den Wolfsburger wieder konkurrenzfähig machen? AUTO BILD ist den Golf 8 mit neuer Software gefahren und zeigt, wie sich der Kompakte damit im Alltag schlägt.

Aktualisierung: Das soll mit dem Update besser werden

Die Wolfsburger versprechen mit dem Golf-Update einen deutlich verbesserte Sprachsteuerung, kürzere Reaktionszeiten, mehr Performance und mehr Zuverlässigkeit. Außerdem werden gewisse Bedienelemente bei Bedarf gesperrt, was vor Fehlbedienung schützen soll. Ein Großteil der Funktionen soll auch mit bisherigen Golf 8 möglich sein, neu produzierte Fahrzeuge greifen zudem auf neue Hardware zurück.
Nach dem Update lässt sich der Softwarestand mit der Nummer 1890 ablesen, drahtlos aktualisert der Golf dann auf 1896.

Aufbau des Updates: neue Hard- und Software für den Golf 8

VW teilt das Update in zwei Stufen auf. Zum einen gibt es das Softwareupdate (Stand 4.3.:1896) und zum anderen einen neuen Chipsatz für mehr Performance (Hardwarestand: H58). Bestandskunden, deren Golf noch vor der Kalenderwoche 48 im Jahr 2020 gefertigt wurde, werden nur mit neuer Software ausgestattet. Danach produzierte Golf-Modelle bis KW 48/21 sollen später ein Update erhalten, da ihr Softwarestand schon etwas neuer ist. Neue Golf-Modelle seit dem Jahreswechsel setzen dagegen bereits auf den neuen Snapdragon-Prozessor von Qualcomm und eine schnellere Grafikeinheit. Während der neue Chip rund 25 Prozent schneller sein soll, verspricht die Grafikkarte sogar drei Mal schneller zu arbeiten als bisher.
Als Testwagen diente ein Golf 8 GTI mit 245 PS, Handschaltung und dem neuen Chipsatz.

Wer seinen Golf schon länger besitzt, wird von Volkswagen noch im Frühjahr angeschrieben und gebeten, seinen Wagen in die Werkstatt zu bringen. Das Update soll dann rund vier bis fünf Stunden dauern. Grund für den Werkstattbesuch: Anders als bei der ID Familie sind die Systeme im Golf dezentraler und somit komplexer zusammengestellt. Daher sind die Eingriffe in die Steuerelektronik größer als das bei anderen Modellen der Fall wäre, was die Möglichkeit die Aktualisierung über die integrierte SIM-Karte zu laden, ausschließt.

Altbestand: Update auch für Bestandskunden

Laut Angaben von Volkswagen wurden interne Prozesse verschlankt, was dem gesamten System erlaubt, mit den vorhandenen Ressourcen besser zu wirtschaften. Das Ergebnis: auch mit der bisherigen Rechentechnik soll das Infotainment deutlich besser arbeiten können. Was das für die Praxis bedeutet, wird sich noch zeigen. Der von VW bereitgestellte Testwagen verfügte bereits über die neue Hardware.

Alltagstest: Golf 8 mit neuer Technik im Test

AUTO BILD macht den Alltagstest mit dem digital gelifteten Golf. Das System ist im Allgemeinen flüssiger zu bedienen und läuft sehr stabil.

Reaktionsgeschwindigkeit und Booten: System ist sofort da

Bislang konnte es schon mal eine Zeit dauern, bis das Infotainment im Golf mit der Arbeit begonnen hat. Bei einem System, dass neben Medien auch die Navigation oder die Klimabedienung beinhaltet, ist das im Alltag aber nicht tolerierbar. Zum Glück ändert sich das mit dem Update. Innerhalb kürzester Zeit bootet das Infotainment nach Betätigung der Zündung. Hier ergibt die Mischung aus verschlankter Software und den neuen Chipsätzen ein deutlich besseres Nutzererlebnis. Das spiegelt sich auch in der Gesamtperformance des Systems wider. Ein Ruckeln beim Wechsel der Ansichten im Display ist deutlich seltener auszumachen, die Bedienung erfolgt allgemein flüssiger.

Sprachsteuerung: Helfer arbeitet im Golf 8 künftig zuverlässiger

VW verspricht bis zu 95 Prozent aller Spracheingaben nach dem Update verarbeiten zu können. In der Praxis lässt sich dieser Wert allerdings nicht wirklich nachvollziehen. Zwar lässt der Sprachassistent nun mehr freie Formulierungen zu, was vor allem bei der Suche nach einem Navigationsziel weniger Frust verursacht. Navi-Ansagen lassen sich allerdings nicht per Sprachsteuerung ausschalten. Der Assistent versteht zwar, worum es geht, weist aber nur auf die Einstellungen hin. Neu zum Update ist die Möglichkeit, dem Sprachhelfer ins Wort zu fallen. Das macht die Interaktion natürlicher und weniger sperrig.
Der Sprachassistent lässt sich nun ins Wort fallen, was die Interaktion mit ihm natürlicher erscheinen lässt.

Die Intelligenz des Sprachhelfers beschränkt sich weiterhin auf Funktionen im Fahrzeug, Fragen nach dem Wetter oder dem Spielstand von Sportereignissen müssen weiterhin über die Alexa-Integration im Golf gemacht werden. Trotzdem ist die Sprachsteuerung im Alltag eine nützliche Bereicherung. Vor allem mit Blick auf die Bedienung unterschiedlicher Systeme, die ansonsten über Untermenüs gesteuert werden müssen, hilft das Feature.

Schutz vor Fehlbedienung: Touchslider kann gesperrt werden

Als neue Funktion führt Volkswagen die zeitweise Sperrung nicht benötigter Bedienfelder ein. Somit wird der Fehlbedienung der Lautstärkeregelung vorgebeugt. Wer bisher seinen Finger auf dem Touchfeld abgestützt hat, lief Gefahr, die Lautstärke plötzlich zu verändern. 
An der Benutzeroberfläche hat VW nichts verändert, die Klimabedienung versteckt sich weiterhin im Untermenü.
Nun erkennt der Bildschirm, wenn die Hand zum Tippen an die Scheibe geführt wird und blockiert die Eingabe im Slider. Das funktioniert im Alltag einwandfrei und ohne Probleme. Eine sinnvolle Ergänzung ohne großen Aufwand, schließlich setzt VW schon seit dem Golf 7 auf einen Annäherungssensor bei seinen großen Infotainmentbildschirmen.

Stabilität: Keine Systemabstürze von CarPlay

Wer sein Telefon mit einem Golf koppeln wollte, musste mit Frust umgehen können. Ständig brach die Verbindung bei der drahtlosen Kopplung ab, oder das Infotainment erkannte das Telefon nach dem Start des Autos nicht wieder. Mit dem neuen Softwarestand sind diese Probleme Geschichte: Im Test konnte die Verbindung mit einem iPhone problemlos hergestellt werden, auch die Verbindung hielt stets an und wurde noch erneutem Starten des Golfs sofort wiederhergestellt. Endlich macht die Handynutzung im Golf 8 Spaß.

Fazit

VW ermöglicht dem Golf endlich ein angemessenes Nutzererlebnis. Zwar ist das Infotainment noch immer nicht auf Premiumniveau, kann aber für einen Volumenhersteller nun mächtig punkten. Endlich läuft das System stabil, was die nicht besonders intelligente Sprachsteuerung etwas in den Hintergrund rücken lässt.