Mancher Autoname stellt unlösbare Rätsel, aber dieser erklärt sich sofort: Golf Cabrio. Da weiß man, was man hat, und seien es nur ein paar Bilder vor dem geistigen Auge. Deutschlands Bestseller, das Auto einer ganzen Generation, nur eben in offen. Und natürlich: das Erdbeerkörbchen von früher (hatte nicht Karin aus dem Tennisklub eins?). Der Neuling hat keinen Bügel mehr, und sein Stoffdach haben sie hinten platt gedrückt wie an einem Coupé. Ansonsten hält das Auto so wenige Überraschungen bereit wie sein Name. Halt, eine vielleicht. Beim ersten Einsteigen vermissen wir plötzlich das Kompakte, Übersichtliche des Alten. Bei diesem hohen Heck gehören die Parkpiepser zwingend auf die Einkaufsliste – aber zu der kommen wir später.

VW Golf VI Cabrio (2011)

Henkel adé

Bild: Angelika Emmerling
Das Golf Cabrio, neun Zentimeter breiter als früher, hat ebenso deutlich an Ganzjahresqualität zugelegt. Es ist geräumiger, solider, moderner. Golf eben. Unterm dicken, dreilagigen Stoffhimmel lassen sich selbst fiese Winterstürme ertragen, wer braucht da noch ein Blechdach? Sprich: den Markenbruder Eos? Checken wir also die Cabrio-Talente des offenen Golf: Das Dach klappt serienmäßig elektrisch und in jeder Rotlichtphase, die flache Frontscheibe endet vor dem Kopf – und nicht etwa darüber wie beim Peugeot 308 CC. Bei versenkten Seitenscheiben fegt eine kräftige Luftdusche in den VW und zerzaust garantiert jede Frisur. Ein Weichei-Cabrio ist das nicht. Danke, VW, dass wir inmitten der Golf-Perfektion die Elemente spüren. Ab 120 km/h klappern lose Gurtschlösser an der Seitenwand, das oberste Dachteil bläht sich in seiner Ablage auf. Bei geschlossenem Verdeck sollen Längsnähte als Regenrinne dienen, trotzdem läuft beim Türöffnen etwas Regenwasser auf den Sitz. Das Dach (von Webasto-Edscha) blieb in der Waschstraße vorbildlich dicht, erst der Dampfstrahler drückte ein paar Tropfen durch die Dichtlippen.
VW Golf VI Cabriolet 1.2 TSI Blue Motion Technology
Schneller, als das Werk verspricht: Der Testwagen sprintet in 11,4 Sekunden auf Tempo 100.
Bild: Toni Bader
Ungewöhnlich, dass das Cabrio bei Tempo 100 genauso leise ist wie der geschlossene Golf. Auch ein Verdienst des 1.2 TSI, der in seiner dicken Kapselung so leise murmelt, dass man sich an der Ampel fragt, ob er überhaupt noch läuft oder Start-Stopp ihn schon abgeschaltet hat. Sein Turbo-Temperament macht im Alltag richtig satt, der Testwagen sprintet in 11,4 Sekunden auf Tempo 100 – das ist sogar schneller, als das Werk verspricht. Erst jenseits der 150 km/h geht ihm die Puste aus. Aber ist das noch Cabrio-Gangart? Für Golf-Fahrer, die mit dem Offenen liebäugeln, haben wir verglichen. Als Cabrio wiegt der 1.2 TSI 144 Kilo mehr als die Limousine, beschleunigt genauso schnell und schluckt im Test 6,6 Liter (das sind 0,3 Liter mehr). Bei offenem Dach kommt nur ein halber Liter dazu.Da können sich Käufer die 875 Euro für den größeren 1.4 TSI mit 122 PS sparen, zumal der erst im Herbst 2011 kommen wird. Die Basisversion kostet mit 24.025 Euro aber auch schon 4950 Euro mehr als der Golf-Zweitürer. Und dann erst die Extras: Aluräder? Müssen sein, macht mindestens 445 Euro. Radio? Ab 655 Euro. Navi? 660 Euro. Windschott? 315 Euro. Metalliclack? Jaaa, wenn's nicht die einzige Uni-Farbe Weiß sein soll, also 500 Euro. Ach ja, der Parkpilot für 540 Euro. Und Textilfußmatten: 97 Euro (Frechheit!). Macht unterm Strich 3212 Euro – und könnte eine Alternative zu den Paketen sein, die VW empfiehlt. Teuer wird das Golf Cabrio also ganz schnell, aber auch das erklärt sich bei diesem Namen wie immer von selbst.

Fazit

von

Joachim Staat
VW baut im alten Karmann-Werk wieder ein Auto, das sich in frühere Erfolgsmodelle aus Osnabrück einreiht: Wie der offene Käfer und das alte Henkel-Cabrio ist der Golf das solide, vielseitige Cabriolet für jedermann und alle Wetter. Sein Softtop macht Blechdächer überflüssig, geöffnet setzt er seine Insassen an die frische Luft. Dazu kommen typische Golf-Qualitäten: kompakter als die Hardtop-Konkurrenz, überlegenes Fahrwerk und souveräner Komfort, sparsamer Motor und moderne Technik. Dagegen stehen der hohe Preis und die magere Ausstattung – auch im Schlechten ist das Cabrio ein Golf. Gesamtwertung: vier von fünf möglichen Sternen.