VW Golf GTI Edition 50 im Test
Golf GTI Edition 50 – mehr Grip, mehr Tempo, mehr Wow

Leichtere Semislicks, spezielle Radträger, minus zwei Grad Sturz, 25 Kilogramm weniger Gewicht, 325 PS – klingt nach einem echten Tracktool. Erste Probefahrt mit dem VW Golf GTI Edition 50 auf der Rennstrecke!
Bild: Ingo Barenschee
Offiziell spricht VW von 7:46,13 Minuten für den neuen VW Golf GTI Edition 50 für die 20,8 Kilometer lange Nordschleifen-Variante. Nur drei Sekunden flotter als der GTI Clubsport S von vor zehn Jahren. Weil damals aber die Uhr bei 20,6 Kilometern stehen blieb, muss man bei den 7:49 Min. des Clubsport S noch mal fünf Sekunden dazu addieren. Und so wird aus dem "nicht schlecht" für den neuen Rekord ein "wow".
Warum? Ganz einfach, der Neue ist auf den ersten Blick im Vergleich zum S von 2016 bei Weitem nicht so radikal und schleppt zudem 170 Kilogramm mehr mit sich rum. Natürlich werden Kenner jetzt sagen, die Strecke hat sich über die Jahre geändert, Technik und Reifen haben sich extrem weiterentwickelt.
Richtig, aber ihr Kenner wisst auch, dass acht Sekunden mit einem Kompakten schon eine kleine Welt sind. Das fährt man nicht einfach mal so aus der Hüfte schneller. Zumal der Neue auch nur 15 PS mehr hat als der Clubsport S von damals.

Oh, mein Gott, wie dieser GTI einlenkt, das erinnert an einen Elfer! Das Alcantara-Lenkrad kostet 230 Euro extra, leider keine großen Schaltwippen.
Bild: Ingo Barenschee
Der wiederum trug auch schon Michelin Cup 2 mit spezieller Porsche-Kennung, hatte unter anderem leichtere Bremsen mit speziellen Belägen, geänderte Radträger für mehr Negativsturz (-2,0° vorn; -2,15° hinten), ein entkerntes Interieur – alles zusammen unter 1300 Kilogramm. Fuhr damals schon eine 1:38,0 Min. auf dem Sachsenring, was lange Jahre der schnellste Kompakte war.
Inzwischen übernahm der radikale Renault Mégane R.S. Trophy-R den Platz, die Kompakten führt der Audi RS 3 mit 1:34,9 Min. an. Schnellster Golf? Der R 20 Years, 1:36,82 Min. Und wenn man sich dessen Nordschleifen-Zeit anschaut (7:47,31 Min.), könnte dieser neue GTI Edition 50 tatsächlich auch auf anderen Strecken die Golf-Krone übernehmen.
Rekordfahrer macht Lust auf mehr
So redet auch mit breitem Grinsen VWs Rekordfahrer Benny Leuchter. Er ist hier und heute auf der spanischen Rennstrecke Monteblanco mit dabei, als wir das erste Mal mit dem neuen "Wunder-Golf" fahren dürfen. "Der wird dir gefallen, der ist richtig flott, ein echtes Fahrerauto", so der Racer. Wenn man Benny ein bisschen persönlich kennt, dann kauft man ihm das auch ab. Obwohl ich doch etwas skeptisch bin.
Klar, der GTI feiert 50. Geburtstag. Das muss man bei VW feiern und ausschlachten. Normalerweise wird dann ein Auto mit allen erdenklichen Extras bestückt, die Räder poliert, eine Gedenktafel ans Auto geklebt und das Preisschild angepasst. So läuft es doch! Doch dann kommt Florian Umbach ins Spiel. VWs Fahrdynamik-Chef hält eine Präsentation zum Auto und erklärt die Besonderheiten. Nach den zehn Minuten steht mein Mund weit offen, die Augen sind groß. Wow, die haben ja mal richtig in die Trickkiste gegriffen, nix mit Geburtstagsschminke.

Der einzige optische Hinweis auf den Edition 50: das Logo am Dachspoiler.
Bild: Ingo Barenschee
Steifere Federbeinlager, steifere Lenkerlager im Querlenker, modifizierte Radträger zur Sturzerhöhung an der Vorderachse, steifere Dämpferlager und ein spezieller Radträger mit modifizierter Anbindung der Spurstange an der Hinterachse, neue, härtere Federn inklusive weiterer fünf Millimeter Tieferlegung, eigene Datensätze für die adaptive Fahrwerksregelung, -2,0° Sturz an der Vorderachse (GTI Clubsport bisher -1,33°). Und als ob das noch nicht genug wäre, spricht Umbach auf einmal von 25 Kilogramm Gewichtsersparnis. Erzielt durch eine neue Akrapovič-Anlage, die bekannten Warmenau-Räder und Reifen.
Reifen-Trick spart überraschend Gewicht
Wie bitte? Kann man die Gummis etwa erleichtern? Ja! Der Bridgestone Potenza Race heißt zwar genauso wie die bisherigen Semis an GTI CS und R. Der Pneu ist aber ein ganz anderer. Pro Reifen konnte man 1,2 Kilogramm sparen, Mischung und Profil sind noch mal deutlich mehr Richtung Rennstrecke abgestimmt. Einziger Haken: Die Zauberei bekommt man erst, wenn man das Performance-Paket Edition 50 ordert und noch mal 4200 Euro auf die schon stattlichen 54.540 Euro drauflegt.

Leider wieder keine Carbon-Abdeckung. Unverständlich, dass es nicht einmal beim Jubi-GTI zu etwas mehr Motoroptik gereicht hat.
Bild: Ingo Barenschee
Was noch? Der EA888-LK3-Zweiliter-Turbomotor heißt nun Evo4, leistet 325 PS und 420 Newtonmeter (20 mehr als im CS). In Sachen Optik gibt es den Golf in grellem "Tornadorot" und "Dark Moss Green" sowie Grau, Weiß und Schwarz. Innen erkennt man den Jubi-GTI an speziellen Sportsitzen im "Clark GTI 50"-Design, Pedalerie und Gurte sind in Rot.
Erste Fahrt zeigt den wahren Charakter
Genug der Theorie und Daten, rein in die Kiste. Mal sehen, ob Fahrwerks- und Reifenzauber wirklich spürbar sind. Special-Mode aktiviert, ESP off, Benny fährt mit einem Golf R voraus, zeigt die Ideallinie. Und dann lenkst du die erste Rechts an und traust deinem Popometer nicht. Der GTI biegt subjektiv wie ein 911 GT3 ins Eck, die Bridgestones kleben deutlich mehr als alles, was wir bisher von VW kannten, die aktive Sperre arbeitet sensationell. Kurvenausgangs kein Untersteuer-Geschiebe unter Last, das Ding folgt einfach der Linie. Vor lauter Begeisterung vergisst man beinahe, den nächsten Gang an der Schaltwippe einzuklicken.

Beim normalen GTI gibt es nur das düstere "Kings Red". Für den Edition 50 hat man das hellere "Tornadorot" ausgepackt.
Bild: Ingo Barenschee
Das Power-Plus ist genauso spürbar, obenrum deutlich drehfreudiger. Auf der Bremse biegt der Golf absolut spurstabil ab, während das Heck sanft mitdreht. Die schnellen Ecken gehen allesamt voll, und über all der Heizerei wacht eine perfekte Rückmeldung. Für die Freaks: Das fühlt sich alles nach einem Clubsport-Gewindefahrwerk und drei Grad Sturz an.
Zusammengefasst: Der Krone des schnellsten Fronttrieblers steht nichts im Wege. Und auch Platz eins für den schnellsten Golf auf dem Sachsenring dürfte demnächst an den GTI Edition 50 gehen.
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