Das Modelljahr 1976 sollte der Zeitpunkt sein, an dem Volkswagen erstmals das mittlerweile legendären Kürzel GTI verwendete. Auf Basis der ersten Golf-Generation präsentierte man einen kompakten Sportler mit für die damalige Zeit beeindruckenden 110 PS bei einem Leergewicht von gerade einmal 810 Kilogramm. In unter zehn Sekunden durchbrach der VW die 100-km/h-Marke, erst bei 182 km/h beugte er sich dem Luftwiderstand. Zunächst als Kleinserie gedacht, avancierte der sportive Golf letztlich zum Verkaufsschlager – und rief die Mitbewerber auf den Plan. Im Falle Peugeots reagierte man erst spät – im Modelljahr 1984 –, aber treffend, mit einem eigenen GTi auf Basis des Modells 205. Preislich knapp 3000 D-Mark unterhalb des Wolfsburgers mit seinen 22.000 D-Mark Erwerbskosten angesetzt, aber mit seinem 1,6-Liter-Vierzylinder und 103 PS ähnlich stark wie der VW, konnte der Franzose auf Anhieb überzeugen.

Überblick: Alle News und Tests zum Peugeot 308

Peugeot 308 GTi
Wiederbelebung: Mit dem 308 reaktiviert Peugeot das GTi-Label.
Bild: Lena Barthelmeß
Mehr als 29.000 Peugeot 205 GTi wurden bis zu seiner Einstellung 1995 allein in Deutschland unter das Volk gebracht, über 330.000 Fahrzeuge weltweit. Danach sollte es – von einigen wenigen GTi auf Basis der Modelle 206+ und 309 für wenige Märkte abgesehen – vorerst still um den Grand Tourisme Injection aus Frankreich werden. Bis heute. Jetzt haben die drei legendären Buchstaben, das Synonym für Sportlichkeit in der Kompaktklasse, auch bei Peugeot wieder ihren Weg zurück ins Portfolio gefunden – als Konter zum Klassenprimus Golf GTI. Auf dem Papier geben sich die beiden Kontrahenten 308 GTi (Obacht, in diesem Fall mit kleinem "i" geschrieben) und Golf GTI leistungstechnisch recht ausgewogen: Der Deutsche trumpft bei zwei Litern Hubraum mit 211 Pferdestärken und 280 Newtonmetern auf, der Franzose kontert mit 200 PS und 275 Newtonmetern, schöpft seine Kraft allerdings aus gerade einmal 1,6 Liter Hubraum – einer Turboaufladung sei Dank, auf die VW beim GTI-Vierzylinder allerdings ebenso zurückgreift.

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VW Golf VI GTI
Kostspielig: Bei vergleichbarer Ausstattung ist der Golf GTI 7000 Euro teurer als der 308.
Bild: Lena Barthelmeß
Beide Testwagen verfügen über ein manuelles Sechsgang-Schaltgetriebe, wobei dieses bei Peugeot die einzige Wahl für den GTi-Spross ist, Volkswagen offeriert für 1875 Euro Aufpreis das Sechsgang-Doppelkupplungsgetriebe DSG. Zum Marktstart bietet Peugeot im Rahmen eines Einführungsangebots für 2800 zusätzliche Euro einige weitere Ausstattungsdetails an, die den Kauf noch schmackhafter machen sollen. Dazu gehören etwa die Einparkhilfe vorn wie hinten, ein Panorama-Glasdach, ein Bi-Xenon-Paket mit dynamischem Kurvenlicht, ein 7-Zoll-Navigationssystem sowie Bedienhebel am Lenkrad. Unterm Strich werden so also 28.400 Euro für einen sehr gut ausgestatteten GTi aus Frankreich fällig. Der Basispreis des VW indes liegt mit 27.275 Euro gerade einmal rund 1125 Euro unter dem Peugeot-"all inclusive"-Angebot – und ein Navigationssystem, 18-Zoll-Räder, das adaptive Fahrwerk, Xenonscheinwerfer mit Kurvenlicht, der Parkpilot oder etwa auch die Fondtüren unseres Testwagens lassen den Preis für den deutschen GTI auf über 35.000 Euro anwachsen. Womit der VW-Sportler beim Kauf nach 7000 Euro mehr auf dem Sparbuch verlangt – ein deutlicher Preiszuschlag. Doch ist der Wolfsburger diesen auch wert?
Rein äußerlich geben sich sowohl der Golf als auch der 308 eher zurückhaltend – keine martialische Bespoilerung, stattdessen optisch dezent optimierte Großserienware. Beim Interieur beweist der Golf wie gewohnt Klassenprimus-Qualitäten: Die Verarbeitung ist top, im Peugeot in Detailbereichen noch verbesserungswürdig. Sowohl im Golf als auch im 308 freuen sich Rücken und Po über Sportsitze, die nicht nur einen guten Seitenhalt bieten, sondern auch auf längeren Strecken bequem sind. Während die Instrumente im VW sehr gut ablesbar sind, verlangt die Tachoeinheit des Franzosen dank ihrer kleinen Skalierung nach einem genaueren Hinsehen. Sowohl beim Golf als auch beim 308 gibt sich das Lenkrad angenehm griffig. Während die zusätzlichen Bedientasten des VW gut positioniert auf dem Volant liegen, kämpft der Peugeot-Kunde mit zwei zusätzlichen Bedienhebeln hinter dem Lenkrad.

Beide Kompaktsportler bieten reichlich Fahrspaß

VW Golf VI GTI Peugeot 308 GTi
Fast auf Augenhöhe: Bei den Fahrleistungen tun sich Golf und 308 nicht viel.
Bild: Lena Barthelmeß
Fahrdynamisch überzeugen beide Sportler durch ein angenehm direktes Lenkverhalten, allerdings ist die Rückmeldung von der Straßenoberfläche beim VW besser. Die Pedalerie lässt sich bei beiden Fahrzeugen gut dosieren, die Turbo-Vierzylinder hängen dank des breiten zur Verfügung stehenden Drehmomentbandes harmonisch, agil und spontan am Gas. Beim VW nimmt das Gehör ein grimmiges Grollen unter Volllast wahr, das sich beim entspannten Dahinrollen in einen zahmen und unaufdringlichen Auspuffklang verwandelt. Die 200 PS des Peugeot sind klanglich nahezu permanent präsent, was insbesondere auf längeren Etappen negativ dröhnend in Erscheinung tritt. Negativ fiel uns beim Peugeot auch die Tatsache auf, dass die Motorhaube im Geschwindigkeitsbereich ab 170 km/h deutlich zu flattern anfängt – und der Fahrer diesen Umstand irritiert unterhalb der Frontscheibe wahrnehmen kann.
Weitere Details zu den beiden sportlichen Kompakten gibt es in der Bildergalerie. Den kompletten Artikel mit allen technischen Daten und Tabellen finden Sie als Download im Heftarchiv.

Fazit

von

Björn Marek
Insgesamt präsentiert sich der Wolfsburger Grand Tourisme Injection noch immer als der ausgereiftere Kompaktsportler. Peugeot geht mit dem 308 GTi definitiv den richtigen Weg – und der Neuling wird auch seine Freunde finden. Bis zur perfekten Ausgewogenheit des VW bedarf es aber noch ein wenig Optimierungsarbeit.