VW Golf I von Valentin Schneider
Der Berg ruft!

AUTO BILD TUNING hat ins Schwarze getroffen. Das Interesse an den Hintergründen der automobilen Show-Kulissen ist enorm. Die Mehrzahl der Leser meinte, wir seien – abgesehen von ein bisschen viel "Bling-Bling" – auf dem richtigen Weg. Grund genug, einen Leckerbissen vorzustellen, der hält, was sein Äußeres verspricht!
- Helmut Horn
Es sind keineswegs nur Frauen, die ab einem gewissen Alter nach Selbstverwirklichung streben. Valentin Schneider (43) ist das beste Beispiel für einen Mann, der nicht nur genau weiß, was er will. Er hat auch noch im Kopf, was er schon immer wollte. Allerdings dauerte es ein wenig, bis er in dem Golf I, den man ihm bereits 1993 kostenlos überließ, das Salz in der Suppe des Lebens erkannte. Welche Spuren das Salz winterlicher Straßen an der Karosserie des Fahrzeugs hinterlassen hatte, fiel dagegen sofort auf. Zu allem Überfluss war da noch ein störendes Loch im Dach des 1er-Golf, das sich mittels einer zwischen den Sonnenblenden positionierten Kurbel verschließen ließ. Bei Motorsportfreunden ist dieses Extra ganz besonders unbeliebt, weil es unnötige Pfunde auf die Waage bringt. Dennoch stand der 1600er-GTI auf den damals gnadenlos angesagten ATS-Cup-Felgen mit den obligatorischen 195/50-15er-Reifen. Die erste Wiederbelebung des Gefährts beschränkte sich auf eine eher notdürftige Instandsetzung, die immerhin zu einer frischen TÜV-Plakette führte. So bereitete das 110-PS-Triebwerk noch zwei Jahre ungetrübtes Fahrvergnügen.
Erst Gebraucht-, dann Rennwagen. Dazwischen liegen Jahre!


Das System erkennt, in welcher Fahrstufe das sequenzielle Sechsgang-Getriebe gerade arbeitet, und unterbricht während eines Schaltvorgangs automatisch die Zündung für Bruchteile von Sekunden. Die Dauer der Unterbrechung ist für jeden einzelnen aller möglichen Gangwechsel gesondert vorprogrammiert.

Renntrimm ohne Show
Um das aus dem "Renault Clio Cup" stammende und für den Einsatz im Golf genauestens abgestimmte Getriebe verbauen zu können, wurde zur Herstellung einer passenden Getriebeglocke auf der CNC-Fräse ein individuelles Programm geschrieben. Wenn man sonst auch nicht gern über Geld spricht, so sei doch verraten, dass dieses Getriebe ohne besagte Glocke gut 9000 Euro kostete. Das hört sich zwar recht kostspielig an, der Preis liegt jedoch lediglich 2000 Euro über dem eines normalen Clio-Renngetriebes. Der Schalthebel sollte sich in unmittelbarer Nähe des geschüsselten 35er-Sparco-Lenkrads befinden. Das machte eine aufwendige, turmähnliche Konstruktion über dem Mitteltunnel erforderlich, die garantiert, dass das tapfere Schneiderlein von seiner König-Carbon-Schale aus jederzeit optimalen Zugriff auf das perfekt abgeschmeckte Sechsgängemenü hat. Sollten Ereignisse eintreten, die zu einer gewissen Appetitlosigkeit führen könnten, sorgen der Sabelt-H-Gurt und die Heigo-Zelle für den Erhalt der Lebensgeister. Ganz so gefährlich, wie das klingen mag, ist die Angelegenheit jedoch nicht.
760 Kilo Volkswagen bieten Sicherheit in jeder Beziehung
Schließlich verfügt der Bergrenner ja über ein KW-Competition-Rennfahrwerk mit Unibal-Lagern und -Gelenken, dessen Stoßdämpfer dreifach verstellbar sind. Vorn beißen modifizierte G60-Bremszangen in die innenbelüfteten Bremsscheiben. Hinten tragen Scheibenbremsen mit den Alu-Sätteln vom Golf IV dazu bei, die auf das Gramm genau 760 Kilo schwere Fuhre zu stoppen. Die mit Zehn-Zoll-Slicks bereiften Felgen messen 10x15 Zoll. Der Regenreifensatz ist nur acht Zoll breit. Zu guter Letzt zählt, was unterm Strich herauskommt. Das ist in diesem Fall nicht irgendein Geldbetrag. Es ist vielmehr die erwähnte Selbstverwirklichung des Valentin Schneider, der sich mit diesem Fahrzeug und seiner Teilnahme an Bergrennen einen Lebenstraum erfüllte. Doch es sollte noch besser kommen: Die Endabrechnung des Bergcups 2006 weist ihn in der Klasse H bis 1600 Kubikzentimeter als Gesamtsieger aus.
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