VW ID.4 Pro & VW Tiguan 1.5 eTSI in der Kaufberatung
Starkes E-Auto oder beliebter Benziner? ID.4 trifft auf Tiguan

Batterie oder Benzin – womit fahren Kompakt-SUV von VW besser? AUTO BILD macht den Test mit ID.4 und Tiguan und gibt eine Kaufberatung.
Bild: Tom Salt / AUTO BILD
Machen wir es uns einfach. Und sprechen beim SUV-Segment von Tiguan-Klasse – analog zu den Kompakten und der Golf-Klasse. Immerhin verkauft sich der Wolfsburger Hochsitz hierzulande besser als jedes andere SUV, letztes Jahr griffen 67.057 Käufer zu.
Mehr Platz gibt es im ID.4
Also vergleichen wir die beiden VW-SUV im Alltag und an der Kasse. Wobei VW recht unterschiedliche Motorisierungen an den Start schickt, doch dazu später mehr. Der ID.4 macht sich zwar 4,5 Zentimeter länger und einen Zentimeter breiter als der Tiguan, der wichtigere Unterschied steckt aber zwischen den Achsen.

Der ID.4 gewinnt im Innenraum durch seinen größeren Radstand. Dafür bietet der Tiguan in Reihe zwei mehr Luft über dem Scheitel.
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Fast zehn Zentimeter mehr Radstand bescheren dem E-Auto 35 Millimeter mehr Kniefreiheit (Vordersitz jeweils auf Normmaß eingestellt). Diesen Vorteil beim Reisen zu viert verschenkt der Elektriker dann wieder über die fehlende Innenhöhe hinten. Weil der ID.4 sein Dach 24 Millimeter dichter am Asphalt trägt und es flacher ausläuft als das des Tiguan, sitzen große Gäste immer leicht gebeugt. Der Tiguan gefällt dagegen mit geteilt längs verschiebbarer Bank sowie neigungsverstellbarer Lehne – beides bietet der ID.4 nicht.
Sprachbedienung zeigt sich sehr verständig
Bei der Bedienung vertrauen beide mehr auf Touch als auf Tasten, am einfachsten lassen sich die Fahrerwünsche aber über die Sprachassistentin IDA regeln. Die ist aufmerksam und schnell. Wer äußert, dass ihm kalt oder warm ist, wird mit einem Grad mehr oder weniger zufriedengestellt. Temperaturen lassen sich natürlich auch direkt wünschen, ebenso wie Radiosender, Naviziele, die Aktivierung der Sitzheizung oder eine Liste der Restaurants.

Die Bedienung erfolgt bei beiden über den Touchmonitor. Der Tiguan hat immerhin noch einen Drehknopf für Fahrmodi und Lautstärke.
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Bescheiden wirkt das Fahrerdisplay im Elektroauto. Die kleine Digitalanzeige liefert wirklich nur die wichtigsten Informationen, wird aber immerhin durch ein Head-up-Display ergänzt. Der Tiguan verwöhnt mit einem großen Fahrerdisplay, das nicht nur verschiedene Anzeigestile, sondern auch eine vollformatige Navikarte darstellen kann.

Der ID.4 kommt mit einem sehr kleinen Fahrerdisplay – das ergänzende Head-up-Display ist eine gute zusätzliche Informationsquelle.
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Beim Touchen auf dem Zentralbildschirm begeistern weder Tiguan noch ID.4. Insbesondere die Slider für Temperatur und Lautstärke besitzen großes Ablenkungspotenzial. Im ID.4 nerven zudem die sensiblen Schaltflächen im Lenkrad – beim Tiguan sind hier "normale" Tasten verbaut. Lob verdient der Tiguan auch für den zentralen Drehknopf, der Lautstärke und Fahrmodi regelt. Wenn es um die Sicherheitsassistenten geht, nehmen sich die VW-SUV nicht viel. Wichtiges ist Serie, der Rest optional, die Helfer funktionieren unauffällig und zuverlässig.
ID.4 ist schneller und geschliffener
VW konnte/wollte die beiden Kompakt-SUV nur mit deutlichem Leistungsunterschied liefern. So ist der ID.4 Pro mit 286 PS fast doppelt so stark wie der Tiguan 1.5 eTSI mit 150 PS. Das Bild vom leisen, aber antrittsstarken Stromer verstärkt sich so deutlich. Bis 100 km/h liegt der heckgetriebene ID.4 klar vorn, in der Endgeschwindigkeit kann er dennoch nicht mithalten.

Nur bei der Vmax liegt der Tiguan vorne, ansonsten hat er in Sachen Fahrleistungen keine Chance gegen den E-Antrieb des ID.4.
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Zusammen mit dem außerordentlich komfortabel und souverän abgestimmten Fahrwerk hinterlässt das E-Auto so den geschliffeneren Eindruck. Der frontgetriebene Tiguan hat zwar genug Kraftreserven, erscheint unter Last aber doch dröhnig. Und er federt zwar verbindlich, auf ganz miserablen Pisten aber doch störrischer als sein elektrischer Bruder.
Reichweite bleibt ein Elektro-Schwachpunkt
Dessen Schwachpunkt ist und bleibt die Reichweite. Auf unserer Testrunde ermittelten wir 351 Kilometer, der Tiguan schafft mehr als die doppelte Distanz (797 km). Und wer jetzt vermutet, der nur 170 PS starke ID.4 Pure hätte nicht nur besser gepasst, sondern auch eine größere Reichweite erzielt, der irrt.

Auf unserer Testrunde verbrauchte der ID.4 24,8 kWh/100 km, was eine Reichweite von 351 Kilometer ergibt – der Tiguan schafft 797 Kilometer.
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Weil dem Basismodell ein 52-kWh-Akku reichen muss (Pro 77 kWh), nennt VW nach WLTP 357 Kilometer Reichweite – beim starken Pro versprechen die Wolfsburger 556 Kilometer. Auch lädt der ID.4 Pure serienmäßig nur mit 50 kW (145 kW für 650 Euro), der Pro wenigstens mit 135 kW.
Fahrzeugdaten
Modell | VW Tiguan 1.5 eTSI | VW ID.4 Pro |
|---|---|---|
Benziner | Elektro | |
Leistung/Systemleistung | 110 kW (150 PS) | 210 kW (286 PS) |
Drehmoment | 250 Nm | 545 Nm |
0-100 km/h | 9,1 s | 6,7 s |
Vmax | 210 km/h | 180 km/h |
Antrieb/Getriebe | Vorderrad, Siebengang-Doppelkupplung | Hinterrad, Einganggetriebe |
Verbrauch/Reichweite WLTP | 6,1 l S/100 km/k. A. | 15,8 kWh/100 km/556 km |
Testverbrauch/Reichweite | 6,9 l S/100 km/797 km | 24,8 kWh/100 km/351 km |
Tank/Batteriekapazität | 55 Liter | 77 kWh |
Länge/Breite/Höhe | 4539/1842/1658 mm | 4584/1852/1634 mm |
Radstand | 2677 mm | 2771 mm |
Kofferraum | 652-1650 l | 543-1575 l |
Leergewicht/Zuladung | 1615/555 kg | 2157/533 kg |
Anhänge-/Stützlast | 1800/100 kg | 1000/75 kg |
Typklassen (HPF/TK/VK) | 12/21/22 | 15/22/22 |
Grundpreis | 42.880 Euro | 46.335 Euro |
Kraftstoff-/Stromkosten (60.000 km)* | 7783,20 Euro | 6547,20 Euro |
Wartung (4 Jahre) | 1600,00 Euro | 1000,00 Euro |
Steuer (4 Jahre) | 504,00 Euro | 0,00 Euro |
Versicherung (HPF/VK; 4 Jahre) | 4872,00 Euro | 6132,00 Euro |
Wertverlust (4 Jahre; 60.000 km)** | 17.657,98 Euro | 24.483,41 Euro |
Gesamt | 32.417,18 Euro | 38.162,61 Euro |
Euro pro Kilometer | 0,54 € | 0,64 € |
VW scheint den stärkeren Pro also wegen des größeren Akkus gewählt zu haben. Und muss damit leben, dass dann 46.335 Euro auf der Rechnung stehen. "Teilnehmende Volkswagenpartner" bieten aktuell aber 3570 Euro Elektrobonus – da lohnt das Nachfragen. So wären die 990 Euro für die unbedingt empfehlenswerte Wärmepumpe locker wieder drin. Derzeit muss allerdings das Infotainment-Paket für 2300 Euro mitgenommen werden – ohne gibt es nur vorkonfigurierte Modelle. Klingt komisch, ist es auch!
Laut Liste kostet der ID.4 jedenfalls etwa das mehr, was durch den E-Rabatt gespart werden kann. Unterm Strich fährt der Tiguan pro Kilometer zehn Cent günstiger, vor allem weil sein Wertverlust deutlich niedriger ist. Dazu die in fast allen Belangen höhere Alltagstauglichkeit – da ist die Entscheidung pro Tiguan mit Verbrenner ganz einfach.
Fazit
Auf den ersten Blick scheint der Vergleich von 150-PS-Tiguan und ID.4 mit 286 PS nicht stimmig. Bei genauer Betrachtung liegen die Preise dann aber dichter zusammen als gedacht. Und der ID.4 Pure mit 170 PS und kleinem Akku hätte bei der Reichweite richtig verloren. So sichert sich der Tiguan mit Benzinmotor den Sieg, weil er deutlich besser ins Leben passt. Er ist einfach alltagstauglicher. Das merkt man bei der Variabilität, bei der Reichweite und vor allem bei den niedrigeren Kilometerkosten.
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