VW Race Touareg II: Fahrbericht
Der Stadt-Neurotiker

Von der Wüste an die Waterkant: Das VW-Siegerauto erkundet unbekanntes Terrain – die Großstadt. Nichts kann den Race Touareg in Hamburg stoppen, nur seine Größe.
"Umdrehen!" Der Mann mit der Schirmmütze macht eine unmissverständliche Handbewegung. "Mien Jong, du bist zu breit." Frechheit. Ich bin stocknüchtern und werde gleich stocksauer. Da bin ich mit einem Superpromi, einem echten Champion unterwegs, und dieser Typ will uns nicht reinlassen. Aber der steht eben nicht als Eingangskontrolle zu einem angesagten Klub, sondern vorm Eingang zum alten Hamburger Elbtunnel. Und in dieser 1,90 Meter schmalen Rinne gelten andere Regeln. Ich bin wirklich zu breit. Oder besser, mein VW Race Touareg, der Seriensieger der legendären Dakar- Rallye, der von Spiegel zu Spiegel über zwei Meter misst. Es passt nicht. Aber damit musst du rechnen, wenn du als Rallye-Ikone und Hightech-Prototyp in die Großstadt kommst.

Bild: Uli Sonntag
Hamburger Elbsand? Ein Witz für den wüsten Touareg
Egal, wer 16 Tage Tortur-Rallye am Stück und bis zu 796 Kilometer lange Etappen im Höchsttempo abreißt, kann schon mal am piekfeinen Jungfernstieg scheitern. Obwohl das bunte Monster amtlich zugelassen ist. Im Fach, in dem sonst Landkarten von Chile oder Argentinien stecken, finde ich einen Fahrzeugschein – Volkswagen Motorsport, Erprobungsfahrzeug, Emissionsklasse unbekannt. Das Papier zeigt, dass VW nicht nur einen Serien-Touareg zum Sandläufer umgestrickt hat. Mit dem Komfort-SUV hat der von Hand gefertigte Offroader letztlich so viel gemeinsam wie die Sahara mit einer Sandkiste aus dem Baumarkt. Aber der Motor ist im Kern ein alter Bekannter: der Turbodiesel aus dem Touareg R5 TDI.
Allerdings beschränken sich die Gemeinsamkeiten auf die Zylinderzahl. Statt kultiviert und dezent zu brummen wie ein Serien-TDI, macht die zweistufig aufgeladene Maschine des RT den Lauten. Knurrt, brummt, hechelt, schlürft und pfeift bereits im Stand wie eine Herde Kamele beim Vorrat-Saufen. Zudem leistet der Rennmotor statt braver 174 nervöse 300 PS, stemmt statt 400 Nm Drehmoment das Doppelte. Okay, RT, ich hab' verstanden. Mit Bummelfahrten durch die City und Gezockel in der Stau-Karawane lässt du dich also nicht aus der Reserve locken. Vielleicht auf dem Weg in den Freihafen. Hier will ich den weit gereisten VW an seine Grenzen bringen. Was verträgt ein derart steifer und stabil gebauter Apparat?
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Bild: Uli Sonntag
Dann muss der Touareg eben im Elbsand ackern. Vis-à-vis zu den Landungsbrücken liefert er eine lässige Sprungeinlage. Aber der kleine Wall belustigt den blauen Spring-Bock allenfalls, die kurze sandige Auffahrt daneben sowieso. Gleich drei Sperren verblocken TDI und All-Terrain-Reifen zu einer Art Zahnradbahn für Elbböschungen – nee, Hamburg hat nichts zu bieten, was den RT II aufhält. Höchstens Türsteher.
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