Wenn der Verkehr emissionsfrei werden soll – was keine Frage ist, sondern beschlossene Sache –, dann müssen es auch die Laster. Elektro? Wasserstoff? Was ganz anderes? Es ist nicht so, dass es keine Ideen gäbe …
Der Fyuriant (abgeleitet von furious, also mitreißend, begeisternd) ist der erste Truck mit Brennstoffzellenantrieb made in Germany. Dirk Graszt, zusammen mit seinem Partner Dirk Lehmann bei der Hamburger Clean Logistic SE, ist der Kopf hinter diesem Projekt.
Graszt, einst selbstständiger Spediteur und heute CEO von Clean Logistic, machte sich 2015 auf die Suche nach einem Lkw mit möglichst emissionsarmem Antrieb. Es begann eine Odyssee zu allen relevanten Herstellern.

DAF XF als Basis-Truck

"Zwei Jahre lang habe ich nur verständnislose Blicke und den Rat bekommen, es doch mit LNG zu probieren. Irgendwann habe ich dann eben gesagt: Okay, wenn es so ein Fahrzeug nicht gibt, dann baue ich es eben selbst." Leichte Nutzfahrzeuge, die auf Wasserstoff setzen, gibt es schon, aber schwere?
Clean Logistic H2-Truck
Die Tanks im Prototyp fassen 43 Kilogramm. Die Betankung ist in weniger als 15 Minuten erledigt.

In ihrem Werk im niedersächsischen Winsen an der Luhe, wo Clean Logistic bereits Busse für den öffentlichen Personennahverkehr auf Brennstoffzellentechnik mit grünem Wasserstoff als Treibstoff umrüstete, begann die Entwicklung.
Basis-Truck des Prototyps ist ein fünf Jahre alter DAF XF aus dem Fuhrpark von Graszts früherem Unternehmen. Die Technik für den Antrieb kauft Clean Logistic in China bei Refire Technology.

Eigens entwickelte Hinterachse

In Asien hat der schon vor sieben Jahren vorgestellte Antrieb in verschiedenen Konfigurationen insgesamt bereits rund 150 Millionen Kilometer zurückgelegt. (Mehr zum Thema Wasserstoff: Das Tankstellennetz wird ausgebaut)
Nagelneu ist im Fyuriant allerdings die eigens entwickelte Hinterachse. Per Radnaben-Elektromotoren werden alle Räder einzeln angetrieben, und zwar egal ob einfache oder mit Zwillingsbereifung.
Ausgerüstet ist der Fyuriant – geplant sind als Basis neben dem DAF künftig auch Mercedes Actros – mit zwei Wasserstoffbrennzellen mit je 120 kW Leistung. Vollgetankt (es dauert rund 15 Minuten) und voll beladen schafft der 40 Tonner eine Reichweite von 400 Kilometern.
Der erste Großauftrag ist da: GP Joule hat jetzt 5000 H2-Trucks bestellt.
"Im Vergleich mit herkömmlichen Diesel-Lkw mit einer geschätzten Laufleistung von jeweils 1.000.000 Kilometern im Jahr und einem Verbrauch von rund 25 Litern auf 100 km werden 5000 H2-Trucks jährlich mehr als 325.000 Tonnen CO2 einsparen", sagt Dirk Graszt.

Von

Thomas Arndt