Wenn die Bremsen plötzlich quietschen
Nicht jedes Geräusch ist harmlos

Quietschende Bremsen sind oft harmlos, können aber auch auf Verschleiß oder Schäden hindeuten. Diese Geräusche und Warnzeichen sollten Autofahrer kennen.
Bild: AUTO BILD
- André Theophil
Inhaltsverzeichnis
- Warum quietschen Bremsen?
- Die Häufigsten Ursachen für quietschende Bremsen
- Kann man mit quietschenden Bremsen weiterfahren?
- Wann sind quietschende Bremsen harmlos?
- Welche Symptome sind ein Warnsignal?
- Handauflegen bei Verdacht auf "feste Bremsen"
- Warum quietschen Bremsen nach Regen, Standzeit oder Bremsenwechsel?
- Warum sind Bremsgeräusche bei E-Autos keine Seltenheit?
- Was kann man gegen quietschende Bremsen tun?
- Müssen Bremsbeläge angeschliffen werden?
- Wann muss das Auto in die Werkstatt?
- Was kostet die Reparatur quietschender Bremsen?
Ein schrilles Quietschen beim Bremsen sorgt schnell für Unruhe. Besonders dann, wenn das Geräusch plötzlich auftritt und vorher nie zu hören war. Doch nicht hinter jedem Bremsgeräusch steckt gleich ein Defekt. Feuchtigkeit, Flugrost und neue Bremsbeläge können ebenso die Ursache sein wie Verschleiß oder ein technisches Problem.
Entscheidend ist deshalb, wann Autofahrer noch beruhigt weiterfahren können und bei welchen Geräuschen die Bremse überprüft werden sollte. Denn Quietschen allein ist oft harmlos. Treten jedoch weitere Auffälligkeiten hinzu, sieht die Sache anders aus.
Geräusch-Check: Was bedeutet das?
Geräusch oder Situation | Mögliche Bedeutung | Was tun? |
|---|---|---|
Quietschen nach Regen oder Waschanlage | Häufig Feuchtigkeit oder leichter Flugrost | Meist unkritisch, Geräusch beobachten |
Quietschen nach längerer Standzeit | Oft Flugrost auf den Bremsscheiben | Kann nach wenigen Bremsungen verschwinden |
Quietschen nach Bremsenwechsel | Neue Beläge und Scheiben müssen sich erst aufeinander einarbeiten | In den ersten hundert Kilometern möglichst schonend bremsen |
Dauerhaftes Quietschen | Möglich sind Verschleiß, Verschmutzung oder Probleme bei der Montage | Bremse prüfen lassen |
Schleifen oder Kratzen | Kann auf stark verschlissene Beläge oder Schäden hinweisen | Zeitnah in die Werkstatt |
Mahlendes Geräusch | Möglich ist bereits Metallkontakt an der Bremse | Nicht weiter ignorieren, Werkstatt aufsuchen |
Rubbeln oder Vibrationen beim Bremsen | Bremsscheiben oder andere Bauteile können ungleichmäßig verschlissen sein | Ursache prüfen lassen |
Quietschen plus schlechtere Bremswirkung | Sicherheitsrelevanter Defekt möglich | Sicher anhalten und nicht einfach weiterfahren |
Beim Bremsen drücken die Bremsbeläge gegen die Bremsscheiben. Dabei entsteht Reibung. Unter bestimmten Bedingungen können Beläge, Scheiben oder andere Bauteile der Bremse in Schwingung geraten. Liegt deren Frequenz im hörbaren Bereich, nehmen wir sie als Quietschen wahr. Viele kenne auch das langgezogene Quietschen wie bei einer einfahrenden Straßenbahn. Es gehört zu den klassischen Folgen schlecht gewarteter Bremsen. Oft sind nicht die Beläge selbst schuld, sondern verschmutzte oder korrodierte Gleitflächen im Bremssattel. Können die Beläge dort nicht mehr sauber gleiten, entstehen Schwingungen, die sich als unangenehm hohes Bremsquietschen bemerkbar machen.

Antiquietschpaste muss beim Bremsenwechsel an den richtigen Stellen aufgetragen werden. Sonst entstehen bei jedem Bremsvorgang schnell nervige Geräusche.
Bild: Tim Dahlgaard
In so einem Fall liegt in der Regel kein akuter Notfall vor. Dennoch sollte das Problem zeitnah in einer Werkstatt behoben werden, damit die Bremsbeläge sich wieder wie vorgesehen im Bremssattel bewegen können.
Auslöser dafür gibt es viele. Zu den häufigsten Ursachen für Geräusche durch die Bremsanlage gehören Feuchtigkeit, Flugrost oder Bremsstaub können ebenso eine Rolle spielen wie Verschleiß, unpassende Bauteile oder Fehler bei der Montage. Auch neue Bremsbeläge können zunächst Geräusche verursachen. Entscheidend ist deshalb nicht allein, dass eine Bremse quietscht, sondern wann und unter welchen Umständen das Geräusch auftritt. Genau daraus lässt sich meist ableiten, ob das Quietschen eher harmlos ist oder die Bremse genauer überprüft werden sollte.

Bild: Thomas Ruddies
Ja, häufig kann zunächst weitergefahren werden, wenn das Quietschen nur vorübergehend auftritt und sich die Bremse ansonsten völlig normal verhält. Bleibt das Geräusch bestehen oder verändert sich das Bremsverhalten, sollte die Ursache unbedingt überprüft werden.
Harmlos ist Bremsenquietschen meist dann, wenn es nur kurzzeitig auftritt und von selbst wieder verschwindet. Wichtig ist vor allem, dass sich die Bremse dabei nicht anders verhält als gewohnt, also das Auto mit der gleichen Bremsleistung verzögert wie sonst auch. Bleiben Bremswirkung, Pedalgefühl und Fahrverhalten unverändert, spricht vieles gegen einen akuten Defekt. Hält das Geräusch jedoch an, wird stärker oder tritt immer wieder auf, sollte die Ursache genauer geprüft werden.
Nicht jedes Quietschen ist gefährlich. Besonders aufmerksam sollten Autofahrer allerdings werden, wenn das Quietschen dauerhaft bleibt oder sich mit der Zeit verstärkt. Schleifende, kratzende oder mahlende Geräusche können darauf hindeuten, dass Bremsbeläge stark verschlissen sind oder bereits Metall auf Metall reibt. In diesem Fall können auch die Bremsscheiben Schaden nehmen.

Bei Unsicherheiten am besten sofort eine Werkstatt aufsuchen.
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Ein weiteres Warnsignal sind Vibrationen oder starkes Rubbeln beim Bremsen. Dahinter können unter anderem ungleichmäßig abgenutzte oder beschädigte Bremsscheiben stecken. Auch ein Fahrzeug, das beim Bremsen deutlich zu einer Seite zieht, sollte überprüft werden. Besonders ernst ist eine spürbar schlechtere Bremswirkung. Gleiches gilt für ein plötzlich ungewöhnliches Bremspedalgefühl. Dann reicht es nicht mehr, das Geräusch nur zu beobachten. Die Bremsanlage muss überprüft werden.
Ein weiteres Warnzeichen sind deutliche Temperaturunterschiede zwischen den verschiedenen Bremsscheiben. In der Regel hat man nicht sofort ein Laserthermometer zur Hand, dann hilft bereits die Messung mit der Hand an der Felge. Bei permanent schleifenden Bremsen erwärmt sich die eine Seite deutlich stärker als die andere. Verbrennungsgefahr herrscht bei dieser Methode in der Regel nicht. Ausnahme: Die Bremsscheibe glüht bereits oder das Auto wurde auf der Rennstrecke bewegt.
Nach Regen, einer Autowäsche oder längerer Standzeit können sich Feuchtigkeit und leichter Flugrost auf den Bremsscheiben bilden. Beim ersten Bremsen reiben die Beläge diese dünne Schicht wieder ab. Dabei kann es kurzzeitig quietschen oder leicht schleifen. Verschwindet das Geräusch nach einigen Bremsungen wieder, steckt meist kein Defekt dahinter.

Nach einem Wechsel sollte die Bremse zunächst nicht unnötig stark belastet werden.
Bild: Tim Dahlgaard
Auch nach einem Bremsenwechsel sind Geräusche nicht ungewöhnlich. Neue Bremsbeläge und Bremsscheiben müssen sich zunächst aufeinander einarbeiten. Während dieser Einfahrphase sollte die Bremse auf den ersten paar Hundert Kilometern möglichst nicht unnötig stark belastet werden. So können sich die Reibflächen gleichmäßig aneinander anpassen. Eine notwendige Vollbremsung hat natürlich immer Vorrang.
Bleibt das Quietschen nach dem Wechsel bestehen, kommen auch Montagefehler oder unpassende Teile als Ursache infrage. Je nach Bremssystem können außerdem fehlende oder falsch eingesetzte Geräuschdämpfer sowie eine nicht nach Herstellervorgabe verwendete Bremsen-Antiquietsch-Paste Geräusche begünstigen. Auch Beläge und Scheiben, die nicht richtig miteinander harmonieren, können dauerhaft quietschen.

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Bei Elektroautos wird die mechanische Bremse oft deutlich weniger beansprucht als bei einem Verbrenner. Der Grund ist die Rekuperation. Beim Verzögern arbeitet der Elektromotor als Generator und gewinnt einen Teil der Bewegungsenergie zurück. Je nach Fahrzeug und Fahrsituation lässt sich dadurch stark abbremsen, ohne dass Bremsbeläge und Bremsscheiben viel zu tun bekommen.
Das schont zwar die Bremsen, kann aber auch Nachteile haben. Werden die Bremsscheiben nur selten kräftig beansprucht, können sich Rost und Ablagerungen stärker festsetzen. Die Reibflächen werden nicht regelmäßig durch die Bremsbeläge blank gehalten. Dadurch können Geräusche entstehen und die Bremsscheiben mit der Zeit Schaden nehmen.
Besonders ausgeprägt kann dieser Effekt bei häufigem One-Pedal-Driving oder überwiegendem Stadtverkehr sein. Deshalb können auch E-Autos mit vergleichsweise geringer Laufleistung bereits quietschende Bremsen oder korrodierte Bremsscheiben haben. Ähnliches gilt für Hybridfahrzeuge, die ebenfalls einen Teil der Verzögerung über Rekuperation übernehmen.
Tritt das Quietschen nur kurzzeitig auf, genügt es oft zunächst, die Bremse zu beobachten. Leichter Flugrost kann sich durch einige normale Bremsvorgänge wieder von der Scheibe lösen. Absichtliche Vollbremsungen auf öffentlichen Straßen sind dafür weder notwendig noch sinnvoll. Sind Bremsstaub oder Verschmutzungen die Ursache, können Bremsscheiben und andere geeignete Bauteile mit Bremsenreiniger gesäubert werden. Wer dafür Teile der Bremsanlage demontieren müsste, sollte die Arbeit einer Werkstatt überlassen. An sicherheitsrelevanten Bauteilen sind Experimente fehl am Platz.
Bei manchen Bremssystemen können spezielle Bremsen-Antiquietsch-Pasten an den dafür vorgesehenen Kontaktstellen zwischen Bremsbelag und Bremssattel eingesetzt werden. Entscheidend sind die Vorgaben des Fahrzeug- oder Bremsenherstellers. Auf die Reibflächen von Bremsbelägen und Bremsscheiben gehört keine Paste.
Bremsbeläge werden nicht grundsätzlich angeschliffen. Bei modernen Bremsanlagen ist das normalerweise kein Arbeitsschritt, den Autofahrer selbst durchführen müssen, weil neue Beläge in der Regel bereits angeschliffen sind. Treten nach einem Bremsenwechsel dauerhaft Geräusche auf, müssen vielmehr Einbau, Bauteile und Zustand der Anlage geprüft werden. Bleibt das Quietschen bestehen, obwohl keine harmlose Ursache erkennbar ist, sollte eine Fachwerkstatt die Bremse kontrollieren. Dort lässt sich klären, ob Reinigung, Nacharbeit, ein Montagefehler oder der Austausch einzelner Teile notwendig ist.
Verschwindet das Quietschen nach kurzer Zeit wieder und arbeitet die Bremse ansonsten unauffällig, ist ein Werkstattbesuch meist nicht sofort nötig. Bleibt das Geräusch jedoch bestehen, wird stärker oder kehrt regelmäßig zurück, sollte die Bremsanlage überprüft werden. Treten zusätzlich die bereits genannten Warnzeichen auf oder verändert sich die Bremswirkung, sollte die Kontrolle nicht aufgeschoben werden. Bei deutlich eingeschränkter Bremsleistung darf das Fahrzeug nicht einfach weitergefahren werden.
Frühes Prüfen kann außerdem Folgeschäden vermeiden. Werden verschlissene Bremsbeläge rechtzeitig erkannt, lassen sich unter Umständen noch intakte Bremsscheiben erhalten. Wird zu lange weitergefahren, kann die Reparatur deutlich teurer werden.
Quietschende Bremsen bedeuten nicht automatisch, dass neue Beläge oder Bremsscheiben fällig sind. Ist Verschleiß die Ursache, hängen die Kosten vor allem vom Fahrzeugmodell, der verbauten Bremsanlage und der betroffenen Achse ab.
Wer den Bremsenwechsel selbst durchführen kann und über die nötigen Fachkenntnisse verfügt, zahlt nur die Ersatzteile. Beim VW Golf VII kosten Bremsbeläge für eine Achse im freien Teilehandel je nach Hersteller und Ausführung ungefähr 35 bis 100 Euro. Zwei Bremsscheiben sind bei vielen Ausführungen ebenfalls für unter 100 Euro erhältlich. Komplette Sets aus Bremsscheiben und Bremsbelägen beginnen teilweise bei rund 60 Euro. Markenprodukte oder größere Bremsanlagen können deutlich teurer sein.
In der Werkstatt kommen Arbeitslohn und Verbrauchsmaterial hinzu. Für den Wechsel der Bremsbeläge sind je nach Fahrzeug und Achse häufig etwa 150 bis 400 Euro einzuplanen. Müssen zusätzlich die Bremsscheiben erneuert werden, steigen die Kosten deutlich und können sich gegenüber einem reinen Belagwechsel verdoppeln oder sogar verdreifachen.
Wie groß die Unterschiede zwischen verschiedenen Fahrzeugen ausfallen können, zeigen Beispiele des ADAC. Für Bremsscheiben und Bremsbeläge an der Vorderachse eines Skoda Fabia werden rund 440 Euro genannt. Bei einem Mercedes EQE können für die gleiche Arbeit dagegen etwa 2400 Euro anfallen. Die tatsächlichen Kosten unterscheiden sich je nach Modell, Werkstatt und Region.
Frühes Handeln kann deshalb Geld sparen. Werden verschlissene Bremsbeläge rechtzeitig gewechselt, müssen die Bremsscheiben nicht zwangsläufig ebenfalls ersetzt werden. Sind die Beläge dagegen vollständig abgenutzt und beschädigen bereits die Scheiben, wird die Reparatur deutlich teurer.
Bremsen quietschen: die häufigsten Fragen
Quietschen Bremsen auch, ohne dass man bremst?
Ja. Schleift ein Bremsbelag dauerhaft leicht an der Scheibe, kann ein Geräusch auch während der Fahrt auftreten. Bleibt es bestehen, sollte die Bremse geprüft werden.
Können quietschende Bremsen beim TÜV zum Problem werden?
Das Geräusch allein führt nicht automatisch zu einem Mangel. Entscheidend sind Zustand und Funktion der Bremsanlage. Werden dabei Verschleiß, unzureichende Bremswirkung oder andere Mängel festgestellt, kann die Hauptuntersuchung beanstandet werden.
Kann Bremsstaub Quietschen verursachen?
Ja. Ablagerungen und Verschmutzungen können Schwingungen und Geräusche begünstigen. Ob eine Reinigung ausreicht, hängt vom Zustand der Bremse ab.
Warum quietschen Bremsen manchmal nur bei niedriger Geschwindigkeit?
Bei langsamer Fahrt können bestimmte Schwingungen zwischen Bremsbelag und Bremsscheibe besonders deutlich hörbar werden. Das Geräusch allein sagt jedoch noch nichts darüber aus, ob ein Defekt vorliegt.
Können verglaste Bremsbeläge quietschen?
Ja. Werden Bremsbeläge zu stark erhitzt, kann sich ihre Oberfläche verhärten und verglasen. Dadurch können Geräusche entstehen und sich das Bremsverhalten verändern. Verglaste Beläge sollten von einer Fachwerkstatt geprüft werden.
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