Ein Schleier aus Morgennebel liegt über dem Remstal, als das Werkstor von Irmscher langsam auffährt. Die Luft ist kühl, sie riecht nach Herbst und frischem Metall, und ein sanftes Dröhnen aus den Hallen kündigt an, dass drinnen der Arbeitstag längst begonnen hat. In diesen Werkshallen entsteht etwas, das weit über eine klassische Veredelung hinausgeht: ein Brückenschlag zwischen deutscher Veredelungskultur und chinesischer Elektrotechnik, zwischen Tradition und Aufbruch.
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Irmscher? Ist das nicht die Tuning-Schmiede, die seit Jahrzehnten Opel schnell macht? Fast. Irmscher ist eng mit Opel verbunden, ja. Den Fahrzeugveredler und Kleinserienhersteller gründet 1968 Günther Irmscher in Winnenden. Der erfolgreiche Rallyefahrer konzentriert sich in den Anfangsjahren aufs Tuning von Rallyefahrzeugen. Walter Röhrl unterschreibt im Dezember 1972 bei Günther Irmscher seinen ersten Profivertrag. In den 1970er- und 1980er-Jahren entwickelt sich Irmscher dann zum offiziellen Opel-Partner und stattet Modelle wie Kadett, Manta, Ascona, Astra, Vectra und Corsa mit Karosserieteilen, Innenausstattungen und Leistungssteigerungen aus.
Werksbesuch Irmscher
Gut 150 Mitarbeiter kümmern sich derzeit ums schnelle Blech.
Bild: Fabian Hoberg
In den 1990er- und 2000er-Jahren baut Irmscher zunehmend Kleinserien und Sondermodelle, nicht nur für Opel, sondern auch für Marken wie Ford, Fiat, Peugeot und Jeep. Seit 1976 gilt Irmscher als Autohersteller mit eigener KBA-Nummer, seit 1977 veredelt und baut Irmscher in Remshalden Fahrzeuge, darunter auch den Irmscher 7. In 58 Jahren entstehen insgesamt etwa 550.000 Fahrzeuge sowie etliche Entwürfe als Entwicklungsdienstleister.

"Es fühlt sich an, als würden wir gerade ein neues Kapitel schreiben"

Nun auch für den chinesischen Hersteller Leapmotor, der wie Opel zum Stellantis-Konzern gehört. Der Leapmotor C10 wird hier zum Irmscher i C10 – ein Fahrzeug, das zwei Welten in sich trägt und doch eine eigene Persönlichkeit entwickelt. Nur 250 Einheiten der Edition entstehen derzeit.
Werksbesuch Irmscher
Irmscher entwickelt innerhalb eines halben Jahres unter anderem Frontsplitter, Dachheckspoiler und neue Räder für den Leapmotor i C10.
Bild: Fabian Hoberg
Beim Betreten der Montagehalle wirkt der Ort wie ein lebendiger Organismus. Mitarbeiter huschen über den glänzenden Hallenboden, ein paar Druckluftschrauber rattern. Das gesamte Werk wirkt erfüllt von einer vibrierenden Mischung aus Konzentration und Freude. "Es fühlt sich an, als würden wir gerade ein neues Kapitel schreiben", heißt es aus dem Team – und tatsächlich passt genau dieser Satz zu jeder Bewegung in der Halle. Der technische Kern des Leapmotor C10 ist beeindruckend: ein 800-Volt-System für schnelles Laden, eine große LFP-Batterie und ein Dual-Motor-Antrieb, der bis zu 598 PS entfesselt. Doch der i C10 soll nicht nur mit Zahlen beeindrucken – er soll Emotionen auslösen. Und genau dafür ist Irmscher bekannt.

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"Vom Konzept über Design, Ingenieurleistung, Homologation bis zur Fertigung bieten wir alles an. Sondereditionen zwischen einem und 2500 Fahrzeugen auf Herstellerniveau sind unsere Spezialität", sagt Geschäftsführer Günther Irmscher, Sohn des Gründers und seit 1999 Chef des Unternehmens. Gut 150 Mitarbeiter kümmern sich derzeit ums schnelle Blech.
Werksbesuch Irmscher
Mechaniker setzen neue Frontmodule, wechseln die Räder und tauschen die Serienfedern.
Bild: Fabian Hoberg
Da passt der Leapmotor i C10. Irmscher entwickelt innerhalb eines halben Jahres unter anderem Frontsplitter, Dachheckspoiler und neue Räder. "Wir haben uns gefragt, wie wir den C10 mit seinen 600 PS und Allrad sportlicher machen können", sagt Günther Irmscher. Das Team überlegt sich technische und optische Elemente für das schwarz lackierte Modell. Rote Akzente durchbrechen optisch die schwarze Karosserie, 30 Millimeter kürzere Federn, Spurverbreiterungen und 20 Zoll große Räder verbessern die Fahreigenschaften. "Das Grundsetting des C10 für den europäischen Markt ist schon gut, aber wir haben es noch etwas verfeinert und deutlich sportlicher abgestimmt", sagt Günther Irmscher.
Für die Entwicklung des Heckflügels und die perfekte Passform sind einige Schritte und Versuche notwendig, wie ein paar Komponenten in der Modellbauhalle zeigen. Ein Raum weiter entstehen die Vorserienkomponenten, die anschließend im Windkanal getestet werden. Auch das Design, die Berechnung und die technische Umsetzung des exklusiven Rades dauern Monate.
Werksbesuch Irmscher
Das Team überlegt sich technische und optische Elemente für das schwarz lackierte Modell. Rote Akzente durchbrechen optisch die schwarze Karosserie.
Bild: Fabian Hoberg
An der ersten Station in der Montagehalle wird das Fahrzeug angehoben. Mechaniker setzen neue Frontmodule, wechseln die Räder und tauschen die Serienfedern. Das SUV wirkt, als würde es während des Umbaus erwachen – aus einem ruhigen Familien-Elektrofahrzeug wird Schritt für Schritt ein Statement auf Rädern. Die neue Linienführung schenkt dem Fahrzeug Spannung, Tiefe und Präsenz. Die Atmosphäre ist konzentriert, beinahe intim. "Der i C10 muss nicht nur schnell sein, sondern sauber, präzise und kontrolliert fahren", erklärt Günther Irmscher das Ziel der Maßnahmen. In diesem Moment zeigt sich die tiefste Ebene des Projekts: Es geht nicht um Show, sondern um Identität.

5000 Euro Aufpreis für die Irmscher-Edition des Leapmotor i C10

Ein limitierter Irmscher-Umbau ist nie Routine, immer Anspruch. Der i C10 ist keine Ausnahme. Er ist ein Versprechen, dass auch in einer elektrischen Zukunft handwerkliche Expertise unverzichtbar bleibt. "Mit Leapmotor machen wir Elektromobilität erschwinglich. Ich denke, dass es kein anderes Auto mit so viel PS pro Euro gibt wie beim C10", sagt Martin Resch, Geschäftsführer von Leapmotor Deutschland. 44.900 Euro kostet der i C10, die Irmscher-Edition schlägt mit 5000 Euro Aufpreis zu Buche.
Werksbesuch Irmscher
Draußen vor der Werkshalle warten ein paar fertige Exemplare auf die Auslieferung.
Bild: Fabian Hoberg
"Mit Irmscher als deutschem Individualisierungsspezialisten differenzieren wir uns klar von Wettbewerbern. Daher sehen wir den i C10 auch als Startschuss für weitere Projekte", sagt Martin Resch. Bis 2027 will der Hersteller sechs weitere Modelle an seinen inzwischen 130 Standorten in Deutschland anbieten.
Draußen vor der Werkshalle warten ein paar fertige Exemplare auf die Auslieferung. Ihr Design trägt die Handschrift von Menschen, die Autos nicht nur bauen, sondern fühlen. Der i C10 markiert nicht nur ein Produkt, sondern einen Wandel. Irmscher zeigt mit diesem Projekt, dass Tradition weiterlebt, wenn sie sich öffnet – und dass Elektromobilität Charakter haben kann.