Mazda-WerkstÀtten im Test

Werkstatt-Test: Mazda

Könige der KassenfĂŒller

Diesmal im Werkstatt-Test: Mazda. Eine normale Inspektion stand an. Aber nur einer von acht Betrieben leistete wirklich gute Arbeit.
Nachsicht soll ja eine Tugend sein. Und die ist beim Werkstatttest auch angebracht. Jubelten wir 2014 ĂŒber 95 Prozent gefundene Fehler bei VW und fĂŒhrten "nur" 83 Prozent bei Skoda zu Anrufen des Vorstands in der Redaktion, heben wir nun eine Augenbraue bei Mazda. Die japanische Marke kommt auf 62,5 Prozent. Sie schafft damit nach Pitstop (30,2 Prozent) und Kia (53,5 Prozent) zwar das bis jetzt beste Ergebnis der Testsaison. Aber man kann es auch anders ausdrĂŒcken: Das Trauerspiel geht weiter. Mazdas Schrauber beseitigten nicht mal zwei Drittel der eingebauten Fehler. Beim Test 2012 waren es noch 81,2 Prozent. Woran liegt's? An den MĂ€ngeln sicher nicht, deren ÜberprĂŒfung ist in der Wartungsvorschrift vorgegeben.

Unglaublich: Kurz nach RĂŒckgabe ist die Batterie leer

Vielmehr scheint sich – nicht nur bei Mazda – unter den Monteuren ein stetig laxer werdender Umgang mit den abgegebenen Autos einzuschleichen. Ein Indiz dafĂŒr sind stĂ€ndig verstellte Klimaanlagen und Radios. Wobei Soundsysteme nicht Bestandteil der Wartung sind, folglich kein Mechaniker daran etwas zu suchen hat. Und die BelĂŒftung, deren Funktion bei Mazda ebenfalls nicht auf der Wartungsliste steht, sollte anschließend wieder auf die Einstellung des EigentĂŒmers zurĂŒckgesetzt werden. Kleinkram? Nicht wirklich. Denn wie bitte schön will ein Serviceberater bei einem auf maximaler Stufe rauschenden GeblĂ€se wĂ€hrend der Probefahrt irgendwelche StörgerĂ€usche wahrnehmen? Den schlechtesten Job machte die Firma Soucek. Kurz nach RĂŒckgabe an den DEKRA-Tester sprang der Mazda nicht mehr an – Batterie leer. Und vier der sechs eingebauten Fehler hatte Soucek nicht beseitigt.

Kommunikatives Desaster im MĂŒnchner Betrieb

Der MĂŒnchner Betrieb war auch in anderer Hinsicht ein bedenkliches Negativbeispiel: Die telefonische Terminvereinbarung mit dem Chef persönlich erlebte der Tester als kommunikatives Desaster. Nachdem der Autohausbetreiber den Namen zweimal falsch verstanden hatte und der Tester ihn buchstabieren wollte, wurde der Chef patzig und forderte herrisch die Nennung des Kennzeichens. Der restliche Dialog verlief schroff. Und schließlich verlangte Herr Soucek die Zusendung der Kfz-Zulassung per Mail. SpĂ€ter auf der Rechnung waren Name und Adresse immer noch nicht richtig geschrieben. Dass die Papiere per E-Mail abgefordert werden, sehen wir in Zeiten von Datenklau-Skandalen ĂŒbrigens kritisch. Zwar ist es fĂŒr Kunden zumutbar, mal eben ein Handyfoto zu verschicken. Aber AutohĂ€user sollten nicht generell das Vorhandensein eines Smartphones voraussetzen. Der bessere Weg ist, Fahrzeugdaten gleich am Telefon zu erfragen, einschließlich der 17-stelligen Fahrgestellnummer. Denn nur damit kann der Auftrag korrekt vorbereitet und eventuell offene Serviceaktionen des Herstellers geprĂŒft werden. Das betrifft alle Marken.
Überblick: Alles zum Thema Werkstatt-Test

Viele WerkstĂ€tten greifen zu KassenfĂŒllern

Spezifisch fĂŒr die Mazda-WerkstĂ€tten in diesem Test war eine andere Unsitte, die sogenannten KassenfĂŒller. Das sind die Positionen im unteren Drittel der Rechnung. Reiniger, Schmier- und Pflegemittel zum Beispiel. TatsĂ€chlich sind die wie GebĂ€ude-, Energie- und Lohnkosten bereits in der Wartungspauschale enthalten. Besonders dreist: Firma Klein kippte ungefragt einen Kraftstoffsystemreiniger in den Tank. Machte mal eben 15,76 Euro extra. Ein Ă€hnliches Spiel trieben WerkstĂ€tten mit Entsorgungskosten. Altöl ist ein begehrter Stoff, und wird von den Betrieben zu Geld gemacht. Sechs der acht Mazda-PrĂŒflinge bereicherten sich mit solchen und anderen KassenfĂŒllern.

Nur ein Betrieb war in der Lage, einen Lichtblick zu liefern

VernĂŒnftige Wege, den Umsatz zu steigern, nutzten dagegen nur wenige. So kam bei Mazda kein Betrieb auf die Idee, statt nur des einen defekten Birnchens der Kennzeichenbeleuchtung gleich beide zu erneuern. Schließlich ist davon auszugehen, dass, wenn eine Seite durchgebrannt ist, wenig spĂ€ter die andere folgt und der Kunde sich dann Ă€rgert. Wohingegen er den Verkauf von zwei GlĂŒhlampen wohl problemlos akzeptiert hĂ€tte. Voraussetzung: Die defekte Beleuchtung muss ĂŒberhaupt gefunden werden. Drei Achtel der getesteten Betriebe hatten damit Probleme, genauso viele bemerkten nicht, dass die Hupe nicht hupte. Und das sind nun wirklich keine "fiesen" MĂ€ngel, wie sie den DEKRA-Experten und AUTO BILD oft vorgeworfen werden. So blieb es der Firma Bayer ĂŒberlassen, als einzige einen Lichtblick zu liefern. Nur dort fĂŒhlte sich der Tester wirklich gut betreut. Vielleicht sollten die Mitbewerber mal in Oberfranken eine Schulung absolvieren, um zu begreifen, was guter Kundendienst wirklich bedeutet. Weitere Details zum Mazda-Werkstatt-Test gibt es in der Bildergalerie.

Mazda-WerkstÀtten im Test

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Hendrik Dieckmann

Hendrik Dieckmann

Fazit

Herrische Chefs, an Radios spielende Mechaniker und Telefonistinnen, die den Kunden mitten im GesprĂ€ch mal eben auf Warteschleife legen – das mag auf den ersten Blick fĂŒr einen Werkstatttest kleinlich wirken. Ist es aber nicht. Vor allem dann nicht, wenn die Leute in der Dialogannahme selbst einfachste Fehler wie eine nicht funktionierende Hupe oder defekte Kennzeichenbeleuchtung nicht finden. 2,1 Stunden veranschlagt Mazda fĂŒr eine Wartung, die im Test zwischen 290 und 500 Euro kostete. Da darf der Kunde beim Service 100 Prozent erwarten, nicht nur 62,5 wie bei Mazda.

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