Zeekr X verpasst Audi Q4, BMW iX1 und Mercedes EQA einen Stromschlag
Geely wird immer mehr zur Gefahr für die europäische Auto-Elite. Konzernchef Li Shufu schickt nach seinen Vorstößen mit Volvo, Polestar und dem Mercedes-Joint-Venture Smart jetzt das Eigengewächs Zeekr Xins Rennen – und macht da aus der chinesischen Herkunft gar keinen Hehl mehr.
So langsam wird es ernst. Zum Jahreswechsel 2023/24 kommt der Zeekr X – und zielt als (noch) Unbekannter doch voll auf die Mitte des Marktes. Mit 4,43 Meter Länge angenehm kompakt und für ein SUV ziemlich zahm gezeichnet, geht er zu Preisen ab 44.990 Euro ins Rennen.
Dabei will er sich weder mit heimischen Billigangeboten wie BYD oder MG messen, noch mit europäischer Massenware vom Schlage eines VW ID.3 oder eines Renault Megane E-Tech. Nein, der Zeekr X zielt selbstbewusst auf Audi Q4 e-tron, BMW iX1 oder Mercedes EQA.
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* Die durchschnittliche Ersparnis berechnet sich im Vergleich zur unverbindlichen Preisempfehlung des Herstellers aus allen auf carwow errechneten Konfigurationen zwischen Juni und November 2023. Sie ist ein Durchschnittswert aller angebotenen Modelle und variiert je nach Hersteller, Modell und Händler.
Die Technik des X kennen wir schon vom Smart #1, bald wird sie uns auch im Volvo EX30 begegnen. Hier wie dort setzt Geely auf die SEA-Plattform und bestückt diese wahlweise mit einem 272-PS-Motor mit 343 Nm an der Hinterachse oder mit zwei E-Maschinen von zusammen 428 PS und 543 Nm in Bug und Heck.
Der Zeekr X teilt sich die Technik mit Smart #1 und Volvo EX30
Nicht ganz so straff und sportlich abgestimmt wie der Smart, gibt der Zeekrdamit den Souverän für die Stadt, schmatzt satt über das Kopfsteinpflaster, kratzt dank seines großem Lenkeinschlags eng die Kurve und bietet Fahrleistungen, bei denen Audis und VWs MQB-Kunden genau wie den MFA-Fahrer bei Mercedes die Ohren schlackern.
Im Profil wird deutlich, dass der Zeekr X kein Langeweiler, sondern ein Chinese mit eigenständigem Charakter ist.
Bild: Hersteller
Von 0 auf 100 geht es im besten Fall in 3,8 Sekunden, und erst bei 180 km/h zieht die Elektronik den Stecker. Aber nur, weil der Xvergleichsweise handlich ist, fährt er schließlich nicht nur in der Stadt. Nicht umsonst hat der Akku 69 kWh und reicht im Normzyklus deshalb für bestenfalls 440 Kilometer.
Im Innenraum des Zeekr X geht es schon fast vornehm zu
Was den chinesischen Herausforderer aber vor allem aus dem elektrischen Einerlei und dem süddeutschen Premium-Angebot heraushebt, das sind Ambiente und Ausstattung. Haben Schwaben und Bayern zumindest in dieser Disziplin bislang noch den Maßstab gesetzt, können sie beiZeekr das nächste Level erleben.
Im Innenraum dominiert ähnlich wie bei Tesla ein zentraler Monitor, die Qualität liegt erfreulich hoch.
Bild: Hersteller
Die Materialanmutung ist vornehmer als bei Audi, die Bildschirme sind größer als bei BMW, und das Bediensystem ist eingängiger als das MBUX der Schwaben. Vom animierten Head-up-Display fast wie in der S-Klasse ganz zu schweigen.
Und dass die Assistenzsysteme alle hypernervös sind und einen ständig mit Warntönen gängeln, daran tragen die Behörden und die Regeln des Euro NCAP mindestens genauso viel Schuld wie die übervorsichtigen Ingenieure, die schließlich partout zeigen wollen, was sie haben.
Und das ist eine ganze Menge – schließlich ist der Xmit fünf Kameras und fünf Radaraugen bestückt, kann alleine Spur, Abstand und Tempo halten und rangiert auch dann in die Parklücke, wenn der Fahrer schon ausgestiegen ist.
Das Platzangebot im Zeekr X weiß zu überzeugen
Dazu gibt es bei üppigen 2,75 Meter Radstand reichlich Platz auf allen Plätzen, einen Kofferraum von 362 Litern und vorne noch mal einen kleinen Frunk sowie eine Reihe chinesischer Eigenheiten – von der Selfie-Kamera über die Karaoke-App bis hin zur Rennsimulation, die man während der Ladepause im besonders komfortablen Theater-Modus genießen kann.
Der Kofferraum fasst 362 Liter – nicht rekordverdächtig, aber durchaus akzeptabel.
Bild: Hersteller
Klar ist das alles Spielerei, aber mal ehrlich: Auch europäische Kunden werden einen Haken für Hand- oder Bauchtasche zu schätzen wissen, der aus der Mittelkonsole poppt. Spätestens seit Corona freut man sich weltweit über Apps für Video-Meetings.
Dass man – mal mit Kabel und mal ohne – an jedem Platz mindestens ein Smartphone und an manchen Buchsen sogar sein Laptop laden kann, ist auch kein Nachteil. Und wenn sich der X schon als Kleinod inszeniert und funkelt wie ein Schmuckkästchen, dann ist auch die Videoüberwachung beim Parken durchaus gerechtfertigt.
Der Zeekr X bereichert die Elektroszene auf jeden Fall
Also alles perfekt beim chinesischen Newcomer? Und die nächste Klatsche für die vermeintlich verschlafenen Deutschen? Scheint fast so. Bis man an die Ladesäule kommt. Denn dort performt der Zeekr allenfalls durchschnittlich, lädt den Wechselstrom mit bis zu 22 und den Gleichstrom gerade mal mit maximal 150 kW.
Modernes Design ohne wilde Auffälligkeiten prägt auch die Heckansicht des Zeekr X.
Bild: Hersteller
Das könnte ein schöner Trost sein für Audi, Mercedes und Co – wenn die denn nennenswert besser wären. Doch bis das so weit ist, dauert es. 2025 kommen die Neue Klasse von BMW und der gerade auf der IAA enthüllte Mercedes CLA. Und bis dahin ist der Zeekr X sicher kein Unbekannter mehr.
Solider Akku, mächtiger Antritt, edles Ambiente, viel Ausstattung und dann auch noch halbwegs bezahlbar – so könnte der X zum Erfolgsfaktor für Zeekr werden. Vor allem aber zeigen die Chinesen der vermeintlichen Elektro-Elite aus Deutschland damit einmal mehr, wie spannend und aufregend E-Mobilität sein kann. Auch und gerade, wenn es um Einstiegsmodelle geht.