Zwei Supersportler im Test
Die Tempo-Tiere

Nur mal angenommen: Sie haben 200.000 Euro auf dem Konto und suchen einen Sportwagen, der auch auf der Rennstrecke rockt? Dann sind Sie zu beneiden um diese Alternative: Ferrari F430 Scuderia oder Porsche GT2.
Bild: Autobild
- Wolfgang König
Maranello, die Teststrecke Fiorano, Dario Benuzzi – was für ein Dreiklang. Lassen Sie das mal einen echten Cavallo-Fan hören. Er wird vor Ehrfurcht erstarren. Denn in Fiorano schlägt das Herz von Ferrari. Und Dario, Testfahrer-Legende seit 1971, zeigte einst Schumi, wo eingelenkt und wann gebremst wird. Dario ist mehr als nur cool. Er ist sub zero, unter null. Aber heute demonstriert er uns ein Auto, das seine Augen funkeln lässt. Sichtbar, denn Dario nimmt kurz die Sonnenbrille ab. Der F430 Scuderia, die Hardcore-Variante des F430. "Fantastico", sagt Dario und brettert auf die Piste. Geradeaus, voll in die Keramikbremsen, scharf rechts, dann das Gaspedal gleich wieder auf Anschlag. Der Ferrari folgt dem Kurs, als würde ihn ein riesiger Magnet in die Kurve ziehen. Keine Ausbruchsversuche, nicht einmal ein Zucken.
Leichtbau ist der Schlüssel für schnelle Rundenzeiten
Der Manettino, der kleine Drehschalter auf dem Lenkrad, steht auf "Race", unzählige Terrabytes lassen das Auto bei dieser Einstellung punktgenau an der Haftgrenze balancieren. Wie in der Formel 1. "Fantastico", meint Dario, der nur auf Italienisch kommuniziert, zu diesem Elektronik-Wunder und zieht am rechten Schaltpaddel. Bamm, bamm, bamm – der von 490 auf 510 PS massierte 4,3-Liter-V8 jagt durch die Gänge der sequenziellen Schaltung. Nur 60 Millisekunden pro Gangwechsel, die Formel 1 schafft das in 40, ein F430 braucht 150. Irre schnell also – "fantastico", wie Dario bestätigt. 1:25 Minuten dauert Darios beste Runde, zwei Sekunden weniger als mit dem F430. "Isse like Enzo", erklärt der Meister ausnahmsweise auf Englisch. Und das, obwohl der Über-Ferrari 150 PS mehr im Rücken hat. Der Selbstversuch offenbart das Geheimnis. Der F430 Scuderia ist leicht: Er wiegt 1350 Kilo, 100 weniger als die Ausgangsbasis. Er hat atemberaubende Bremsen und dank geregelten Differenzials und optimierter Elektronik mehr Traktion. Das zeigt Wirkung. Volle Kanone schießt der Scuderia aus den engen Biegungen, und in Wechselkurven wird er zur Ballerina, tänzelt federleicht mit feinster Balance, minuziösem Eindrehen und unbeirrbarer Stabilität.
Manisches Dauergrinsen und Gänsehaut garantiert

Bild: A. Emmerling
Szenenwechsel: Nürburgring, Nordschleife, Auftritt Walter Röhrl. Der Mann, dem PS-Monster aus der Hand fressen. Jetzt Porsche-Dompteur. Das derzeit stärkste Stück aus Zuffenhausen, den neuen 911 GT2 , treibt er in 7:32 Minuten um den Ring. Wie einst den 612 PS starken Carrera GT. Aber der Elfer hat 82 PS weniger. Das spricht für den GT2. Und für Röhrl, denn er hat ihn geschliffen. "Das Auto muss im Grenzbereich gutmütig sein", sagt der Bayer. 530 Turbo-PS im Heck und gutmütig – der Begriff ist offensichtlich dehnbar. Wie dehnbar? Schaun mer mal. Die Latte liegt hoch. Schließlich genossen wir gestern den Scuderia, in puncto Gutmütigkeit der Märchenonkel unter den Supersportlern. Überhaupt hauen beide in die gleiche Kerbe: Annähernd gleiches Leistungsgewicht (2,7 Kilo pro PS), null auf 100 km/h in unter vier Sekunden, null auf 200 in knapp über elf Sekunden, Spitze 320 (Ferrari) und 329 (Porsche). Dabei folgt der GT2 dem bewährten Porsche-Muster: abgespeckte Karosserie und verstellbares Sportfahrwerk wie beim GT3, Keramikbremsen, Antrieb vom 911 Turbo, aber mit 50 Mehr-PS und ohne Allradtraktion. Und 145 Kilo weniger Gewicht als der Turbo. Dazu Differenzialsperre, separat von der Traktionskontrolle abschaltbares ESP, verstellbare Stoßdämpfer und extrabreite Hinterreifen (325/30 ZR 19).
Der GT2 beschleunigt wie ein Fußball beim Elfmeterschuss

Bild: A. Perkovic
Technische Daten Ferrari F430 Scuderia
V8, Mittelmotor, längs eingebaut • vier Ventile pro Zylinder • Hubraum 4308 cm³ • Leistung 375 kW (510 PS) bei 8500/min • max. Drehmoment 470 Nm bei 5250/min • Hinterradantrieb • Sechsganggetriebe • Einzelradaufhängung v./h. • Keramik-Scheibenbremsen v./h., innenbelüftet • Reifen v. 235/35 ZR 19 /h. 285/35 ZR 19 • L/B/H 4512/1923/1199 mm • Radstand 2600 mm • Leergewicht 1350 kg • Kofferraumvolumen 250 l • Tankinhalt 95 l • Zuladung 100 kg • Beschleunigung 0–100 km/h in 3,6 s • Höchstgeschwindigkeit 320 km/h • Verbrauch (EU-Mix) 15,7 l SP/100 km • CO2-Ausstoß 360 g/km • Preis: 206.300 Euro
Technische Daten Porsche GT2
Sechszylinder-Boxer, Biturbo, hinten längs • vier Ventile pro Zylinder • Hubraum 3600 cm³ • Leistung 390 kW (530 PS) bei 6500/min • max. Drehmoment 680 Nm bei 2200/min • Hinterradantrieb • Sechsganggetriebe • Einzelradaufhängung v./h. • Keramik-Scheibenbremsen innenbelüftet v./h. • Reifen 255/35 ZR 19, h. 325/30 ZR 19 • L/B/H 4469/1852/1285 mm • Radstand 2350 mm • Leergewicht 1440 kg • Kofferraumvolumen 105 l • Tankinhalt 90 l • Zuladung 310 kg • Beschleunigung 0–100 km/h in 3,7 s • Höchstgeschwindigkeit 329 km/h • Verbrauch (EU-Mix) 12,5 l SP/100 km • CO2-Ausstoß 298 g/km • Preis: 189.496 Euro
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