Drei Automatikgetriebe im Test

A6, E-Klasse, 5er: Automatik im Test

— 10.03.2014

Gesucht: Die beste Automatik der Welt

Mehr Fahrstufen, weniger Verbrauch – geht die Rechnung für Mercedes auf? Die neue 9G-Tronic muss sich im Technik-Vergleich gegen die Achtstufenautomatik von BMW und das Siebengang-DSG von Audi beweisen.

Die Grenzen des Wachstums – der Club of Rome hatte sie in der gleichnamigen Zukunftsstudie schon vor über 40 Jahren erkannt. Manche Politiker sehen sie dagegen bis heute nicht. Und auch in der Automobilindustrie herrscht manchmal die schlichte Maxime "viel hilft viel". Jetzt erreicht dieser Wachstumswahn die Automatikgetriebe, die mit immer mehr Fahrstufen protzen. Reichte dem Erfinder des Automobils bis vor Kurzem noch eine Fünfstufenautomatik, präsentiert Mercedes jetzt erstmals Zahnrad-Zauber mit neun Fahrstufen. Bitte ganz genau hinsehen: n-e-u-n verschiedene Übersetzungen – in einem Getriebe.

In der E-Klasse feiert die 9G-Tronic Premiere

Herrlich entspannt: Die 9G-Tronic sorgt gemeinsam mit dem starken Diesel für viel Gelassenheit.

Erstmal gibt es das neue Wunderwerk der Schalttechnik nur im E 350 BlueTec. Womit die natürlichen Gegner für den neuen Mercedes-Automaten Audi A6 3.0 TDI und BMW 530d heißen. Dabei bekommt dieser Vergleich, der nur die Motor-Getriebe-Einheit bewertet, besondere Brisanz. Denn während die Ingolstädter auf das Doppelkupplungsgetriebe mit sieben Gängen vertrauen, setzen die Münchener auf die Achtstufen-Sportautomatik (plus 250 Euro) von ZF. So zählen wir 7, 8, 9 ... und fragen uns, wer hier wen auszählt. Die wichtigste Frage: Wie fährt sich das denn? Für den Mercedes lautet die Antwort: herrlich entspannt. Die gewaltigen 620 Nm Drehmoment des Dreiliter-Diesels in der E-Klasse würden wohl auch mit einer Dreistufenautomatik noch ordentlich zurechtkommen, wir wären dann allerdings deutlich hektischer unterwegs. Die riesige Übersetzungs-Spreizung von der ersten bis zur neunten Fahrstufe beträgt beim Benz immerhin 9,15 – Audi schafft etwa acht, BMW sieben. Zusammen mit der langen Achsübersetzung des E 350 BlueTec muss sich dessen V6-Diesel oft nur gerade so eben über die Leerlaufdrehzahl mühen, schon schnurrt die Fuhre friedlich brummelnd und sanft säuselnd davon.
Alle News und Tests zur Mercedes E-Klasse

Das BMW-Getriebe leistet sich eine ärgerliche Eigenart

Eine bessere Schaltbox kennen wir derzeit nicht: BMW hat mit ZF als Getriebepartner alles richtig gemacht.

Schon irre: Bei Maximaltempo 250 km/h rotiert die Kurbelwelle im höchsten Gang schlappe 2700-mal in der Minute. Im BMW liegen dann schon 3200 Touren an, beim Audi sind es noch einmal 500 Umdrehungen mehr. Auf langen Reisen gibt es definitiv kein besseres Beruhigungsmittel als die 9G-Tronic von Mercedes. Die Gemütlichkeit der Sternen-Automatik bringt bei engagierter Fahrweise allerdings auch Nachteile. Gangwechsel dauern minimal länger, das blitzschnelle manuelle Runterschalten über drei oder vier Fahrstufen schaffen BMW und Audi eindeutig flotter. Zudem kann die E-Klasse die ersten vier Gangwechsel nie ganz verbergen, stets gibt es eine ganz kurze Unterbrechung des Kraftschlusses. Klar, die Übergänge finden weich und fließend statt, trotzdem kann der Beifahrer die Schaltvorgänge mitzählen und weiß dann immer, welche Fahrstufe anliegt. In 5er und A6 kann er das vergessen – vom Schalten bekommt er hier definitiv nichts mit. Dem Doppelkupplungsgetriebe des Audi wurde das absolut ruckfreie Schalten quasi in die Wiege gelegt. Weil zwei Schaltwellen mit zwei Kupplungen abwechselnd die Gänge nachlegen, gibt es einfach keine Zugkraftunterbrechungen. BMW muss man schlicht zur Wahl von ZF als Automatik-Partner gratulieren – auch wenn Anhänger-Kapitäne beim Rangieren nach wie vor ärgert, dass der Wählhebel beim Öffnen der Tür automatisch auf "P" springt – eine bessere Schaltbox kennen wir derzeit nicht.
Alle News und Tests zum BMW 5er

Jeder Übersetzungswechsel wird so fein verschliffen, dass der Pilot ihn nur beim Blick auf den Drehzahlmesser mitbekommt. Wozu wir natürlich auch ZF gratulieren. Ganz offensichtlich haben sich mit der "8HP" aus dem Hause ZF und dem Dreiliter-Reihensechszylinder von BMW zwei gefunden, die füreinander bestimmt sind. Trotz vergleichbarer Leistungen kommt der BMW in diesem Vergleich nicht nur schneller in die Gänge als Audi und Mercedes, er verbraucht auch noch am wenigsten. Über die paar Zehntel bei den Fahrleistungen müssen wir hier gar nicht viele Worte verlieren.

Traktionsvorteile werden im A6 durch Mehrverbrauch erkauft

Nimmt den kräftigsten Schluck aus dem Tank: Der A6 3.0 TDI quattro verbraucht im Schnitt 7,3 l/100 km.

Dass der BMW in 6,3 Sekunden auf Tempo 100 stürmt, beeindruckt. Doch die 6,6 Sekunden des Audi und 6,7 Sekunden für den Benz geben auch keinen Grund zur Sorge. Peanuts – und nur am Stammtisch wichtig. Groß fallen die Unterschiede zwar auch beim Verbrauch nicht aus, das Thema ist aber deutlich wichtiger. Ein Testverbrauch von 6,5 l/100 km für einen fast fünf Meter langen 5er mit 258 PS – vor dieser Ingenieurleistung ziehen wir den Hut. Und wundern uns, dass der Mercedes mit seinen neun Fahrstufen einen halben Liter mehr verbraucht. Fest steht, dass die E-Klasse meist mit weniger Drehzahl unterwegs ist – was als Appetitzügler nie verkehrt ist. Andererseits wiegt der Benz fast 100 Kilo mehr, fehlt ihm die Segelfunktion (folgt Herbst 2014), muss sein V6 mehr innere Reibung überwinden als der BMW-Reihensechser. Mit den gleichen Nachteilen kämpft übrigens auch der Audi, der zudem noch seinen Allradantrieb mitbewegen muss. Ergebnis: 7,3 l/100 km.
Alle News und Tests zum Audi A6

Trotzdem wird hier niemand ausgezählt. Im Gegenteil. Alle drei Automaten überzeugen. Das größte Wachstum verzeichnet dabei Mercedes. Nicht nur bei der Zahl der Fahrstufen, sondern auch bei der Automatik-Kompetenz. Die dennoch an ihre Grenzen stößt. Und die setzen derzeit BMW und ZF.
Fahrzeugdaten Audi BMW Mercedes
Motor V6, Turbo, vorn längs Reihensechszylinder, Turbo, vorn längs V6, Turbo, vorn längs
Ventile/Nockenwellen 4 pro Zylinder/4 4 pro Zylinder/2 4 pro Zylinder/4
Nockenwellenantrieb Kette Kette Kette
Hubraum 2967 cm3 2993 cm3 2987 cm3
kW (PS) bei 1/min 180 (245)/4000 190 (258)/4000 185 (252)/3600
Nm bei 1/min 580/1750 560/1500 620/1600
Vmax 250 km/h 250 km/h 250 km/h
Getriebe Siebengang-S-tronic*** Achtstufenautomatik Neunstufenautomatik
Antrieb Allradantrieb Hinterradantrieb Hinterradantrieb
Bremsen vorn/hinten Scheiben/Scheiben Scheiben/Scheiben Scheiben/Scheiben
Testwagenbereifung 255/40 R 19 Y 245/45 R 18 W 245/45 R 17 Y
Reifentyp Bridgestone Potenza S 001 Dunlop Sport Maxx GT Continental SportContact 5
Radgröße 8,5 x 19'' 8 x 18'' 8 x 17''
Abgas CO2 156 g/km 134 g/km 138 g/km
Verbrauch* 7,3/5,1/5,9 l 6,0/4,6/5,1 l 6,4/4,7/5,3 l
Tankinhalt/Kraftstoffsorte 73 l/Diesel 70 l/Diesel 80 l/Diesel
Kältemittel R134a R134a R134a
Vorbeifahrgeräusch 71 dB (A) 70 dB (A) 69 dB (A)
Anhängelast gebr./ungebr. 2000/750 kg 2000/750 kg 2100/750 kg
Kofferraumvolumen 530 l 520 l 490 l
Länge/Breite/Höhe 4915/1874–2086**/1455 mm 4907/1860–2101**/1464 mm 4879/1854–2071**/1474 mm
Abgasnorm Euro 6 Euro 6 Euro 6
Grundpreis 53.000 Euro 51.880 Euro 54.948 Euro
*innerorts/außerorts/gesamt auf 100 km; ** Breite mit Außenspiegeln; *** Doppelkupplungsgetriebe
Messwerte Audi BMW Mercedes
Beschleunigung
0–50 km/h 2,4 s 2,6 s 2,4 s
0–100 km/h 6,6 s 6,3 s 6,7 s
0–130/0–160 km/h 10,7/16,5 s 9,7/14,8 s 10,9/16,5 s
Zwischenspurt
60–100 km/h 3,5 s 3,2 s 3,6 s
80–120 km/h 4,5 s 3,9 s 4,7 s
Leergewicht/Zuladung 1955/415 kg 1841/479 kg 1938/502 kg
Gewichtsverteilung v./h. 55/45 % 51/49 % 53/47 %
Wendekreis links/rechts 12,2/12,0 m 11,9/11,6 m 11,4/11,1 m
Bremsweg
aus 100 km/h kalt 35,8 m 37,0 m 35,9 m
aus 100 km/h warm 33,9 m 36,2 m 35,1 m
Innengeräusch
bei 50 km/h 56 dB (A) 58 dB (A) 56 dB (A)
bei 100 km/h 63 dB (A) 63 dB (A) 63 dB (A)
bei 130 km/h 68 dB (A) 68 dB (A) 68 dB (A)
Testverbrauch – CO2 7,3 l D – 193 g/km 6,5 l D – 173 g/km 7,0 l D – 185 g/km
Reichweite (Testverbrauch) 1000 km 1070 km 1140 km
Sparverbrauch – CO2 6,4 l D – 170 g/km 5,7 l D – 151 g/km 6,4 l D – 170 g/km
Reichweite (Sparverbrauch) 1140 km 1220 km 1250 km
Gerald Czajka

Gerald Czajka

Fazit

Besser als mit diesen Getriebeautomaten geht es wirklich nicht mehr. Allen voran der BMW, der von sportlich bis sparsam einfach alles kann. Ihm folgt die E-Klasse mit neuer Neunstufenautomatik. Dank extrem niedrigem Drehzahlniveau die Empfehlung für entspanntes Reisen. Und auch der Audi muss sich nicht verstecken, dürfte aber sparsamer und gelassener sein.

Diesen Beitrag empfehlen

Kommentare

Datenschutz

Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen

comments powered by Disqus
Anzeige

Automarkt

Finden Sie im Automarkt von autobild.de Ihren Gebrauchtwagen.

Bei autohaus24.de Neuwagen günstig kaufen und Geld sparen.