So kommt Alexa ins Auto

So kommt Alexa ins Auto

Alexa: Sprachgesteuertes Internet im Auto

So holen Sie sich Alexa ins Auto!

Alexa drängt ins Auto. Was kann die Sprachsteuerung von Amazon, wie lässt sie sich nachrüsten, was sind die besten Skills? Neue Features von Continental und Garmin Lenexa ergänzen das System.
Alexa ist die perfekte Beifahrerin: Sie kann garantiert die Karte lesen, findet die beste Pizzeria oder die günstigste Tanke in der Nähe. Das cloudbasierte, intelligente Sprachsystem stellt zuhause die perfekte Temperatur und die Lieblingsmusik ein, beantwortet bereitwillig alle Fragen und hält ansonsten die Klappe. Amazon Echo, auch Alexa genannt, hat eine Menge Skills, und vor allem in den USA setzt sich der Sprachservice immer mehr gegen die Konkurrenz von Google oder Apple (Siri) durch. 

Autohersteller setzen auf Alexa

Auch die Autohersteller haben längst das Potenzial von Alexa erkannt und integrieren die intelligente, cloudbasierte Sprachsteuerung in ihre Autos. Und noch ein Trend ließ sich auf dieser Messe erkennen: Nachrüstlösungen, mit denen Alexa schon für rund 50 Euro per Adapter ins Auto geholt werden kann. Vorerst gibt es die meisten Geräte, die auch ältere Autos in Connected Cars verwandeln, nur in den USA. Doch schon bald könnten (bzw. werden!) Anker Roav Viva, Garmin Speak Plus oder auch der Muse Alexa Voice Car Assistent in Deutschland auf den Markt kommen. Mit dem Logitech Zero Touch oder dem Amazon-eigenen Echo Dot kann Alexa jetzt schon in Deutschland im Auto mitfahren. Wie funktioniert das Nachrüsten, welche Anbieter und Auto-Skills gibt es, wie steht es um den Datenschutz? AUTO BILD gibt die wichtigsten Antworten.

Vorteile: Warum Sprachsteuerung im Auto?

Der größte Vorteil liegt auf der Hand: Wer nicht an Knöpfen drücken oder über Monitore wischen muss, kann die Hände am Steuer lassen und auf die Straße gucken. Viele Studien haben bewiesen, dass das Bedienen von Multimediaeinheiten oder auch das Telefonieren, SMS schreiben und Nachrichten checken den Fahrer extrem vom Verkehr ablenken und eine häufige Ursache für Unfälle sind. Die Handsfree-Bedienung (Handsfree = freie Hände) ist also ein Riesengewinn für die Sicherheit. Ganz nebenbei macht das Ganze natürlich auch Laune, und wer während der Fahrt Termine vereinbart, Einkaufslisten erstellt oder die dringend benötigte Trinkflasche fürs Kind bestellt, kann auch eine Menge Zeit sparen.

Diese Autobauer und Zulieferer bringen Alexa ins Auto

Garmin Lenexa mit Alexa-Integration: Auf der CES 2018 präsentierte Garmin die jüngste Generation seines Infotainmentsystems Lenexa – mitsamt Alexa-Integration. Wer Lenexa an Bord hat, kann künftig also per Sprachbefehl navigieren oder Musikwünsche äußern, ohne dass die Kopplung mit einem Smartphone nötig wäre. Ebenfalls neu an Lenexa: Unterhaltungs- und Navigationsinhalte können per WiFi auf Smartphones und Tablets gestreamt werden, zum Beispiel also auch zur Fondpassagieren. Wann und bei welchen Herstellern das neue Lenexa eingesetzt wird, sagt Garmin noch nicht. 

Continental hat sein Infotainmentsystem mit der On-Board-Diagnose verbunden und Alexa integriert. 

Continental Infotainment mit Alexa-Integration:
 Auch Continental zeigte in Las Vegas ein neuentwickeltes Infotainmentsystem, das in Zukunft sowohl mit der On-Board-Diagnose des Autos verbunden als auch mit der Alexa Sprachsteuerung ausgestattet sein soll. Leuchtet auf der Instrumententafel beispielsweise die Motorwarnleuchte auf, kann der Fahrer über Alexa einfach bei seinem Auto nachfragen, wo der Schuh drückt. Bei der Präsentation auf der CES demonstrierte der Zulieferer, wie Conti-Alexa das Problem nennt, einen Werkstatttermin vorschlägt, die nächstgelegene heraussucht und sofort einen Termin dort vereinbart. Auch das Abspielen von Musik oder Abfragen von Wetterdaten per Sprachbefehl und ähnliches sind selbstverständlich möglich. Auch hier ist nicht bekannt, wann und in welchen Autos das System eingesetzt wird. 
Ford integriert Amazon Alexa per Software-Update in allen Autos mit Sync 3 Entertainment System – vorerst aber nur in den USA. Ab dem Frühjahr 2018 sollen entsprechende Ford-Besitzer den Motor (in Deutschland verboten) und die Türschlösser steuern sowie den Füllstand des Tanks abfragen können.
Seat ist dabei, Alexa ins Auto zu holen. Leon und Ateca haben bereits den entsprechenden Alexa-Skill erhalten, 2018 sollen Ibiza und Arona folgen. Laut Seat "können Fahrer künftig einfach und sicher 'on the road' mit ihrem Wagen kommunizieren, Infotainment-Funktionen nutzen, interessante Orte ausfindig machen oder Echtzeit-Nachrichten abrufen".

Von Sommer 2018 an wird Alexa in alle neuen BMW und Mini integriert.

BMW und Mini wollen Alexa Mitte 2018 "vollumfänglich und nahtlos" in sämtliche neue Modelle integrieren. Nahe alle (zehntausende) Skills sollen dem Autofahrer dann zur Verfügung stehen. Beispielsweise könne der Autofahrer das aktuelle Kinoprogramm oder das Wetter am Zielort erfragen, die Lieblings-Playlist abspielen oder shoppen – einfach per Sprachbefehl in die Cloud. 
Mercedes hat Alexa zwar nicht an Bord (hier nimmt die hauseigene Software Linguatronic Befehle entgegen), bietet seit September 2017 aber einen Mercedes-Skill für Alexa an. Damit ist nicht nur der Standort des Autos abrufbar, sondern es können aus der Ferne auch die Türen ver- und entriegelt, die Standheizung bedient, der Tankfüllstand erfragt oder Servicetermine vereinbart werden.
Hyundai war der erste große Autobauer, der Alexa mit dem Auto verbunden hat: Schon Ende 2016 wurde die Amazon-Software über Hyundais BlueLink-System in den USA in viele Modelle integriert. Sie ermöglicht die Fernsteuerung des Autos: starten, verriegeln, Tankfüllstand abfragen, den Innenraum vorheizen oder kühlen – alles kein Problem. Für deutsche Autos ist Alexa derzeit aber kein Thema, wie Hyundai auf Nachfrage von AUTO BILD sagte.
Nissan hat Alexa auch nicht im Auto, über die mit dem Bordsystem NissanConnect verknüpfte Sprachsteuerung kann das Auto aber wie bei Hyundai, Ford oder Mercedes aus der Ferne gestartet oder verriegelt sowie die Scheinwerfer und die Hupe aktiviert werden. In den USA gibt es diesen Service seit Oktober 2017 in vielen Modellen, für deutsche Autos ist dies laut Nissan vorerst nicht vorgesehen. 

Nachrüsten: Adapter mit Alexa-Funktion 

Auch wer ein älteres Auto fährt, kann sich die Technik leicht ins Auto holen. Schon heute gibt es in Deutschland Adapter, die Alexa-fähig sind, viele weitere sind angekündigt. Auf der CES in Las Vegas stellten zudem diverse Anbieter ihre Techniklösungen vor, die voraussichtlich im Frühjahr 2018 zunächst in den USA auf den Markt kommen sollen. Es ist davon auszugehen, dass zumindest einige davon zeitnah auch nach Deutschland kommen. 
Amazon selber bietet schon heute das smarte Lautsprechersystem Echo Dot an. Damit das Gerät funktioniert, benötigt es einen WLAN-Internetzugang. Verfügt das Auto über kein eingebautes WLAN, kommt ein mobiler Adapter zum Einsatz, oder man nutzt das eigene Smartphone als mobilen Hotspot. Zur Einrichtung müssen sich Nutzer in der Alexa-App nur durch den Installationsprozess klicken und den Echo Dot via Bluetooth mit dem Multimediasystem koppeln – fertig. Die kleine Box findet je nach Modell im Getränkehalter oder in der Mittelkonsole Platz. Auf Zuruf (einfach Song, Interpret oder Radiosender nennen) spielt die smarte Begleiterin Musik und Podcasts ab, beantwortet allgemeine Wissensfragen, berichtet über die aktuelle Verkehrslage auf dem Weg ins Büro, liest Nachrichten, Hörbücher und die Wettervorhersage vor – alles ohne dass der Fahrer die Hände vom Lenkrad nehmen muss. Nachteil: Es gibt keine Freisprech- oder Navi-Funktion. Preis: 59,99 Euro.

Klein, aber fein: Der Anker Roav Viva steckt im Zigarettenanzünder, hat zehntausende Alexa-Skills, kann navigieren und handsfree telefonieren.

Anker Roav Viva: Alexa fürs Auto perfektioniert – so zumindest preist Anker seinen Roav Viva an, der voraussichtlich im Frühjahr 2018 zunächst in den USA, zeitnah aber wohl auch in Europa auf den Markt kommen wird. Der Roav Viva ist wesentlich kleiner als der Echo Dot, wird in den Zigarettenanzünder gesteckt und verbindet sich über Bluetooth (4.0) mit dem Smartphone. Mehr als 25.000 Alexa-Skills sollen so im Auto angewandt werden können. Und: Der Viva kann (im Gegensatz zum Amazon Echo Dot) auch als Freisprecheinrichtung und Navi genutzt werden! Über zwei USB-Ports können Mobiltelefone oder ähnliches Gerät geladen oder verbunden werden. Preis: ca. 50 Euro.
Garmin Speak Plus: Am 10. Februar 2018 kommt in den USA der Garmin Speak Plus auf den Markt. Der kleine Knubbel, der innen an die Frontscheibe geklebt wird, verfügt nicht nur über die Alexa-Skills, sondern hat auch eine eingebaute Dashcam. Auf seinem Mini-Oled-Display zeigt der Garmin außerdem mit Navi-Pfeilen die Richtung an, freisprechen ist ebenfalls möglich. Preis: 199 Dollar (also etwa 160 Euro).
Logitech Zero Touch: Eine schlanke Lösung, die es schon jetzt gibt. Sie besteht aus einem Smartphone-Halter und einer App. Mit ihr ist das Handy Alexa-kompatibel, tausende Skills stehen zur Verfügung. Per Sprachbefehl kann Musik ausgewählt, telefoniert, gemailt, gechattet und navigiert werden. Bislang nur für Android-Smartphones (ab Android 5.0) verfügbar, die Halterung ist mit iPhones nicht kompatibel. Preis: 59,99 Euro.

Soll im ersten Quartal 2018 auch nach Deutschland kommen: der Muse Alexa Voice Car Assistent.

Muse Alexa Voice Car Assistant: Ein kleiner Adapter für den Zigarettenanzünder, der sich via Bluetooth mit dem Smartphone (ab iOS 10 / Android 6) verbindet. Per Sprachaufforderung kann der Fahrer dann im Auto all das tun, was andere zuhause auch über den Lautsprecher Echo mit Alexa tun können: Musik auswählen, News, Wetter- und Verkehrsdaten abfragen, Termine koordinieren, shoppen oder das smarte Home organisieren. Das Crowdfunding-Startup Indiegogo will den Muse noch im ersten Quartal 2018 auch nach Deutschland bringen. Preis: 69,99 Dollar (ca. 57 Euro).
Automatic Adapter Pro (zweite Generation): Dieser Adapter ist eigentlich zur On-Board-Diagnose gedacht: Er wird in den OBD2-Port des Autos gesteckt und kann so sämtliche Fahrzeugdaten auslesen. Das hilft bei der Fehlerdiagnose, wenn beispielsweise eine Warnleuchte blinkt. Außerdem werden gefahrene Strecken und Tankstopps aufgezeichnet (Stichwort Fahrtenbuch), das Auto ist trackbar (nützlich bei Diebstahl oder um zu gucken, wo sich die Familienmitglieder gerade herumtreiben) und wer möchte, kann auch nachgucken, welches der Räder die meisten Kilometer zurückgelegt hat oder einen Schubs Luft benötigt. Sehr praktisch: Bei einem Unfall verständigt der Automatic Adapter Pro nicht nur den Rettungswagen, sondern gleich auch noch die Lieben, wenn das gewünscht ist. Ach ja: Alexa kann die jüngste Generation auch. Nun die schlechte Nachricht: Offiziell soll das Teil ausschließlich in den USA auf den Markt kommen.
Echo Dot und Co: So kommt Amazons Alexa ins Auto

Amazon Echo Dot

Logitech Zero Touch

 

Die besten Alexa-Skills fürs Auto

Im Amazon-Shop lassen sich zusätzliche Alexa-Skills privater Anbieter herunterladen. Unbedingt genau hingucken, wer da Dienste feilbietet!

Skills sind Fähigkeiten, vergleichbar mit Apps auf dem Smartphone. Amazon hat Alexa mit zahlreichen Skills ausgestattet, und wer möchte, kann im Amazon Shop zusätzliche herunterladen, die quasi jedermann zusammenbasteln kann. Darunter sind nützliche, witzige oder interessante Features, doch Vorsicht ist geboten: Es gilt nachzuprüfen, ob der Skill von einem seriösen Anbieter stammt. Taugt das Ding was? Und vor allem: Ist keine Schadsoftware darin versteckt?
Die durch private Anbieter zur Verfügung gestellten Alexa Skills zum Thema Auto, Verkehr und Mobilität sind bislang recht überschaubar. Mercedes, BMW und Seat bieten hier zum Beispiel ihre Dienste an – Türen entriegeln, Reichweite überprüfen und Standheizung an- oder ausschalten gehört dazu. Dann gibt's diverse mehr oder weniger seriöse Benzinpreis-Melder, Blitzer- oder Parkplatzfinder, Kennzeichen-Erkenner, Reiseplaner und Staumelder. Was sonst noch? Hier kommen die coolsten Auto-Skills:
Tanktaler: Praktische Sache, das! Über einen Stecker, der entweder für 99 Euro gekauft oder für 39 Euro pro Jahr gemietet werden und in den OBD2-Port des Autos gesteckt werden kann, bietet Tanktaler eine umfassende On-Board-Diagnose (z.B. Fehlercodes, Batterie- und Tankfüllstand), eine Tracking-Funktion des Autos mitsamt GPS-Alarm, wenn das Auto bewegt wird (Diebstahl oder Abschleppen), Benzinpreisvergleich und eine finanzamtfähige Fahrtenbuchführung (gegen Aufpreis). Wer ein Alexa-fähiges Gerät zur Hand hat, kann das Auto finden und sich dahin navigieren lassen, Details zur letzten Fahrt abrufen und den Stand der gesammelten Taler abrufen (beteiligte Tankstellen bieten Sammelpunkte, Rabatte und bargeldloses Bezahlen). 
Auto Guru: Lustige Sache, das! Auto Guru gibt lustige und (un)wissenswerte Informationen rund ums Auto, kennt alle Autokennzeichen und verrät das Geheimnis des "besten" Autos. 
car2go: Klar, man kann auch einfach auf dem Handy nachgucken, wo das nächste Car2Go steht. Man kann aber auch Alexa fragen und die Karre reservieren.
Kennzeichen in Deutschland: Wofür steht MSP? Oder MTK? Dieser Skill weiß es. 
Fahrtzeit: Wie komme ich jetzt am schnellsten von Ingolstadt nach Frankfurt? Der Fahrtzeit-Skill findet es raus, in dem es Google Maps fragt. 
Blitzer in Kiel: Tja, diesen Skill wünscht man sich für jede Stadt. Kiel ist Benchmark!

Wie steht es um den Datenschutz?

Hier gehen die Meinungen auseinander. Manche haben keinerlei Bedenken, halten Alexa für sicher. Viele Daten- und Verbraucherschützer sehen Amazons Sprachassistenz-Software aber kritisch. Um Alexa nutzen zu können, ist die Installation der App erforderlich – und Amazon kann in großem Umfang Daten des Nutzers sammeln. Denn alle Anfragen an Alexa werden mitgeloggt und in eine Cloud geschickt, gespeichert und ausgewertet. Zwar können sie nach Aussage von Amazon gelöscht werden. Doch die Verbraucherzentrale weist darauf hin, dass bei Servern, die im außereuropäischen Ausland stehen, die strengen europäischen Datenschutzrichtlinien eventuell auch weniger streng sind als in Deutschland. Gespeichert und verarbeitet werden demnach übrigens auch Informationen wie To-do- oder Einkaufslisten, gesuchte Produkte, Kontakte und E-Mail-Adressen, Passwörter und ähnliches. Ein Missbrauch durch Dritte, beispielsweise durch Hacker, ist offenbar schwierig, aber nicht undenkbar. Theoretisch könnten Alexa-Nutzer dauerhaft abgehört werden, warnt die Bundesdatenschutzbeauftragte.

Autor: Maike Schade

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