Alfa Romeo 166 (ab 1998)

Gebrauchtwagen Alfa Romeo 166 Gebrauchtwagen Alfa Romeo 166

Alfa Romeo 166 (ab 1998)

— 07.04.2004

Den müssen Sie suchen

Italienische Luxus-Limousinen sind bei uns seltene Erscheinungen, vor allem der Alfa 166 macht sich rar. Liegt das nur am schlechten Ruf?

Motor und Fahrwerk

Wer möchte denn heute noch Massenware? Es muss, bitte schön, schon etwas Besonderes sein. Schließlich will man seinen guten Geschmack auch nach außen demonstrieren und nicht für einen Handlungsreisenden gehalten werden. Womit Audi A6, BMW 5er oder Mercedes E-Klasse schon mal flachfallen. Bleibt der große Bruder des erfolgreichen Alfa 156, der deutlich geräumigere 166.

Optisch könnten beide fast Zwillinge sein, technisch sind sie es sogar – bis auf die Hinterachse. Die des 166 stammt nämlich vom GTV. Und damit handelt er sich gleich ein Problem ein: Die Spurstangen gelten als verschleißanfällig, ausgeschlagene Gelenke lassen den sonst sehr satt liegenden 166 mit dem Hintern wackeln. Doch auch die Vorderachse hat ihr Päckchen zu schleppen: Die Stabilisatorverbindungen beginnen zu poltern, und die Federbeinbuchsen am unteren Querlenker werden hart, fangen dann an zu klopfen.

Doch damit lässt sich noch eine Weile fahren, während ein defekter Zahnriemen für sofortigen Stillstand sorgt. Und das betrifft alle Motoren, Benziner wie Diesel, am häufigsten jedoch die V6. Verantwortlich dafür ist vor allem die Enge unter der Haube. Denn die macht schon die regelmäßige Kontrolle von Riemenlaufbild und Riemenspannung zu einer größeren Operation.

Technik und Elektronik

Ganz zu schweigen von der Riemen-Erneuerung erstmals nach 100.000 Kilometern. Oder dem Austausch der Wasserpumpe. Denn der umseitig genannte Preis, 215 Euro, gilt nur unter einer bestimmten Bedingung: bei ausgebautem Motor! Ist der V6 jedoch – wie normalerweise üblich – im Fahrzeug eingebaut, dann kommt nochmals Arbeitslohn für 8,5 Stunden hinzu. Etwas preiswerter, um 800 Euro, kommt der Kupplungswechsel, der in knapp sieben Stunden über die Bühne gehen soll.

Diese Kosten ließen sich theoretisch einsparen durch die Wahl des Automatikgetriebes. Aber das gehört noch zur alten Garde. Mit nur vier Gängen erhöht es kräftig den ohnehin stattlichen Verbrauch und ist für den Diesel erst seit wenigen Monaten lieferbar. Allerdings ist der 166 ein sehr fahrerbetontes Auto und die Betätigung der leichtgängigen und präzisen Fünf- oder Sechsgangschaltgetriebe keine Strafe. Probleme daran sind selten. Allenfalls bei den drehmomentstarken Dieseln kommt es in Einzelfällen zu Schäden an den Lagern der Abtriebswelle. Häufiger spinnt die Elektronik.

Egal ob Wegfahrsperre, Klimaautomatik oder Kontrollanzeigen – Fehlalarme dürfen einen 166-Fahrer nicht irritieren, sonst sitzt er falschen Auto. Auch sollte er über gewisse finanzielle Mittel verfügen, denn der hohe Wertverlust, der den 166 in jungen Jahren attraktiv macht, setzt sich weiter fort, darüber hinaus sind alle 166 in recht hohen Versicherungstypklassen angesiedelt. Individualität hat nun mal ihren Preis, erst recht beim Auto. Vielleicht greifen deshalb viele lieber zu einem weniger attraktiven, dafür aber wirtschaftlichen Wagen.

Historie, Schwächen, Kosten

Modellgeschichte 10/98 Einführung der viertürigen Stufenhecklimousine mit 2,0-l-Benziner (155 PS), 2,5- und 3,0-l-V6 (190 und 226 PS) sowie 2,4-l-Fünfzylinder-Diesel (136 PS). ABS, Front- und Seitenairbags und Klimaautomatik Serie 10/00 Modellpflege, Motorleistungen nun 150, 188 und 220 PS, 140 PS beim Diesel 4/02 Leistung des Diesels auf 150 PS angehoben 11/03 Modellpflege, Kopfairbags Serie, neuer 3,2-l-V6, 240 PS, und neuer 2,4-l-Diesel mit 175 PS

Schwachstellen • Ölverlust ist eine zentrale Schwachstelle des Alfa 166 und wegen der beengten Platzverhältnisse im Vorderwagen teuer zu beheben • Elektrik ist nicht erst seit Eintritt ins Computerzeitalter ein Problem bei Alfa, auch im 166 geben Kontrollleuchten grundlos Alarm, verhindern störrische Wegfahrsperren das Starten • Bremsanlage zeigt beanspruchungsabhängigen Verschleiß, bei forscher Fahrt können die Bremsscheiben schon nach 40.000 km ihre Verschleißgrenze überschritten haben • Verarbeitungsqualität variiert stark, manche Fahrzeuge scheppern wie eine Kinderrassel, andere verhalten sich so still, wie es die Preisklasse gebieten • die recht bequemen Sitze sind frühzeitig durchgesessen.

Reparaturkosten Preise inklusive Lohn und Mehrwertsteuer am Beispiel Alfa 166 3.0 V6 24V, 166 kW/226 PS, Baujahr 2000. Den Preis für die Auspuffanlage – ohne Kat und Lambdasonde – muss man sich merken: Er wird etwa alle drei Jahre fällig.

Fazit und Modellempfehlung

Fazit "Kaum eine Marke kann auf derart loyale Fans vertrauen wie Alfa Romeo. Grundlos blinkende Warnanzeigen verbuchen sie als Unterhaltung, ständiger Ölverlust ist für sie ein Zeichen von Charakter. Doch den Autofahrer, der mit dem 166 einfach ein geräumiges Fahrzeug erwerben wollte, können die ständigen Reparaturen in den finanziellen Ruin treiben. Deshalb raten wir vom Alfa 166 als Gebrauchtwagen ab. Als Liebhaberobjekt für Genießer jedoch gehört die eigenwillige Limousine in die erste Reihe." Hendrik Dieckmann, AUTO BILD-Autor und Kfz-Mechaniker

Modellempfehlung Alfa 166 3.0 V6 24V (166 kW/226 PS)

Steuer/Schadstoffklasse: 221 Euro im Jahr/Euro 2 Testverbrauch: 13,0 Liter. Werksangabe 13,0 Liter (Super) Versicherung: Vollkasko (32/300 Euro SB): 4425 Euro. Teilkasko (38/151 Euro SB): 643 Euro. Haftpflicht (21): 1083 Euro. (Basis: HDI-Jahrestarife für Regionalklasse Berlin, 100 Prozent) Inspektion/Kosten: 20.000 Kilometer, etwa 400 bis 600 Euro Wertverlust: Dreijährige verlieren rund 48 Prozent vom Neupreis (Händlerverkaufspreis), danach jährlich um 2000 Euro Verlust

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