Audi und Mercedes im US-Crashtest

Audi A4 im US-Crashtest August 2012 Audi A4 im US-Crashtest August 2012 Audi A4 im US-Crashtest August 2012

Audi und Mercedes im US-Crashtest

— 17.08.2012

Deutsche Crash-Versager

Audi und Mercedes haben im neuesten US-Crashtest die Note "armselig" erhalten. Der Volvo S60 crashte vorbildlich. Daimler übt Kritik an der Testmethode.

(rtr/sb) Bei einem vom Insurance Institute for Highway Safety (IIHS) veröffentlichten Crashtest von insgesamt 13 Premium-Pkw schnitten nur die Marken Volvo und Acura (die Nobel-Tochter von Honda) mit der Note "gut" ab. Eine Schlappe mussten zwei deutsche Modelle einstecken: Der Audi A4 und die Mercedes C-Klasse bekamen in dem Test die Noten "armselig". Das Neue am IIHS-Crashtest ist die Position des Aufpralls: Lediglich auf der Fläche des linken Scheinwerfers knallt die Front auf das starre Hindernis, in diesem Fall ein Betonklotz. Als Folge konzentriert sich die Energie des Aufpralls nur auf einen kleinen Teil der Karosserie, das aber mit voller Wucht – weshalb sich die Welle der Zerstörung blitzschnell Richtung Fahrer ausbreitet.

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Bei der Mercedes C-Klasse wurde der Fuß der Dummy-Puppe eingeklemmt.

Beim Audi öffnete sich bei dem Zusammenstoß die Tür, wodurch der Fahrer zusätzlich gefährdet wurde. Beim Mercedes wurde der Fuß der Dummy-Puppe eingeklemmt: Durch die geringe Überdeckung mit dem Hindernis wurde ein großer Teil der Wucht des Aufpralls auf das Vorderrad übertragen und nicht von der Frontpartie abgefangen. Auch die Toyota-Premiumtochter Lexus schnitt miserabel ab. Der VW CC bekam als weiteres deutsches Auto trotz einer aus den Angeln gehobenen Fahrertür – wie vier weitere Pkw in dem Crashtest – noch die Note "grenzwertig".

Neues Prüfverfahren öffnet die Augen

Gefahr für den Fahrer: Beim Audi A4 öffnete sich beim Crash die Tür.

Von den US-Herstellern war nur ein Modell der Ford-Tochter Lincoln dabei und schnitt ebenfalls mit "grenzwertig" ab. Das schlechte Abschneiden vieler Testkandidaten ist mit einem neuen Prüfverfahren zu erklären: Bislang stand bei US-Crashtests die Simulation eines frontalen Zusammenstoßes auf knapp der Hälfe der Motorhaube im Mittelpunkt. Bei diesen Tests schnitten alle getesteten Pkw mit "gut" ab. Der überwiegende Teil der Testwagen erhielt deshalb – trotz der jüngsten Einschränkungen – von der IIHS insgesamt die Auszeichnung "Top Safety Pick".

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Weniger dramatisch, als es aussieht: Der Test-Sieger Volvo S60 war gut für den IIHS-Crash gerüstet.

Nach der Schlappe im Crashtest ging Mercedes-Mutter Daimler mit der Unfallsimulation hart ins Gericht. "Der Test entspricht nicht dem realen Unfallgeschehen, ein Zusammenstoß auf Scheinwerfer-Breite ist statistisch nach unseren Daten nicht signifikant", sagte ein Mercedes-Sprecher in Stuttgart. "Wir trauen dem realen Unfallgeschehen mehr als Crashtests unter Laborbedingungen." Das Abschneiden in dem neuen Crashtest bedeute nicht, dass Mercedes-Fahrzeuge unsicher seien, sagte der Sprecher. Die Testergebnisse würden aber genau analysiert. Ein Audi-Sprecher kündigte an: "Die Ergebnisse des neuen Crashverfahrens werden natürlich in die Entwicklung künftiger Audi-Modelle einfließen."

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IIHS-Präsident Adrian Lund verteidigte den neuen Crashtest gegen Kritik. "Nahezu jeder Neuwagen verhält sich bei frontalen Crash-Tests gut, aber wir haben immer noch jährlich mehr als 10.000 Tote bei solchen Unfällen", sagte Lund. Dafür seien Zusammenstöße mit einer geringeren Überdeckung mitverantwortlich, beinahe jeder vierte Frontal-Aufprall mit schweren Verletzungen von Fahrer oder Beifahrer entspreche den neuen Testbedingungen. Die Autohersteller hätten die Testergebnisse als Sicherheitsrisiko anerkannt. Eine breitere Front könne für Abhilfe sorgen. Er rechne damit, dass die neue Unfall-Simulation schnell Eingang in die Crashtest-Programme der Autobauer finde, sagte Lund. Die Verleihung von Top-Noten werde künftig auch von der Verformung der Karossen in dem neuem Crash-Test abhängen.

Volvo ist Vorreiter

Voll des Lobes: IIHS-Chef Adrian Lund zeigt die lebensrettende Konstruktion im Volvo S60.

Test-Sieger Volvo prüfe seine Fahrzeuge laut IIHS schon seit Jahrzehnten auf den jetzt simulierten Zusammenstoß. Außer Frontal-Zusammenstößen spielt bei den Crashtests in den USA auch die Verformung der Fahrgastzelle bei einem seitlichen Aufprall, bei einem Heck-Crash sowie beim Überrollen des Fahrzeugs eine Rolle. In Europa wird zusätzlich noch die Kindersicherheit und der Fußgängerschutz in die Tests einbezogen.

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