Auto-Aufkleber

Auto-Aufkleber: Pro und Kontra

— 20.05.2011

Aufkleber: cool oder peinlich?

Kunterbunte Aufkleber vom Urlaubsziel,  (vermeintlich) witzige Sprüche in Richtung Hintermann, das Logo vom Lieblingsverein oder die Namen der Kinder – gehört so was ans Auto?

"Aufkleber am Auto sind in den meisten Fällen nur peinlich",
findet Andreas May.

Neulich hab' ich ihn wieder gesehen. Blondierter Kerl, solariengebräunt, Typ Dieter Bohlen. Er fährt SLK, unterm Nummernschild klebt ein Sticker mit gekreuzten Säbeln, dem Erkennungszeichen der Sansibar. Aha, denke ich: Er urlaubt auf Sylt, er war in dieser Strandbude, er kann sich ein Glas Spätburgunder für 14 Euro leisten. Ich wette: Der kann nicht mal einen Dornfelder vom Grauburgunder unterscheiden.

Arschgeweih fürs Auto

Redakteur Andreas May.

Aber Aufkleber am Auto. ICH WAR IN DER SANSIBAR! Hochnotpeinlich. Und zum Heulen. Da zerbrechen sich Designer den Kopf über Lichtkanten und Sicken, und dann verschandelt die Dorfjugend ihre tiefergelegten Corsa mit Klebern wie "No Fear", ihre extrabreiten Golf III mit "Waffenschmiede Wolfsburg", ihre ultralauten 3er mit "MeisterJäger" oder einem automobilen Arschgeweih, das aussieht wie das Tattoo der Beifahrerin ("Schlampenstempel"). Irgendwann haben diese Typen Babys, und je nach Bildungsstand steht dann hinten drauf: "Jaqueline on Tour" oder "Moritz an Bord". Interessiert mich gar nicht, wie die plärrenden Blagen heißen. Interessiert mich auch nicht, ob Papa ein iPhone hat (Apfel-Aufkleber). Ich weiß nur: Wäre ich Polizist, dann würde ich die Typen mit dem Bier-Sticker ("Bitte ein Bit!") anhalten und pusten lassen. Und den Braunen mit den Sansibar-Säbeln sowieso. Der hat bestimmt ein Gläschen Spätburgunder zu viel intus. Kann er sich ja offenbar leisten ...

Redakteur Claudius Maintz.

"Zeige mir deine Autoaufkleber, und ich sage dir, wer du bist",
sagt Claudius Maintz.

Als Kind wollte ich unserem Passat LS was kleben, hinten rechts an sein biederes Fließheck. Einen weiß-blauen Aufkleber des Hansalands Sierksdorf an der Ostsee. Nach langer Diskussion stimmte mein Vater zu – unter einer Bedingung: nicht ein klebender Schandfleck mehr! Ich aber wollte den ganzen Wagen zupflastern, ihn mit bunten Stickern tapezieren: Lieblingssportler, Lieblingstier, Lieblingsband. Und Bilder aller HSV-Spieler von innen an die Seitenscheiben. Motto: Zeige ich meine Sticker, sage ich, wer ich bin. Quasi ein Profil auf Rädern. Heute teile ich mich zwar nicht mehr über mein Auto mit, sondern reduziert über Facebook und Xing. Meine kindliche Aufkleber-Lust aber habe ich mir erhalten. In meiner Nachbarschaft steht in einem gepflegten Vorgarten ein Wohnmobil. Das Heck ist vollgekleistert mit silber- oder goldumrandeten Aufklebern, wie Souvenirshops sie verkaufen. Die Besitzer waren nie in der versnobten Sansibar, dafür aber in Italien, der Schweiz, in Irland – schier überall. Die Aufkleber erzählen eine Geschichte, regen die Fantasie an. Ein tolles Bordprogramm, wenn ich dem Vordermann im Stau auf die Blechpelle rücke. Farbtupfer auf tristgrauer, weißer oder schwarzer Lack-Langeweile. Sticker lösen Zungen, bringen ins Gespräch. Auf Rastplätzen lässt sich vortrefflich über Reise- oder politische Ziele quatschen. Aufkleber sind Kommunikation, sind Leben. Und stören würden sie mich niemals. Denn beim Fahren sitze ich ja im Wagen. Und nicht dahinter.

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