Bilder: Cadillac CTS-V vs Jaguar XFR

Bilder: Cadillac CTS-V vs Jaguar XFR Bilder: Cadillac CTS-V vs Jaguar XFR

Cadillac CTS-V/Jaguar XFR: Test

— 26.12.2011

Cowboy trifft Lord

Mit dem CTS-V stellt sich die erste ernst zu nehmende Sportlimousine der Cadillac-Firmengeschichte dem frisch gelifteten Jaguar XFR. Beide werden von einem V8-Kompressor unter Druck gesetzt. Welcher ist besser?

Gepflegter Fünf-Uhr-Tee oder Burger satt, Wimbledon oder Monday Night Football – stehen sich Großbritannien und die USA gegenüber, prallen trotz gemeinsamer angelsächsischer Wurzeln sehr unterschiedliche Weltanschauungen aufeinander. Beim Thema sportliche Luxuslimousine ist man sich hingegen einig: Ein V8 ist Pflicht – per Kompressor gedopt. Cadillac nimmt den LS3-Motor aus der Corvette C6 und stattet diesen mit einem Eaton-Lader aus. Jaguar koppelt seinen Fünfliter-Direkteinspritzer ebenfalls an diesen Zwangsbeatmer. Klingt nach Einheitsbrei – ist es aber nicht. Das XFR-Aggregat spricht sehr sensibel und aufgeweckt aufs Gas an, dreht feurig hoch und verdeckt zartes Kompressor-Zirpen mit einem grandiosen Blubbern und Brabbeln, das selbst Muscle-Cars zur Ehre gereicht.

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Statement in Blech: Sein Styling sichert dem Cadillac CTS-V hohe Aufmerksamkeit.

Erstaunlicherweise halten sich die Amis hier mehr zurück. Hörbares, wenn auch nicht nerviges Kompressor-Sirren übertönt beim CTS-V das dezente Wummern seines 6,2-Liter-Motors, erst bei höherem Tempo beherrscht der US-V8 das klangliche Geschehen. Das CTS-V Triebwerk wirkt mächtiger als das des Jag, aber auch etwas weniger drehfreudig und athletisch. In beiden Power-Limousinen bändigen sechsstufige Automatikgetriebe die anstürmenden Drehmoment-Fluten. Der Selbstschalter im Cadillac meidet jegliche Hektik – leider auch im etwas ruppig schaltenden Sportmodus, wo er selbst bei sportlicher Fahrweise und entsprechend starker Verzögerung kaum aktiv zurückschaltet. Abhilfe schaffen die rückseitig am Lenkrad angebrachten Schalttasten, auf deren Befehle die Automatik aber mit leichter Verzögerung reagiert.

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Bilder: Cadillac CTS-V Sport Wagon

Cadillac CTS-V Sport Wagon Cadillac CTS-V Sport Wagon Cadillac CTS-V Sport Wagon
Nicht so der Jag. Auf Paddelwunsch springt das Getriebe des Engländers derart schnell, geschmeidig und direkt von Stufe zu Stufe, dass man die Sinnfrage nach Doppelkupplungs-Getrieben stellt. Im Sportmodus unterstützt die Automatik eine beherzte Fahrweise durch effektives und gezieltes Zurückschalten. Übertrieben nervös agiert der Automat dennoch nie. Steht der hochsurrende Drehschalter auf D, gleitet der XFR niedertourig gelassen durchs Land – antwortet aber dennoch spontaner auf Kickdownbefehle als der Caddy. Beim Sprint liegen beide trotzdem sehr nahe beieinander. 54 Mehr-PS und ein üppiges Drehmomentplus von 122 Newtonmetern spülen den CTS-V ganz leicht in Front, wesentlich absetzen kann er sich aber erst, wenn der politisch korrekt eingestellte Begrenzer dem XFR weiteren Tempozuwachs verwehrt. Erst 32 km/h später wird auch der Amerikaner gezügelt. Stoisch und spurstabil zieht der CTS-V dabei seine Bahn, das pfeifende, optionale Glasdach und die flatternde Motorhaube trüben jedoch den Highspeed-Genuss.

Engere Kurven lassen den Cadillac weiter davonziehen. Trotz zwei Tonnen Leibesfülle wirft er sich engagiert in die Biegungen, klammert sich mit gripreicher Vorderachse an Ideallinien und punktet am Kurvenausgang dank serienmäßiger mechanischer Sperre mit guter Traktion. Sämig-handfest, zielgenau und sehr direkt: seine Lenkung. Im Sportmodus des ESP wird diese noch weiter gestrafft, dazu erlaubt die Stabilitätskontrolle launige Heckschwenks. Gut dosierbare, standfeste Brembo-Bremsen runden die gelungene Vorstellung ab. Der Jaguar geht es im Geschlängel etwas lockerer an, neigt sich stärker zur Seite und untersteuert kräftiger. Diffuser: das Bremspedalgefühl. Die direkte Lenkung arbeitet zu leichtgängig und lässt Rückmeldung vermissen. Dazu regelt das ESP überschüssige Querbeschleunigung gnadenlos runter. Im "Trac DSC"-Modus werden die Zügel gelockert, Radschlupf aber immer noch rigide reglementiert.

Bildergalerie

Jaguar XKR Jaguar XFR Jaguar XFR
Die fahrdynamischen Vorteile des gut verarbeiteten Amerikaners ziehen nicht mal Komforteinbußen nach sich. Das adaptive Fahrwerk des CTS-V glättet wirkungsvoll Unebenheiten, die straffen, wenngleich etwas hoch eingebauten Recaro-Sitze spenden viel Seitenhalt und Komfort. Dennoch liegt der Jaguar im Alltag leicht vorn. Das liegt weniger an seiner gleichfalls samtigen Federung als am geräumigeren Platzangebot im Fond samt der Rücksitzbank mit deutlich spendablerer Schenkelauflage. Die hohen Testverbräuche und entsprechend bescheidenen Reichweiten geben Passagieren jedoch oft genug Gelegenheit, sich die Beine zu vertreten. Mit 17,3 Litern säuft der CTS-V im Schnitt vier Liter mehr als etwa ein Mercedes E 63 AMG. Beim Preisvorteil von bis zu 35.000 Euro im Vergleich zur deutschen Konkurrenz bleibt bei den vollausgestatteten Power-Limousinen aus England und den USA allerdings auch reichlich Spritgeld übrig. Den Tankwart wird’s freuen – ungeachtet seiner Nationalität.
Fahrzeugdaten Cadillac Jaguar
Motor V8, Kompressor V8, Kompressor
Einbaulage vorn längs vorn längs
Ventile/Nockenwellen 2 pro Zylinder/1 4 pro Zylinder/4
Hubraum 6162 cm³ 5000 cm³
Bohrung x Hub 103,25 x 92,0 mm 92,5 x 93,0 mm
Verdichtung 9,1:1 9,5:1
kW (PS) bei 1/min 415 (564)/6100 375 (510)/6000–6500
Literleistung 92 PS/l 102 PS/l
Nm bei 1/min 747/3800 625/2500–5500
Antriebsart Hinterrad Hinterrad
Getriebe 6-Stufen-Automatik 6-Stufen-Automatik
Bremsen vorn 380 mm/innenbel. 380 mm/innenbel.
Bremsen hinten 373 mm/innenbel. 376 mm/innenbel.
Radgröße vorn – hinten 9 x 19 – 9,5 x 19 8,5 x 20 – 9,5 x 20
Reifengröße vorn – hinten 255/40 R 19 – 285/35 R 19 255/35 R 20 – 285/30 R 20
Reifentyp Michelin Pilot Sport PS2 Dunlop SP Sport Maxx J
Länge/Breite/Höhe 4866/1842/1472 mm 4961/1877/1460 mm
Radstand 2880 mm 2909 mm
Tankvolumen 68 l 69,5 l
Serienfahrzeug ohne Extras 80.070 Euro 92.700 Euro
Messwerte Cadillac Jaguar
Beschleunigung
0– 50 km/h 1,8 s 1,9 s
0–100 km/h 4,3 s 4,6 s
0–160 km/h 9,3 s 9,6 s
0–200 km/h 14,1 s 14,8 s
0–250 km/h 23,6 s 24,7 s
Viertelmeile
0–402,34 m 12,49 s 12,74 s
Höchstegeschwindigkeit
Herstellerangabe 282 km/h (abgeregelt) 250 km/h (abgeregelt)
Elastizität
60–100 km/h in 4. Stufe 4,1 s 4,4 s
80–120 km/h in 5. Stufe 6,1 s 6,1 s
80–120 km/h in 6. Stufe 9,1 s 8,8 s
Bremsweg
100–0 km/h kalt (Verzögerung) 34,6 m (–11,2 m/s²) 35,0 m (–11,0 m/s²)
100–0 km/h warm (Verzögerung) 34,4 m (–11,2 m/s²) 35,0 m (–11,0 m/s²)
200–0 km/h warm (Verzögerung) 134,5 m (–11,5 m/s²) 142,6 m (–10,8 m/s²)
Testverbrauch
Ø auf 100 km 17,3 l Super Plus 15,8 l Super
Reichweite 390 km 440 km
Leergewicht 1980 kg 1970 kg
Leistungsgewicht 3,5 kg/PS 3,9 kg/PS
Zuladung 440 kg 400 kg

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Veröffentlicht:

20.12.2011

Preis:

2,99 €

Frank Wiesmann

Frank Wiesmann

Fazit

Gegen die kleinen längs- und größeren querdynamischen Vorteile des CTS-V hat der kultiviertere, aber auch teurere Jaguar XFR das Nachsehen. Beide Power-Limos gefallen mit ausgewogenem Komfort und realisieren Eiltempi mit derartiger Mühelosigkeit, dass keine Wünsche offenbleiben – eine Kampfansage ans deutsche Establishment.

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