Vier heiße Kompakte im Vergleich

Civic Type R/308 GTi/Leon Cupra/Golf GTI Clubsport: Test

— 10.06.2016

Golf-Schläger

Als Clubsport wagt der Golf GTI einen neuen Angriff auf die Frontantriebs-Elite. Die Gegner heißen Leon Cupra, Civic Type R und 308 GTi.

Man kann vom Golf GTI halten, was man will. Nur eines sollte man ihm nun wirklich nicht in Abrede stellen. Das Sinnbild der Kompaktdynamik hat sich in den letzten Jahren ganz schön gerappelt! Mitte der Neunziger noch im Schlick der Ausstattungsvarianten versumpft, fährt er seit der fünften Generation wieder obenauf – und seit 2013 nun auch oben mit. Zumindest in der zweiten Liga des Volkssports. Im Clinch mit Focus ST und Co., die ihn längst nicht mehr so durchwatschen, wie manch einer das vielleicht noch gerne hätte. Aktive Sperre, 230-PS-Dauerhoch-Turbo, standfeste Bremsen, sportlicher Radsatz und ordentlich Schmackes im Fahrwerk. Oder anders gesagt: Gar nicht so schlecht für seine 40 Lenze!

Mit der Clubsport-Version will der Golf GTI ganz nach vorne

Rank, schlank, durchtrainiert: Als Clubsport wird aus dem Golf GTI ein ernst zu nehmender Sportler.

Nun muss man allerdings kein Hobbyläufer sein, um zu wissen, dass es gerade die 40-Jährigen gerne noch mal richtig juckt. Kaum haben sie die ersten Grauhaar-Ansätze mental verkraftet, stehen sie plötzlich da: rank, schlank, durchtrainiert wie nie zuvor, nur um so verquarzten Anfang-Dreißigern wie dem Autor strahlend davonzustelzen. Wissen Sie was? Der neue GTI Clubsport ist genau so ein Fall! Der erste GTI für die erste Liga; der, der es nun richtig wissen will. Plötzlich liest man von Schalensitzen und optionalen Semislicks. Von einem zehnsekündigen Overboost, der die 265 PS und 350 Newtonmeter kurzzeitig auf 290 PS und 380 Newtonmeter anhebt. Oder von der geänderten Aerodynamik, die erstmals sogar leichten Abtrieb erzeugen soll.
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Der Seat Cupra schlägt seinen Technikspender beim Preis

Golf-Gegner im eigenen Hause: Der Seat Leon Cupra nutzt die GTI-Technik aus dem Volkswagen-Regal.

Das Problem: Im Prinzip gibt's all das schon innerhalb der großen VW-Familie. Und zwar bei Seat, deren Leon SC Cupra 290 auf der gleichen Technik aufbaut, sich auf Wunsch ebenfalls sportbereift und in der Basis noch dazu 1500 Euro günstiger kommt. Doch damit nicht genug: Der Spanier stemmt die Overboost-Leistung dauerhaft und lässt sich obendrein mit einer gelochten 370-Millimeter-Bremse an der Vorderachse aufsäumen. Doch der Golf kontert mit Flair: über das Zweifarbendekor und den neonostalgischen Zierstreifen entlang der Radhäuser zum Beispiel (ja genau, der Ur-GTI trug Ähnliches an der Flanke), mit dem klassischen Golfball-Schaltknauf oder dem samtigen Alcantara-Kranz. Oder ganz offensichtlich auch beim Fahrgefühl. Denn trotz gleicher Technik klafft in der Applikation tatsächlich doch die ein oder andere Nuance.
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Auf der einen Seite der VW, der sich mit seiner kesseren Lenkung, der krosseren Schaltung und der etwas offensiveren Sperre einen Hauch mitreißender fährt. Auf der anderen Seite der Seat, der verbindlicher, definierter und in sich gefestigter wirkt. Ansonsten fühlt man den Baukasten allerdings schon heraus. Vor allem bei den Eigenheiten, die Leon wie Golf gleichermaßen plagen. Der synthetische Schleier auf der Gasannahme etwa, oder die knurrige Innenraum-Akustik, die auf Dauer ein wenig aufgesetzt rüberkommt

Bei der Motorleistung hat der Nippon-Renner die Nase vorn

Fahrmaschine aus Fernost: Honda schickt den Civic Type R mit 310 PS und 400 Nm ins Rennen.

Vor allem im Beisein eines Honda Civic Type R, der sich genau so fährt, wie er aussieht! Pur, unverwaschen, direkt. Er ist keiner von diesen Freitagnacht-Posern, wie sie in Düsseldorf immer die Kö entlangjuckeln, sondern Sportler aus Überzeugung. Und das spürt man. Am hautengen Sportgestühl, der hochpräzisen Schaltkugel, der satten Lenkung, der ruppigen Vorderachssperre, dem herb gedämpften Adaptivfahrwerk mit einzeln angesteuerten Rädern und allen voran am Motor, der deutlich rauer läuft als das geschniegelte VW-Organ und noch richtig einen auf Turbo macht: Schnorcheln, Zwitschern, Fauchen, Röhren, alles dabei! Mit 310 PS und 400 Newtonmetern schwingt der Honda die schwerste Keule in diesem Quartett. Trotz PS-Übermacht landet er aber noch immer im gleichen Tariffenster. 35.350 Euro ruft Nippon für seinen Racer auf – inklusive fahrdynamischer Vollmontur. Fragt sich nur, warum ausgerechnet er, der ja immerhin von sich behauptet, schnellster Fronttriebler auf der Nordschleife zu sein, keine Option auf Sportreifen zieht.
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Peugeot hat den 308 GTi endlich wieder scharf gemacht

Gut geraten: Der Peugeot 308 GTi darf sich technisch beim RCZ-R bedienen – und das spürt man deutlich.

Und endlich mischt auch wieder ein Peugeot in dieser Runde mit! So wie damals in den Achtzigern, als er und der Golf noch weitestgehend unter sich waren. Auf den ersten Blick wirkt der 308 GTi hier vielleicht wie der klassische Außenseiter. Die Baureihe, aus der er hervorgeht, hat bislang mehr über kleine Lenkräder und schrille Warntöne von sich reden gemacht als über ausgeprägte Fahrdynamik. Und auch sein Vorgänger war nun wirklich kein Ruhmesblatt für das große Kürzel mit dem kleinen "i". Diesmal jedoch ist es wirklich wieder zurück! Schon allein deshalb, weil er sich beim jüngst dahingeschiedenen RCZ-R bedient, der es ja immerhin mit dem Porsche Cayman aufnehmen konnte! Neu abgestimmtes Sportfahrwerk, gripstarker Michelin Pilot Super Sport, dazu Torsensperre und eine Vierkolbenbremse an der Vorderachse, die mit 380 Millimetern die größten Scheiben der Kompaktklasse schwingt.
Alle News und Tests zum Peugeot 308 GTi

Weitere Details zum Vergleich der vier schnellen Kompakten finden Sie in der Bildergalerie. Den kompletten Artikel mit allen technischen Daten und Tabellen gibt es als Download im Online-Heftarchiv.

Vergleichstest: Vier kompakte Sportler

Der vollständige Artikel ist ab sofort im unserem Online-Artikelarchiv erhältlich. Hier können Sie das Original-Heft-Layout als PDF-Dokument downloaden. Der Artikel handelt von folgenden Modellen: Honda Civic Type R, Peugeot 308 GTi, Seat Leon Cupra 390 und VW Golf GTI Clubsport (Vergleichstest).

Veröffentlicht:

13.05.2016

Preis:

1,00 €




Autor:

Manuel Iglisch

Fazit

Eines vorweg: Der Titel zu diesem Test stand bereits fest, bevor überhaupt eine Zeile getippt war! Also bitte nicht glauben, wir hätten den Golf von vorneherein mit Häme bedacht. Ganz im Gegenteil: Wir ziehen hiermit sogar offiziell unseren Hut vor ihm! Dafür, dass er seiner Basis vier Sekunden abknöpft, dass er sogar einen Golf R stehen lässt; und dafür, dass er sich trotz gleicher Technik anders fährt als der Seat. Der wiederum ist diesmal jedoch einfach zu stark, um sich den Erfolg von irgendjemandem gefährden zu lassen. Fabelzeit, top Bremswege und Turbodruck bis ganz nach oben. Das kann weder der noch punchigere und höchst emotional gestrickte Honda, noch der grandios motorisierte und quietschfidel kurvende Peugeot kontern – auch wenn der Franzose wieder ein echter Geheimtipp in dieser Klasse ist!

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