Cooper S/Fiesta ST/Clio RS Cup/Fabia RS: Vergleich
Vier sportliche Kleinwagen
Mit den Pace- und Countrymännern entfernte sich Mini zuletzt immer weiter vom Stammbaum. Jetzt wurde endlich die Keimzelle der Marke neu aufgezogen – allen gewachsen ist sie jedoch nicht mehr.
Stefan Helmreich
Zeiten ändern sich, sagt man so schön. Und es ist ausgerechnet der Mini, der uns mal wieder daran erinnert. Nein, nicht weil sein Retro-Look im dritten Aufguss nun nicht mehr ganz so ungezwungen rüberkommt. Sondern vor allem wegen der Tatsache, dass ihn seine Testwagendisposition trotz allen Flehens zunächst ausschließlich mit Automatikgetriebe rausrückt. Zur Erinnerung, wir reden vom Mini, ja, von dem, der, seit er 2001 wiedergeboren ward, für puren Fahrspaß steht.
Leider ist sich der Cooper S mittlerweile zu fein für Lastwechsel-Twists.
Bild: Ronald Sassen
Mini Cooper S Klar leuchtet es ein: Der Sechsstufenwandler im Cooper S wurde komplett neu entwickelt, soll rumgezeigt werden und ist mit den flinken Gangwechseln und der Segelfunktion noch dazu richtig gut. Aber sind wir alle hier wirklich so schief gewickelt, wenn wir behaupten, dass zur Gattung der Pocket-Rockets auch heutzutage noch eine Handschaltung gehört? Ganz ehrlich, wir glauben nein – obwohl das immer mehr Hersteller ganz anders sehen. Denn im Gegensatz zu Mini, wo man zumindest als Kunde noch die Auswahl hat, zwingen Skoda und neuerdings auch Renault ihren RS-Kleinwagen Automaten auf.
Der blaue Fiesta ST genießt einen nicht unerheblichen Gewichtsvorteil.
Bild: Ronald Sassen
Ford Fiesta ST Richtig schön old school ist jedenfalls bloß noch der Ford, der nicht auch, sondern einzig und allein manuell geschaltet werden kann. Davon profitiert aber nicht nur die Beziehung zwischen Mensch und Maschine, sondern – im Technikwahn übersieht man das gern – auch der Preis. Lächerliche 21.190 Euro kostet der Fiesta ST samt sportlich relevanten Extras, womit er günstiger kommt als so ein Fabia RS, der wegen des DSG-Zwangs erst bei 22.300 Euro beginnt.
Skoda Fabia RS Problem: Man hat nicht das Gefühl, Skoda würde das Geld rentabel anlegen. Denn im Gegensatz zu vergleich baren Antriebspaarungen im Konzern, die bei aller Liebe zur Handarbeit prima harmonieren, läuft die Ehe zwischen dem 1.4 TSI und seinem DSG nicht ganz reibungslos. Was stört, ist vor allem das tapsige Anfahren, dieser Moment, wenn der Antrieb das Gas erst zu ignorieren scheint, um dann derart kavalierzustarten, dass man meint, es werde gerade der Schleifpunkt eingeübt.
Mit Auspuffsound aus der Konserve versucht der Franzose, den schalen Vierzylinderklang zu übertönen.
Bild: Ronald Sassen
Renault Clio RS Cup Der noch mal gute 1600 Euro teurere Renault bekommt seine beiden Kupplungen zwar besser koordiniert, reagiert diesen Tick bissiger auf manuelle Eingriffe, nervt dafür jedoch mit einem tranigen D-Programm. Die ganze Peripherie hingegen passt perfekt: Die Paddel stehen fest an der Lenksäule, sodass man auch bei hektischem Kehren-Gekurbel immer das richtige erwischt; kurz vor dem Begrenzer aktiviert ein schriller Piepton den inneren Hochschaltreflex; und beim Runterschalten sprotzelt jedes Mal eine Packung Knallfröschchen durch die Abgasanlage. Seltsam: Obwohl er sich auch sonst größte Mühe gibt, seinen Fahrer bei Laune zu halten, seine hohle Hochdrehakustik über die optionalen R-Sound-Effects mit den Klängen von – kein Witz – Nissan GT-R, Renault 8 Gordini oder Clio V6 abmixt, tut sich der Clio römisch vier emotional ein bisschen schwer.
In 29 Sekunden auf 200 km/h
Schuld daran ist jedoch weniger er selbst als vielmehr sein Vorgänger, jener pausbackige Saugmotorrabauke mit zwei Türen weniger, an dessen trockenen Charme der 1,6-Liter-Turbo einfach nicht rankommt – im übertragenen Sinne, versteht sich. Denn wer den komplizierten Mechanismus der Launch-Control entschlüsselt bekommt, randaliert mit dem Neuen in imposanten 29 Sekunden auf 200, womit er dann doch recht deutlich klarstellt, dass er sich von seiner Vergangenheit nicht mehr einholen lässt.
Fazit
von
Stefan Helmreich
Der neue Cooper S ist erwachsener, ausgewogener und im Fahrverhalten deutlich manierlicher geworden – weswegen er gegen die Landstraßenlauser von Ford und Renault am Ende keine Chance hat. Dank seiner abartigen Bremsperformance, der Bestzeit bis 100 und des flinken Getriebes hält er die Niederlage jedoch noch einigermaßen im Rahmen. Das Duell um den Sieg gewinnt der Fiesta ST, der sich zwar nicht ganz so unerbittlich auf die Straße legt wie der Cup-Clio, mit seiner dumpfen Akustik, dem aufgebrezelten Fahrverhalten und der flockigen Handschaltung das Grinsen aber noch mal verbreitert. Dem geräumigen Skoda fehlen trotz des bärigen Motors inzwischen einfach die körperlichen Mittel, um dranzubleiben.