Ford Focus Facelift 2014: Fahrbericht

Ford Focus Facelift (2014) Ford Focus Facelift (2014) Ford Focus Facelift (2014)

Ford Focus Facelift 2014: Fahrbericht

— 09.09.2014

So fährt der neue Ford Focus

Ford stellt den Focus scharf: Für die zweite Halbzeit wird der Golf-Gegner aus Köln nicht nur sparsamer und schlauer, sondern macht auch noch mehr Spaß.

Leise Töne? Wenn es einen Ford gibt, bei dem die überflüssig sind, dann ist es der Focus. Schließlich ist der Kompakte mit insgesamt zwölf Millionen Zulassungen seit 1989 und allein 1,1 Millionen verkauften Einheiten 2013 das meistverkaufte Auto der Welt, sodass die Kölner durchaus ein bisschen auf den Putz hauen könnten. Doch ausgerechnet ihr Bestseller gibt sich alles andere als vorlaut, wenn Fünftürer, Limousine und Kombi im Oktober 2014 nach einem großen Facelift in die zweite Halbzeit gehen.

Der Bug: Aston Martin oder Fiesta?

Das Facelift für das Heck hat Ford bereits vorher gestaltet, es soll den Geschmack auf jedem Kontinent treffen.

Das gilt für das Design mit dem neuen Bug, der die einen an den Fiesta, die anderen an Aston Martin erinnert. Und das gilt mehr noch für die neuen Motoren. Denn die sind so leise, dass man vor allem innen kaum mehr etwas von ihnen hört. Selbst ein Audi A3 und erst recht der VW Golf wirken plötzlich laut und ungehobelt, wenn man zum Beispiel den neuen Benziner startet. Denn dank der dickeren Dämmung dringt nicht viel mehr als ein leises Grummeln in die Kabine. So fühlt man sich im Focus fast so weich in Watte gepackt wie in einer großen Limousine.

EcoBoost-Motor mit maximal 182 PS

Die Motoren werden sparsamer, Ford pflegt seine EcoBoost-Generation weiter.

Dabei hat es die EcoBoost-Maschine, die den bisherigen 1,6-Liter ersetzt, durchaus in sich: Aus nur 1,5 Litern Hubraum holt sie 150 oder sogar 182 PS, geht mit bis zu 240 Nm zu Werke und reagiert obendrein viel schneller und spontaner auf den Gasfuß. Entsprechend forsch tritt der Ford beim Ampelspurt an, Überholen auf der Landstraße wird zum Kinderspiel, auf der Autobahn fährt er ganz selbstverständlich am liebsten links. Und an der Tankstelle spielt er den Unschuldigen: Um knapp zehn Prozent geht der Verbrauch zurück, melden die Ingenieure und haben unabhängig von der Leistungsstufe einen Normwert von 5,5 Litern ermittelt.

Der Spagat zwischen den Modellen wächst

Auch der wichtigste Diesel hat künftig nur noch 1,5 Liter Hubraum, wird mit 95, 105 oder 120 PS angeboten und steht mit Verbräuchen zwischen 3,4 und 4,2 Litern in der Liste. Vom Vorgänger übernommen werden nur der Dreizylinder-Benziner mit 100 oder 125 PS, der 1,6-Liter-TDCI mit 95 oder 115 PS aus dem Basismodell und der Zweiliter-Diesel mit 150 PS vom oberen Ende der Modellpalette. Dieser verbraucht jetzt aber 14 Prozent weniger. So wie die Motoren stärker und sparsamer, sportlicher und trotzdem leiser sind, so spreizt Ford auch beim Fahrverhalten des Focus den Spagat ein Stückchen weiter: War der rheinische Golf-Gegner schon bislang ein Kurvenkünstler und fahrdynamisch lange der Maßstab in der Kompaktklasse, ist das Lenkgefühl jetzt noch präziser, die Anbindung ist besser und die Richtungswechsel gewinnen an Schärfe. Zugleich federt der Focus aber spürbar besser, macht sich bisweilen ein bisschen weich und bügelt deshalb sanfter über Gullideckel oder Bodenwellen.

Das Cockpit wurde aufgeräumt

Der Krieg der Knöpfe wurde eingedämmt, díe neue Bedieneinheit soll es dem Fahrer leichter machen.

Innen haben die Kölner endlich das Cockpit aufgeräumt. Viele Schalter auf der Mittelkonsole haben Platz gemacht für das neue Infotainmentsystem Sync2 mit großem Touchscreen und pfiffiger Sprachsteuerung. Dabei sind auch diesmal wieder ein paar neue Funktionen dazugekommen. So kann der Focus künftig nicht nur automatisch ein-, sondern auch wieder ausparken. Er überwacht den Verkehrsraum hinter dem Fahrzeug, rangiert auch quer zur Fahrbahn und bremst im Notfall automatisch. Zudem bietet er als erster Kompakter ein intelligentes Lichtsystem, das seinen Leuchtkegel dem Streckenverlauf anpasst. Zwar trainiert der neue Focus seine Stärken bei Fahrspaß und Dynamik und müht sich bei der Technik um den Anschluss an den Golf. Doch für einen Lückenschluss fehlen ihm zum Beispiel die LED-Scheinwerfer oder Allradantrieb des Golfs. Und auch die Liste der Assistenz- und Komfortsysteme ist in Wolfsburg deutlich länger.

Nur die Preise bleiben die Alten

Obwohl er seinen Preis gehalten hat und unverändert bei 16.450 Euro startet, ist der Focus mit dem Facelift tatsächlich um Klassen besser geworden. Aber er ist auch auf dem Weg vom vorlauten Pulsbeschleuniger zu einem Modell der leisen Töne und eifert so in einer weiteren Kategorie unfreiwillig dem großen Vorbild aus Wolfsburg nach. Doch haben die Kölner die Gefahr offenbar erkannt und reißen deshalb bald wieder die Klappe auf. Denn kurz nach dem Facelift gibt's nicht nur einen aufgefrischten Focus ST – wenn man auf dem Prüfgelände in Lommel nur richtig die Ohren aufsperrt, dann hört man schon das Röhren eines neuen Focus RS.

Autor: Thomas Geiger

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