Ford Mustang EcoBoost (2015) im Test: Fahrbericht

Ford Mustang EcoBoost (2015): Fahrbericht

— 05.06.2015

Außen Mustang, innen Pony

Ford hat seinen Dauerbrenner auf Alltag getrimmt - sogar mit einem Hubraumzwerg unter der Haube. Aber ist das noch ein Mustang? Fahrbericht!

Video: Ford Mustang EcoBoost (2015)

So fährt der Diät-Mustang

Amerika schenkte uns Begriffe wie "fettfrei" und "kalorienarm". Jetzt kommt – neben dem weiter angebotenen V8 – sogar ein "Mustang Light": mit Vierzylinder! Diese Hubraum-Diät auf nur noch 2,3 Liter lässt sich schmerzfrei nur im entspannten Cabrio austesten – sozusagen temporeduziert. Aber ist das noch ein echter Mustang? Optisch eindeutig, denn der Ami überragt ein BMW 4er Cabrio in der Länge um stolze 14 Zentimeter. Vorm Fahrer erstreckt sich ein gefühlt endloser Haubenhorizont, auch wenn der offiziellen Importversion die Lufthutzen des US-Originals fehlen. Dafür trimmt Ford Bremsen, Kühlung und Fahrwerk auf deutsche Autobahnreife. Auch die Einrichtung genügt endlich unseren Ansprüchen. Schluss mit der Plastikwüste von früher, stattdessen weicher Kunststoff, verchromte Kippschalter und ein hochauflösendes Display. Eine labberige Filzmatte wie früher liegt nur im Kofferraum. Die elektrisch verstellbaren Ledersitze passen gut, doch trotz imposanter Länge bietet der Mustang hinten nicht mehr Knieraum als ein Audi Cabrio.
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BMW M4/Ford Mustang/Lexus RC F: Vergleich

BMW M4 Ford Mustang GT Lexus RC F TVD BMW M4 Ford Mustang GT Lexus RC F TVD BMW M4 Ford Mustang GT Lexus RC F TVD


Auch das Stoffdach (serienmäßig elektrisch!) zeigt die neue Qualität: Die große Glasheckscheibe erweitert das Sichtfeld, das Verdeck sitzt fest und dämmt ordentlich. Geöffnet stürmt es hinter der steilen, kurzen Frontscheibe so, wie es sein soll. Dinge wie Windschott oder ausfahrende Überrollbügel gelten vermutlich als Weicheier-Extras.  Denn der Mustang spielt wieder das Männerauto. Klare Instrumente, wenig Schnickschnack, wichtigstes Assistenzsystem ist die manuelle Handbremse.
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Der Einstiegsmotor hat Muckis, aber wenig Sound

Unter der Haube lässt der kleine Vierzylinder-Ecoboost reichlich Luft.

Also los, den Startknopf drücken. Jetzt kommt der Moment der Wahrheit. Vorne erwacht das Hubraumbübchen, das den Motorraum gerade mal zur Hälfte ausfüllt – und die Gehörgänge gar nicht.  Was ist das denn? Mondeo? S-Max? EcoBoost steht auf dem Motordeckel, und so klingt der 2,3-Liter auch. Wie ein gurgelnder Müsli-Esser, ohne Röcheln, ohne Ballern oder einprogrammiertes Spotzen, das den Verzicht auf den durstigen V8 zumindest akustisch versüßt hätte. Schade, der Mustang hätte bessere Begleitmusik verdient. Etwa in der Tonlage eines A 45 AMG, dessen zwei Liter Hubraum Mercedes so überzeugend inszeniert. Zumal der Einstiegsmotor im Ford durchaus Muckis hat: In gut sechs Sekunden schiebt er den Brocken auf Tempo 100, jedes Schalten ein Holzfäller-Handschlag des knackigen Getrag-Getriebes. Weil 65 Kilo weniger als beim V8 auf der Vorderachse lasten, nimmt der Vierzylinder-Mustang Kurven besser ausbalanciert (53:47 Prozent).

Fahrbericht Ford Mustang

Im Innenraum herrscht Old Style: schwarz und mattes Metall, klare Instrumente.

Die Lenkung, zunächst als luschig empfunden, baut mit jedem Kilometer mehr Vertrauen auf. An einem der Kippschalter lässt sich das Lenkgefühl in drei Stufen einstellen – doch Normal, Sport oder Komfort bringen kaum Unterschiede. Egal, weil der Mustang seine Passagiere nicht perfekt, aber grundehrlich durch die Weite schaukelt. Trotz der schicken, flachen 40er-Querschnitt-Slipper schluckt sein Fahrwerk bei trockener Grundnote erstaunlich viel weg. Erst auf schlechten Straßen knistert der geöffnete Convertible gelegentlich im Frontscheibenrahmen oder poltert ungehobelt in tiefe Löcher. Verstellbare Dämpfer? Vergiss es. Für konkurrenzlose 39.000 Euro sind schon Zwei-Zonen-Klima, Tempomat, Leder, Xenonlicht und Regensensor serienmäßig an Bord.

Ford Mustang 2014: Preise

So übersichtlich wie von gestern auch die Extras: Das Premium-Paket für 2500 Euro fasst Navi, Parksensoren und den letzten Schuss Glimmer zusammen – fertig. Wo macht der Mustang-Reiter dann Abstriche? Wo er’s sowieso nicht braucht. Das Navi liefert keine Echtzeit-Stauinfo, der Wendekreis ist groß (12,2 Meter), das Wartungsintervall kurz (16.000 Kilometer). Dafür zuckelt das Hubraum-Bübchen unter einem sensiblen Cabrio-Gasfuß mit unter zehn Litern über die Autobahn, wo der größere Achtzylinder locker drei Liter mehr schluckt. Aber: Der kostet nur 4000 Euro mehr und klingt! Dafür lassen viele den Diät-Mustang stehen – und nehmen die Vollfettstufe.
Joachim Staat

Joachim Staat

Fazit

Kleine Motoren sind sparsam und günstig. Aber bitte nicht im Mustang! Nicht im Männerauto, der grollenden Unvernunft, die klingen muss! Wenn schon Sparmotor, dann ein V6 mit Stimme. Es hört ja auch niemand Elvis mit dem Organ von Pharrell Williams.

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