Gefragter Mann in Singapur: Fernando Alonso ist die "Crashgate"-Fragen leid

Formel 1 2009

— 24.09.2009

Alonso: "Es ist abgehakt"

Fernando Alonso reagiert verschnupft auf weitere Fragen nach dem "Crashgate"-Skandal: Wichtig sind nur die kommenden Rennen

Er war der große Profiteur beim "Crashgate"-Skandal: Fernando Alonso. Der Spanier siegte im vergangenen Jahr in Singapur, nachdem sein damaliger Teamkollege Nelson Piquet zum perfekten Zeitpunkt absichtlich in die Mauer gekracht war und somit eine Saftey-Car-Phase ausgelöst hatte. Vor dem diesjährigen Singapur-Nachtrennen musste sich der zweimalige Formel-1-Weltmeister noch einmal viele Fragen zu den Vorgängen des Vorjahres gefallen lassen.

Frage: "Fernando, wie haben sich die Geschehnisse der vergangenen Tage auf die Reputation der Formel 1 ausgwirkt?"
Fernando Alonso: "Ich weiß es nicht, ich bin da kein Fachmann. Ich weiß nur, worum es für mich an diesem Wochenende geht. Nur das zählt. Wir wollen eine gute Performance bieten. Das ist das einzige, was man von uns Fahrern verlangen kann. Eine gute Leistung und ein tolles Ergebnis am Sonntag - mit diesen Zielen bereite ich mich auf das Wochenende vor. Es gibt derzeit nichts, was mich großartig davon ablenkt."

Frage: "Hast du dich mit Bob Bell zusammengesetzt und besprochen, was sich nun verändern wird?"
Alonso: "Nein. Es läuft alles ganz normal weiter. Pat und Flavio sind zwar nicht da, aber es gibt andere Leute, die einen ähnlichen Job machen. Im Team und in der Herangehensweise an das Wochenende gibt es keinerlei Veränderungen im Vergleich zu anderen Rennen. Es ist zurzeit nur so, dass das Medieninteresse erheblich ist, aber das wird sich hoffentlich in den kommenden Tagen normalisieren. Was passiert ist, ist Vergangenheit. Nun geht es um die Gegenwart und die Zukunft."

Frage: "Aber du musst doch Emotionen haben, die über deinen Job als Rennfahrer hinaus gehen?"
Alonso: "Ich hoffe, dass wir das Thema nun beenden können und die nächsten Fragen sich mit dem Thema Saison 2009 beschäftigen. Aber um es noch einmal klar zu sagen: Ich war in Paris, um mit der FIA zu kooperieren, die Untersuchungen zu unterstützen und meinem Team beizustehen. Ich bin froh, dass nun alles geklärt ist. Ich bin auch froh, dass nun klar ist, dass ich in keinster Weise in den Unfall oder das ganze Thema verwickelt war."

"Es waren sicherlich für das Team schwierige Zeiten, aber das ist nun Vergangenheit - es war in der vergangenen Woche. Das liegt nun hinter uns und wir blicken ab sofort nach vorn. Wir konzentrieren uns auf dieses Rennen und auf das Rennen in der kommenden Woche in Japan. Das Leben geht weiter und es ist an der Zeit, wieder gute Ergebnisse zu holen. Die Vergangenheit ist abgehakt."

Frage: "Du wirst von Flavio betreut, aber die FIA wird keinem Fahrer die Superlizenz geben, der mit ihm zusammenarbeitet. Wie ist deine Situation? Suchst du einen neuen Manager?"
Alonso: "Da ändert sich für mich gar nichts. Mein Manager ist Luis Garcia Abad, der immer dabei ist. Mein Manager im kommenden Jahr wird ebenfalls Luis sein."

Frage: "Hast du nach dem Rennen im vergangenen Jahr nie darüber nachgedacht, dass es komisch gelaufen sein könnte? Ist dir das nie in den Sinn gekommen?"
Alonso: "Nein, nie. Aber wir sprechen ja schon wieder über diesen Unfall."

Frage: "Aber es gab einige Stimmen, die behauptet haben, du hättest etwas wissen müssen. Stören dich solche Kommentare nicht?"
Alonso: "So etwas lese ich gar nicht. Ich bin froh, dass ich die Zeitungen und die Kommentare mancher Leute nicht lesen muss. Ich lebe in der Gegenwart und somit in der wirklichen Welt."

Frage: "Wie reagierst du denn, wenn Leute behaupten, dass du es hättest wissen müssen?"
Alonso: "Sie sollen sich die Zusammenfassung der FIA durchlesen. Dort steht alles drin. Es ist ziemlich eindeutig. Wenn sie das nicht verstehen, dann haben sie wohl ein Problem mit dem Lesen."

Frage: "Welchen Overall trägst du im kommenden Jahr?"
Alonso: "Ich weiß es nicht. Es wäre sicher schön, wenn ich das beantworten könnte. Aber ich werde es hoffentlich bald wissen."

Frage: "Wie bald?"
Alonso: "So schnell wie möglich."

Frage: "Warst du überrascht, dass Pat Symonds dermaßen tief in die Sache verstrickt war?"
Alonso: "Dazu sage ich nichts. Da kann jeder seine eigene Meinung haben. Noch einmal: Wir reden zu viel über das vergangene Jahr. Ich habe meine Empfindungen aus dem vergangenen Jahr schon beschrieben. Das ist vorbei und ich bin froh, dass nun alles klar ist. Mehr kann ich dazu nicht sagen. Es ist Zeit, dass mein Team und ich nach vorne schauen. Weitere Fragen zum vergangenen Jahr werde ich nicht beantworten."

Frage: "Welche Erwartungen hast du hier in Singapur?"
Alonso: "Unsere Erwartungen sind hier sehr hoch, weil wir in Ungarn gut dabei waren. Wir waren auch in Monaco mehr oder weniger schnell und Singapur ist eine Kombination dieser beiden Pisten. Wir glauben, dass wir hier konkurrenzfähig sein können. Wir tun alles, um hier ein gutes Qualifying zu haben und wollen dann im Rennen unser bestes Saisonergebnis verbessern, was bislang ein fünfter Rang ist. Ein Podestplatz wäre natürlich toll. Wir haben für hier und Japan wirklich hohe Erwartungen und hoffen auf gute Wochenenden."

Frage: "Nachdem man Pat und Nelson Immunität zugesichert hatte, wurde es dann nicht zu einer Hexenjagd auf Flavio?"
Alonso: "Kein Kommentar."

Frage: "In Monza wurde viel über das Leistungsniveau der Motoren diskutiert. Glaubst du, Renault hat in diesem Bereich einen Nachteil?"
Alonso: "In Monza wurde zwar viel darüber gesprochen, aber wir hatten schon seit drei oder vier Rennen das klare Gefühl, dass einige Motoren außergewöhnlich gut laufen - zum Beispiel der Mercedes. Wir sind glücklich mit unserem Triebwerk. Ich glaube, wir haben einen starken Motor, vielleicht nicht so stark wie Mercedes, aber ich kann mich über unseren Motor nicht beklagen. Natürlich wäre es schön, wenn man noch etwas mehr Leistung hätte."

Frage: "Warum hat KERS am Start in Monza nicht wie erwartet funktioniert?"
Alonso: "Der Start war wirklich schlecht. Auf den ersten zehn Metern, als ich die Kupplung kommen ließ, gab es zu viel Wheelspin. Es ging nicht richtig voran. Ich habe auf den ersten 50 Metern schon ein oder zwei Positionen verloren, dann habe ich den Knopf gedrückt und meine alte Position wieder zurückbekommen. Ohne KERS hätte ich wohl drei oder vier Plätze verloren. Aber dank KERS konnte ich meinen Platz halten. Es war ein Vorteil, keine Frage."

Frage: "Hast du eine Ahnung, wer 'Zeuge X' ist?"
Alonso: "Ich habe nichts dazu zu sagen."

Frage: "Hat die Performance des Autos bei den letzten Saisonrennen einen Einfluss auf deine Entscheidung bezüglich des Teams für 2010?"
Alonso: "Nein, überhaupt nicht."

Frage: "Welche Faktoren sind denn ausschlaggebend?"
Alonso: "Meine Absichten sind bereits klar."

Frage: "Hast du schon einen Vertrag unterzeichnet?"
Alonso: "Nein."

Frage: "In den vergangenen zwei Jahren warst du mit zwei Skandalen konfrontiert. Berührt dich das?"
Alonso: "Nein. Im vergangenen Jahr war ich nicht involviert und vor zwei Jahren mit McLaren haben wir der FIA geholfen. Wir waren auch nicht involviert, sondern haben lediglich der FIA geholfen. Als Inhaber einer FIA-Lizenz muss ich das tun, das ist auch schon alles."

Frage: "Lässt dich das nicht am Sport zweifeln? Man redet über so vieles, aber nur wenig über den Sport..."
Alonso: "Ja, aber das ist ein Fehler, den sich alle anheften müssen: Fahrer, Teams und der Sport selbst auch. Es gibt auch andere Sportarten mit Skandalen und es gibt eben Sportarten, wo es eher ruhig ist. Die Formel 1 ist dermaßen groß und unglaublich berühmt, sodass alles, was passiert, ein riesiges Echo hervorruft."

Fotoquelle: xpb.cc

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