Gebrauchtwagen-Test Land Rover Discovery 2

Gebrauchtwagen-Check Land Rover Discovery 2 (1998–2004) Gebrauchtwagen-Check Land Rover Discovery 2 (1998–2004)

Gebrauchtwagen-Test Land Rover Discovery

— 05.10.2006

Britisch Elend

Deutsche Regie ist bei ausländischen Marken nicht immer eine Qualitätsgarantie. Das zeigt der in der BMW-Ära entwickelte Land Rover Discovery 2.

Überdurchschnittliche Pannenanfälligkeit

Es gibt kaum ein Auto mit einer derart kuriosen Entwicklungsgeschichte und derart kuriosen Konstruktionsdetails wie die zweite Generation des Land Rover Discovery. Mit einem Heidenaufwand an Geld und Technik entwickelten die Briten dieses Auto geschickt an der Aufsicht (1994–2000) des damaligen Markenbesitzers BMW vorbei. Beispiele gefällig? Elektronisch gesteuerte und hydraulisch arbeitende Stabilisatoren zur Verhinderung des Umkippens, Hochdruck-Dieseleinspritzung mit thermostatisch gesteuertem Kraftstoff(!)kühler, öldruckgetriebener Zentrifugal-Ölfilter, der mit 15.000 Touren dreht und dabei Partikel aus dem Motoröl absondert.

Kleiner Trost: Die Ersatzteilpreise sind ganz in Ordnung.

Dass bei einer derart komplexen Konstruktion eine überdurchschnittliche Pannenanfälligkeit herauskommt, ist Skeptikern klar. Optimisten dagegen hatten wohl angenommen, dass Land Rover aus den Fehlern der ersten Discovery-Generation (1989-99) gelernt hat. Zum Teil stimmt dies auch, denn Motorschäden wegen gerissener Nockenwellenzahnriemen gibt es beim Discovery 2 nicht – dank Kettenantrieb. Aber eindringendes Regenwasser und ölsabbernde Aggregate waren bereits bei Generation 1 ein beherrschendes Thema. Das ist nicht nur extrem peinlich für Land Rover, sondern für die Discovery-Besitzer auch teuer bei der – selten endgültigen – Beseitigung.

Dazu kommt eine neue Fehlerquelle, die es beim ersten Discovery noch nicht gab: die Elektronik. Die ferngesteuerte Wegfahrsperre des Discovery 2 reagiert empfindlich auf externe Störquellen. Scannerkassen eines Supermarkts, Überland-Stromleitungen, Garagentor-Sender – all dies und noch mehr kann den britischen Geländegänger lahmlegen. In so einem Fall hilft nur das Wegschleppen mit anschließendem Startversuch in 200 Meter Entfernung. Sensibel reagiert der Discovery 2 auch auf nachträgliche Elektrik-Ein- oder -Umbauten. Schon eine Standheizung oder ein Marderschreck können das hochkomplexe elektronische Datenbus-System schwer lokalisierbar durcheinanderbringen.

Es gibt aber auch Discovery 2, deren Besitzer die Problemtiraden anderer nicht verstehen können. Als Beispiel mag der Fahrer eines Exemplars aus dem Jahr 1999 dienen, der sich auch nach 189.000 gefahrenen Kilometern über einen zuverlässigen sowie öl- und wasserdichten Discovery 2 freut. Positiv haben sich offenbar die Land Rover-Vertragswerkstätten entwickelt. Die Beschwerdequote bei der Arbeitsleistung liegt mit 21 Prozent nun auf unauffällig durchschnittlichem Niveau. Das war bekanntlich nicht immer so. Trotz der dürftigen Zuverlässigkeit wollen nicht wenige wieder einen Land Rover kaufen. Der aktuelle Discovery 3 steht bei 53 Prozent wieder ganz oben. Immerhin 25 Prozent kehren der britischen Marke den Rücken. Sie wandern meist zu deutschen Marken – in der Hoffnung auf mehr Zuverlässigkeit.

Checkliste Land Rover Discovery 2

Kratzt das Getriebe beim Schalten? Die Reparatur kann teuer werden.

• Muffiger Geruch im Innenraum oder Duftbäumchen sollten Sie mißtrauisch machen. Das riecht nach eindringendem Regenwasser. Ihr Weg auf der Probefahrt sollte Sie durch eine Waschstraße führen. Es gibt auch wasserdichte Discovery.
• Vertrauen Sie nicht einem ölfreien Unterboden; er könnte gerade erst geringt worden sein. Fahnden Sie nach dem Stellplatz des Besitzers und untersuchen Sie dort den Boden auf Ölflecke.
• Bei teuren Schäden an Zylinderkopf und Kopfdichtung des Turbodieselmotors vermischen sich häufig Motoröl und Kühlwasser. Kontrollieren Sie deshalb Ölpeilstab, Öleinfülldeckel und Kühlerverschluss auf typische bräunlich-schlammige Ablagerungen. Noch besser: Druck- sowie Kompressionsprüfung in einer selbst erwählten Werkstatt.
• Probieren Sie alle elektrischen Verbraucher aus. Mal alle Fensterheber gleichzeitig betätigen. Misstrauen Sie nachträglichen Extras.

Historie, Schwächen, Kosten, Urteil

Modellgeschichte


1999 Einführung des Discovery 2 in Deutschland; 2,5-Liter-Fünfzylinder-Turbodiesel mit elektrisch gesteuerter Pumpe-Düse-Direkteinspritzung (139 PS) oder 4,0-Liter-V8-Benziner (185 PS); LxBxH 4,71x1,89x1,94m • 2002 Facelift mit Doppel-Rundscheinwerfern statt Rechtecklampen, höher angesetzte Stoßfänger, neue Heckleuchten, überarbeitete Bremsen (mit unveränderter Bremswirkung), dickere Dachreling, verbesserter Geräuschkomfort (Türdichtungen, neue Gummilager, zweiter Ansauggeräuschdämpfer, verripptes Verteilergetriebe), manuelle Sperrmöglichkeit des Zentraldifferenzials • 2004 Unter Ford-Regie entwickelter Discovery 3 löst den Discovery 2 ab

Schwachstellen

Pleiten, Pech und Pannen: Der Discovery-Motor hat viele Schwächen.

Die Getriebe (Schalt und Automatik) verursachten bei neun Prozent der Discovery teure Reparaturen. Häufig macht der Turbodieselmotor Probleme (insgesamt 31 Prozent). Zwölf Prozent der Td5 bekamen bereits einen Austauschmotor, oft bei rund 100.000 km. Dazu kommen defekte Turbolader (sechs Prozent) und elektronische Motorsteuergeräte (acht Prozent). Wassereintritt (23 Prozent) betrifft meist Scheiben im Dach oder Frontscheibe. Bei 48 Prozent der Discovery 2 läuft Öl aus Motor, Getriebe oder Achsen. Die Zuverlässigkeit ist mit 29 Prozent Pannen und 27 Prozent Startversagern einfach schlecht. Startet der Discovery nicht, liegt es meist an schwer behebbaren Fehlern der Wegfahrsperre, ab 100.000 km auch an einem defekten Anlasser. Anders bei den Pannen auf freier Strecke, hier gibt es zahlreiche Ursachen: Überhitzung durch durchgebrannte Zylinderkopfdichtungen, Kopfschäden, Turbolader, Dieselpumpe, Defekt am Motorsteuergerät, Getriebeschäden.

Reparaturkosten

Preise inklusive Mehrwertsteuer am Beispiel eines Td5 mit Schaltgetriebe, Baujahr 2000. Vergleichsweise günstig für heutige Verhältnisse sind Dieselmotor und Getriebe. Aber auch die anderen Preise gehen völlig in Ordnung.

Technik

Allradantrieb Permanent mit Zentraldifferenzial (ab Sommer 2002 zusätzlich mit manueller Sperre); Kraftverteilung v:h 50:50; elektronisch gesteuerte Schlupfregelung durch Bremseneingriff; Geländereduktion
Aufbauweise Leiterrahmen mit aufgeschraubter Karosserie
Verbrauch 4.0: 17,5l/100 km Super; Td5: 12l/100 km Diesel
Höchstgeschwindigkeit 4.0: 170 km/h; Td5: 155 km/h

Urteil


Auch dieser Land Rover birgt für den normalen Gebrauchtkäufer ein viel zu hohes Risiko. Nur wahre Fans ertragen die häufigen Pannen und teuren Reparaturen mit britischem Humor. Oder man ist ein echter Glückspilz und erwischt eines der wenigen problemfreien Exemplare.

Autor: Martin Braun

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