Gigaliner am Bahnübergang

Gigaliner am Bahnübergang

— 07.03.2012

In die Schranken gewiesen

Neues Problem für die Gigaliner: Die XXL-Lastwagen kreuzen auf ihren Routen im Feldversuch Bahnübergänge – und das ist verboten. Das Verkehrsministerium schiebt die Verantwortung von sich.

Das umstrittene Gigaliner-Projekt steht erneut in der Kritik. Im für den Feldversuch freigegebenen Straßennetz befinden sich Bahnübergänge, die nicht für Lang-Lastwagen geeignet sind. 25 Gleisquerungen hat die "Allianz pro Schiene" in den acht teilnehmenden Bundesländern gezählt, bei rund einem Drittel kreuzen auch Personenzüge. "Im Extremfall kracht die Schranke auf den Lkw", sagt Dirk Flege, Chef des Verkehrsbündnisses. Der Versuch müsse daher sofort gestoppt werden.

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Gigaliner sind mit 25,25 m sechseinhalb Meter länger als herkömmliche Lkw – mit entsprechenden Folgen beim Manövrieren.

Die Gefahr ist real: Bahnübergänge sind für Fahrzeuglängen bis 18,75 Meter ausgelegt, die Gigaliner aber messen 25,25 Meter. Die Zeit vom Signal bis zum Schließen der Schranke ist für die Lang-Lkw zu knapp. Das Bundesverkehrsministerium hatte Bahnquerungen auf freigegebenen Strecken eigentlich ausgeschlossen, verweist nun auf die Zuständigkeit der Länder. Die prüfen derzeit die Gefahren. Damit Gigaliner queren können, müssten nach Expertenansicht zumindest die Kontakte im Gleisbett vorverlegt werden, die Schrankenbewegungen auslösen. Auch weitere, noch teurere Umbauten sind möglich. Wer das bezahlt, ist jedoch unklar.

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Für den Feldversuch sind derweil erst sieben Lkw gemeldet, mit 400 hatte man gerechnet. Außerdem war die geplante Auftaktveranstaltung am 5. März mit Minister Ramsauer abgesagt worden – offiziell wegen "Terminproblemen".
Autor:

Benjamin Gehrs

Fazit

Prüfungen der Brückenstatik, Überholverbote, Fahrerschulungen – beim Gigaliner-Feldversuch schien alles durchdiskutiert. Nun also Bahnübergänge. Ein vergessenes Detail, das aber teuer werden würde, sollten die Lang-Lkw in Zukunft überall rollen. Dazu wird es nicht kommen: Ausufernde Bürokratie und rechtliche Unsicherheit schrecken Spediteure ab. Schon vor dem Start ist das Gigaliner-Projekt  gescheitert.

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