Killer-Kältemittel R1234yf
— 22.11.2012
R1234yf: Versagen die Behörden?
Rund 10.000 Autos sind in Deutschland mit dem "Killer-Kältemittel" R1234yf unterwegs. Einen Rückruf gab es bislang nicht – die Behörden prüfen noch.
Auch acht Wochen nach Daimlers spektakulärer Abkehr vom Killer-Kältemittel R1234yf bleibt weiterhin unklar, welche Konsequenzen die deutschen Behörden aus dem Fall ziehen. Daimler hatte Ende September 2012 die Ergebnisse seiner Versuche veröffentlicht, die nachweisen, dass R1234yf bei einem Auffahrunfall einen Brand auslösen und gefährlichen Fluorwasserstoff freisetzen kann (siehe Video).
Video: Killer-Kältemittel
Achtung, Lebensgefahr!
Daimler ließ deshalb kurzfristig sämtliche Autos, die mit R1234yf ausgeliefert worden waren, zurückrufen und auf das alte Kältemittel R134a umrüsten. Es handelte sich dabei in Deutschland um 705 Fahrzeuge der SL-Baureihe. Aktivitäten der zuständigen Behörden zum Schutz der Verkehrsteilnehmer sind derzeit nur vage zu erkennen. Eine Aussage von Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer wäre zum jetzigen Zeitpunkt verfrüht, sagte ein Sprecher des Ministeriums zu AUTO BILD. Zurzeit liefen "Evaluierungs- und Entscheidungsprozesse des KBA". Das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA), das regelmäßig Autos mit gefährlichen Mängeln zurückruft, nehme zunächst eine Mängelbewertung vor, sagte ein Behördensprecher auf AUTO BILD-Anfrage. Es entspreche dem Selbstverständnis des KBA, "die Übertragbarkeit des Daimler-Versuchs auch auf andere Hersteller/Fahrzeugmodelle einer intensiven und vollumfänglichen Überprüfung zu unterziehen", so der Sprecher weiter.
HFO-1234yf (2,3,3,3 Tetrafluorpropen) wird als Nachfolger des Kältemittels R134a in Auto-Klimaanlagen eingesetzt. Der Vorteil von HFO-1234yf: Es hat ein geringeres Treibhauspotenzial.
Das Global Warming Potential (GWP) oder auch Treibhauspotenzial gibt an, wie stark ein Gas zum Treibhauseffekt beiträgt. Das GWP von R134a beträgt 1300, das von HFO-1234yf liegt bei 4. Seit Anfang 2011 dürfen in Neuwagen nur noch Kältemittel mit einem GWP kleiner als 150 eingesetzt werden.
HFO-1234yf wurde 1946 an der Universität von Ohio erstmals synthetisiert. Die Einzelsubstanz galt bis vor wenigen Jahren wegen ihrer Reaktivität als ungeeignet für Pkw-Klimaanlagen.
Die meisten Patente für HFO-1234yf liegen bei den US-Chemiekonzernen Honeywell und Dupont, die zurzeit gemeinsam in China eine Fabrik errichten. Diese wird ab dem vierten Quartal 2012 große Mengen des neuen Kältemittels herstellen – gut ein Jahr später als ursprünglich geplant.
Mögliche Alternativen zu HFO-1234yf sind CO2 (R744), Propan (R290) und Butan (R600).
Kältemittel HFO-1234yf 1 von 5
Zur Klärung plane man, in der 47. Kalenderwoche die betroffenen Autohersteller anzuschreiben. In Abhängigkeit von den Antworten will das KBA dann "in die weitere Prüfung einsteigen und notwendige Schritte veranlassen". Einen sofortigen Rückruf aller mit R1234yf ausgerüsteten Fahrzeuge ohne jeweilige Fallprüfung schloss der KBA-Sprecher vor diesem Hintergrund aus.
Autos mit dem neuen Kältemittel R1234yf haben in Deutschland neben Mercedes bislang Hyundai, Kia, Mazda, Subaru und Toyota/Lexus in Verkehr gebracht, insgesamt rund 10.000 Fahrzeuge. Hyundai, Kia und Mazda haben die aktuelle Produktion mittlerweile wieder komplett auf R134a umgestellt.
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Kommentare zum Artikel (3)
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Ja, es gibt noch mehr Skandale. Aber dieser ist eben auch einer. Ein großer!! Und dass außer Auto-Bild keine andere Autozeitschrift das Thema aufgreift, nicht der VDA, nicht der ADAC, natürlich auch nicht das BuVerkehrsministerium und sein KBA, ist auch ein Skandal, wie auch die idiotischen Vorschriften der EU. Was die Lobbyisten der 2 US-Firmen wohl dafür bezahlen? Die dummen Abzocker-"Umweltzonen", die keine sind sind zwar deutsche, aber Folgen von EU-Vorschriften. Schon deshalb keinen Euro mehr für die EU! Und Dank an die Redaktion von Autobild.
Wer hält da hinter den Kulissen wieder die Hand auf? Anders ist es nicht zu erklären das dieses Zeug nicht SOFORT und ENDGÜLTIG vom Markt genommen wird. Zur Erinnerung: Es reicht die Benetzung einer handgroßen Hautfläche mit Fluorwasserstoff um einen Menschen unretttbar und qualvoll innerhalb 24 Stunden verrecken zu lassen. Danke an die Autobild, daß Sie immer wieder an dem Thema dranbleibt!
Hier wird auf Autofirmen eingedroschen, wegen das Kältemittel R1234yf. Aber Gifte lässt die EU zu und das ganz bewusst. Nach der Wende ist der Westen über die DDR hergezogen wegen Umweltverschmutzung. Es gab ein Riesengeschrei wegen falscher Lagerung von Quecksilber in Buna. Das geht nicht, es ist doch gesundheitsgefährdend. Dann verschwanden die Thermometer mit Quecksilber. Und heute gibt es die kranken Fuzzis, die die Glühlampen verboten haben und die Leute sollen die hässlichen Energiesparlampen mit Quecksilber kaufen. Das ist ein Skandal ohne gleichen.