300.000 Kilometer in der C-Klasse

Mercedes C-Klasse, AUTO BILD-Dauertest Mercedes C-Klasse, AUTO BILD-Dauertest Mercedes C-Klasse, AUTO BILD-Dauertest

Mercedes C-Klasse: Dauertest

— 25.10.2013

300.000 Kilometer und kein bisschen müde

So einen Dauertest hat es noch nie gegeben. Nach 100.000 Kilometern bekam der Mercedes die Zuverlässigkeitsnote 2. Damit hätte Schluss sein können. Doch diese C-Klasse läuft weiter.

Video: C-Klasse im Dauertest

300.000 km auf dem Tacho

Er müffelt. Anzulasten ist ihm das nicht, auch wenn im zunehmend hohen Alter die Bereitschaft zu kleckern naturgegeben ist. Einige der Hinterlassenschaften auf dem Stoff "Brighton Schwarz" sind wohl auch eher frühkindlicher Prägung, zum Glück ist kein Milchbrei darunter. Einem Journalisten, der lieber schlechte als gute Nachrichten verbreitet, mag es stinken, dass HH-I 2363 immer noch fährt. Und fährt. Und besser läuft als weiland jeder VW Käfer, aber mindestens genauso zuverlässig. Mehr noch: Diese C-Klasse scheint tatsächlich ein Bauwerk für die Ewigkeit zu sein. Stramme 301.800 Kilometer hat die einst von AUTO BILD inkognito gekaufte Basis-Limousine der Baureihe 204 auf dem elektronischen Anzeiger, der so erschreckend einfach zurückzustellen ist: Computer ran und nach wenigen Sekunden wirkt die Verjüngungskur. So geschehen im September vor zwei Jahren, als wir Tachotricksern auf die Schliche kamen. Doch keine Sorge, der aktuelle Tachostand unseres Dauergasts ist echt, belegt mit mittlerweile einem halben Dutzend Fahrtenbüchern, Tag für Tag, Kilometer für Kilometer.
Im Überblick: Alle Tests zur Mercedes C-Klasse

Was sich darin findet, ist selten Kritik, vielfach sogar eine mit der Laufleistung gewachsene Liebesbeziehung. "Ein nackter C 180 reicht völlig und macht glücklich", bilanziert Testredakteur Andreas Borchmann nach 100.000 Kilometern im Jahr 2009. Nackt ist er wirklich, der kleine C mit 195/60 R 16"-Gummis auf 2007 noch serienmäßigen Stahlrädern. Innen dominiert der billig anmutende schwarze Armaturenträger. Und ein Lenkrad, dessen Drucktasten aus dem Baumarkt stammen könnten. Einziges Extra an Bord ist das Audio 50 APS, das kleine Navi für damals 1856 Euro. Es hat bis heute die Kollegen mehr durcheinandergebracht als manche Hausmitteilung aus dem Fachreferat Revision. AUTO BILD-Urgestein Joachim Walther hält sogar seinen 30 Jahre alten Schreibtisch-Globus für exakter als den 2007er Comand-Ersatz ohne Ausklappbildschirm. Hintergrund: Der ansonsten langstreckentaugliche Kollege ist Opfer einer im großen Auktionshaus günstig erworbenen Polen-CD. Mehr als eine grobe Ost-West-Orientierung sollte eben keiner von einem 45-Euro-Silberling erwarten.
Tops und Flops: Die komplette Dauertest-Rangliste

Ab Kilometerstand 214.187 ist eine reguläre Navigations-CD im Einsatz, doch selbst die ist häufig kaum wegweisender als ein Kirmes-Irrgarten. Die mit Navi-App im Smartphone ausgestatteten Kollegen stört's weniger. Stattdessen entwickelt sich sogar bei Mitgliedern der Redaktion, die privat Konkurrenzprodukte bevorzugen, eine Nähe zur bescheiden-sympathischen Extra-Klasse. BMW-Fan Mario Pukšec kommentiert bei Zählerstand 245.497: "Fährt sich top. Es könnten auch 150.000 Kilometer weniger auf dem Tacho stehen." Redakteur Joachim Staat formuliert versonnen ins Fahrtenbuch, was von der Seele dieses Daimler greifbar ist: "Am liebsten möchte man den losen Faden auf dem Beifahrersitz kunststopfen." Der weiße C, er altert tatsächlich in Würde. Anders als so manch anderer im Dauertestfuhrpark. Doch bevor wir vor lauter Lob den Faden verlieren: Es gab auch Probleme auf der Strecke rund um die Erde, die er gut 7,5-mal umkreist hat. Ein neues Gaspedal ist bei Kilometer 209.883 die Folge mehrerer großer "F" im Computer zur Fehlerdiagnose. Keine 2000 Kilometer später ist nach fiesem Steinschlag eine neue Frontscheibe fällig: 710 Euro. Richtig ins Redaktionskontor haut mit 1760,48 Euro der neue Dreiwege-Katalysator samt zweier Lambdasonden beim Stand von 270.598 Kilometern, wogegen sich die just zuvor vollzogene Bremsenrevision mit 850,52 Euro fast bescheiden ausnimmt. Eine Meldung über Airbagstörung bei 240.000 Kilometer erledigt sich von selbst – Wackelkontakt im Gurtschloss. Einige seiner Geheimnisse hat er bis heute nicht preisgegeben, der einzig wahre Erbe des 190ers, also der Baureihe W 201. Nachdem die erste C-Klasse W 202 ebenso wie ihr Nachfolger 203 beim Thema Korrosionsverhalten ähnlich schlechtes Benehmen zeigten wie der große Bruder E-Klasse der Baureihe W 210, lehnt der 204er jedwede Solidarisierung ab. Unterboden, Radläufe, Türkanten, Hohlräume: alles schier; hier hat Daimler ja auch heftig sein Fett weggekriegt.
Reparaturen
Kilometerstand Reparatur Kosten
206.438 km Kombischalter (Wischer/Blinker) ersetzt. 529,34 Euro
209.883 km Defektes Fahrpedal ausgetauscht. 295,76 Euro
211.772 km Nach Steinschlag Frontscheibe ersetzt. 710 Euro
214.187 km Glühlampe des Abblendlichts links ersetzt. 14,89 Euro
240.894 km Airbagstörung angezeigt. Ursache: Wackelkontakt im Gurtschloss.<br>
Bis jetzt auch ohne Werkstatteingriff nicht wieder aufgetreten.
-
255.157 km Scheibenwaschdüsen ersetzt. 267,44 Euro
261.161 km Bremsscheiben und -beläge rundum erneuert.<br>
Ebenso die Bremsbacken der Feststellbremse.<br>
Außerdem zwei Glühlampen der Kennzeichenbeleuchtung ersetzt
850,52 Euro<br><br>
10,02 Euro
270.598 km Katalysator plus Lambdasonden erneuert. 1760,48 Euro
284.888 km Mehrere Glühlampen ersetzt. 20,30 Euro
286.172 km Lichtmaschinenregler samt Schalter ausgetauscht.<br>
Zusätzliches Update für das Motorsteuergerät.
434,62 Euro
289.874 km Erneut Scheibenwaschdüsen ersetzt. 267,44 Euro
295.987 km Leuchtmittel für rechtes Abblendlicht getauscht. 12,99 Euro
Kein leuchtendes Vorbild ist der Wagen beim Thema Glühlampen, fast könnte es heißen: Der hat was an der Birne. C 180 K Classic frisst nämlich die Leuchtkörper, als gäben sie Extra-Saft. So um die 20 Stück mögen es inzwischen sein, mindestens, irgendwann haben unsere mittlerweile fingerfertigen Fahrer aufgehört zu zählen. Die Ursache für den extremen Lampenverzehr bleibt im Dunkeln. Experten erklären das Phänomen mit Spannungsspitzen in der Bordelektrik. Glücklicherweise ist der Tausch beim xenonfreien C kein Hexenwerk und braucht auf jeden Fall weniger Kraft als der stets festfressende (Kunststoff-)Deckel des Öleinfüllstutzens. Der verlangt nach einer Gorillapranke, zumindest aber nach einer Wasserpumpenzange. Ist die nicht an Bord, könnte das fatale Folgen haben; denn den größten Appetit entwickelt der kleine Daimler dort, wo keine Hand hinkommt: innermotorisch bis runter zur Kurbelwelle gieren die beweglichen Teile und der Kompressor nach frischem Öl.
Technische Daten
Motor Vierzylinder, Kompressor
Ventile/Nockenwellen 4 pro Zylinder/2
Hubraum/Ventilsteuerung 1796 cm3/Kette
kW (PS) bei U/min 115 (156)/5200
Nm bei U/min 230/2500
Höchstgeschwindigkeit 223 km/h
Abgasnorm – Abgas CO2 (EU-Mix) Euro 4 – 182 g/km
Getriebe/Antrieb 6-Gang/Hinterrad
Tankinhalt/Kraftstoffsorte 66 l/Super
Kofferrauminhalt 475 l
Leergewicht 1555/415 kg
Anhängelast gebremst/ungebremst 1700/740 kg
Etwa seit 100.000 Kilometern macht er das, mittlerweile ist es ein Drittelliter auf 1000 Kilometer, Tendenz steigend. In Zahlen bedeutet es: 39 Liter nach 207.000 km, 93 Liter nach 301.800 km. Womöglich wird unser Marathon-Mercedes ja irgendwann mehr Öl als Benzin konsumieren. Gegenwärtig sind es nach 9,9 Litern bei Tachostand 100.000 nur noch 9,6 Liter Sprit im Mittel. Und noch ein Geheimnis, das der 156 PS starke Benz tief in sich trägt: Er wird immer stärker. Im Laufe seines arbeitsreichen Lebens über 300.000 Kilometer ist die Motorleistung um 3,5 Kilowatt gewachsen, um fast 5 PS also. Redakteur Božo Furkes liefert den passenden Schlussakkord: "Dieses Auto ist top. Es lässt einen nichts vermissen." Auch wenn es nicht mehr nach Neuwagen riecht, sondern nach "Linienbus", wie Redakteur Christian Steiger findet. Noch lange kein Grund zu verduften, die nächste Haltestelle heißt 400.000.

In welchem Zustand sich der Mercedes bei der Inspektion nach 300.000 Kilometern präsentierte, sehen Sie in der Bildergalerie. Den vollständigen Artikel mit allen Daten und Tabellen gibt es im Online-Artikelarchiv als PDF-Download.

300.000 Kilometer in der C-Klasse

Mercedes C-Klasse, AUTO BILD-Dauertest Mercedes C-Klasse, AUTO BILD-Dauertest Mercedes C-Klasse, AUTO BILD-Dauertest

Dauertest: Mercedes C-Klasse

Der vollständige Artikel ist ab sofort in unserem Online-Heftarchiv erhältlich. Hier können Sie das Original-Heft-Layout als PDF-Dokument downloaden.
Mercedes-Benz C 180 K Classic

Veröffentlicht:

16.10.2013

Preis:

1,00 €

Autor:

Manfred Klangwald

Fazit

300.000 Kilometer. Damit bewegen wir uns im Umfeld von Handlungsreisenden und Taxifahrern. Und offensichtlich dort, wo der hohe Einstiegspreis in die Mercedes-Welt Rechtfertigung erfährt. Denn der schlichte C 180 K zeigt kaum Ermüdungserscheinungen. Diverse Reparaturen aus sechs Testjahren sollen natürlich nicht verschwiegen werden, aber unterm Strich bleibt eine positive Bilanz.

Diesen Beitrag empfehlen

Kommentare

Datenschutz

Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen

comments powered by Disqus
Anzeige

Automarkt

Finden Sie im Automarkt von autobild.de Ihren Gebrauchtwagen.

Bei autohaus24.de Neuwagen günstig kaufen und Geld sparen.