Mercedes C-Klasse/VW Passat: Vergleich

— 17.10.2012

Neue C-Klasse mit Sparmotor

Die Mercedes C-Klasse mit neuem Basisbenziner zielt voll auf den Platzhirsch VW Passat. Auf geht's zum Spritknauserkampf in der 160-PS-Klasse.



Draußen steht mehr drauf als drinsteckt? Klarer Fall von Mogelpackung! Ginge es um Suppentüten oder Joghurtbecher, hätten die Verbraucherschützer längst Alarm geschlagen. Nur die Autoindustrie darf noch immer nach Herzenslust hochstapeln – und uns, wie Mercedes, einen 160er als 180er verkaufen. Schwamm drüber. Auch wenn Typziffer und Hubraum nicht zusammenpassen: Weniger ist manchmal mehr. So wie beim C 180. Um ihren Basis-Benziner noch stärker als bisher auf Sparsamkeit zu trimmen, haben die Stuttgarter Ingenieure alle Register gezogen: weiter abgespeckter Hubraum (minus 0,2 Liter), strahlgeführte Direkteinspritzung, Mehrfachzündung, reduzierte Reibung, Flügelzellen-Ölpumpe, Start-Stopp ...

Überblick: Alle News und Tests zum VW Passat

Raumriese auf Oberklasse-Niveau: Beim Platzangebot schlägt der Passat die C-Klasse um Längen.

Der neue Vierzylinder mit der Kennung M274 soll ein echter Star unter den Sternen sein – und mit 5,8 Litern besonders wenig Sprit verbrauchen. Mal sehen, wie er sich gegen den Marktführer in der Mittelklasse schlägt – den 1.8-Turbo im VW Passat. Das Raum-Duell gegen den Passat verliert die C-Klasse schon mal. Und zwar haushoch. Den VW-Kofferraum könnte man untervermieten, 565 Liter Fassungsvermögen sind Rekord im Konkurrenzumfeld. Die C-Klasse bietet nur 475 Liter. Auch sonst ist der Passat ein Riese: Die Kniefreiheit auf den Rücksitzen übertrifft sogar die einer E-Klasse. Der C hingegen ist im Fond noch knapper geschnitten als ein Golf und mit seinen Mini-Sitzen eher ein 2+2-Limousinchen als ein ernst zu nehmender Fünfsitzer. Konzeptionell haben beide Autos schon ein paar Jahre auf dem Buckel – was allerdings nicht nur Nachteile hat. Klar: Das lahme RNS-510-Navi könnte VW aufs Altenteil schicken. Mit seinem fixen und leicht bedienbaren, leider noch teureren Comand-System zeigt der Mercedes, wo es langgeht.

Überblick: Alle News und Tests zur Mercedes C-Klasse

Sparmeister: Der neue Basismotor der C-Klasse ist kräftig und in Sachen Spritkonsum bescheiden.

Zudem ist Bluetooth selbst beim Basis-C schon serienmäßig – VW dagegen scheint im Multimedia-Zeitalter noch nicht so richtig angekommen zu sein. Auch könnten die Wolfsburger den unteren Bereich des Cockpits endlich mal aufmöbeln – die Fingerkuppen ertasten hier schnödes Hartplastik. Ansonsten vermittelt der Passat aber einen ähnlich reifen Qualitätseindruck wie der Mercedes. Auch motortechnisch ist er auf der Höhe der Zeit, solange es um Leistung geht. Der 1.8er-Turbo hängt hellwach am Gas, dreht blitzartig hoch und läuft dabei verblüffend leise. Aber er verbraucht zu viel. 7,8 Liter waren es auf unserer Testrunde, 0,9 Liter mehr als angegeben. Auch der Mercedes verfehlt die Werksangabe deutlich. Zwischen Prospektwert und gemessenem Verbrauch (6,8 l/100 km) liegt bei der C-Klasse ein ganzer Liter. Genauso groß ist aber auch der Abstand zum VW. Pro 100 Kilometer spart der Benz 1,75 Euro. Das läppert sich. Und es wiegt umso schwerer, als der C 180 bei den Fahrleistungen vorn liegt.

Was Mercedes aus schmächtigen 1,6 Liter Hubraum herausholt, ist beeindruckend. Gefühlt traben hier mehr als 156 Pferdchen. Und auch wenn der C 180 einen Hauch verschlafener auf Gaspedalbefehle reagiert als der Passat und etwas stärker knurrt: Bei 250 Newtonmetern, die im gesamten praxisrelevanten Drehzahlband bereitstehen, ist allzeit mächtig Dampf im Kessel. Wer sich von so viel Power zu sportlicher Fahrweise angestachelt fühlt, kann in den Testkandidaten mächtig Spaß haben. Beim Mercedes ist es vor allem die Lenkung, die zum Lustgewinn führt: spielfrei, sauber definiertes Ansprechen, prima Feedback von der Fahrbahn. Auch fällt ins Gewicht, dass die Vorderachse hier – anders als beim VW – nur Lenk- und keine Antriebskräfte übertragen muss.

Allerdings arbeitet die C-Klasse stärker in den Federn als der Passat, der dank dreistufig verstellbarer Adaptivdämpfer (1100 Euro Aufpreis) auch auf Buckelpisten und in schnellen Wechselkurven stets die Ruhe selbst bleibt und damit einen klaren Vorsprung beim Federungskomfort herausfährt. Dass er den Test am Ende knapp gewinnt, liegt jedoch einzig und allein am Platz- und Preisvorteil. Bei Antrieb, Fahrdynamik und Verbrauch kann der VW die C-Klasse nicht schlagen. Sie fährt somit hier keineswegs als Verlierer vom Platz, sondern als starker zweiter Sieger – vor allem dank ihrem rundum überzeugenden Motor.

Den Artikel im Orginal-Layout finden Sie als Download im Online-Heftarchiv.
Fahrzeugdaten Mercedes VW
Motor Vierzylinder, Turbo, vorn längs Vierzylinder, Turbo, vorn quer
Ventile/Nockenwellen 4 pro Zylinder/2 4 pro Zylinder/2
Nockenwellenantrieb Kette Kette
Hubraum 1595 cm³ 1798 cm³
kW (PS) bei 1/min 115 (156)/5300 118 (160)/5000
Nm bei 1/min 250/1250 250/1500
Vmax 225 km/h 220 km/h
Getriebe Sechsgang manuell Sechsgang manuell
Antrieb Hinterradantrieb Vorderradantrieb
Bremsen vorn/hinten Scheiben/Scheiben Scheiben/Scheiben
Testwagenbereifung 225/45 R 17 Y 235/45 R 17 W
Reifentyp Continental SportContact 3 Continental SportContact 5
Radgröße 7,5 x 17" 7,5 x 17"
Abgas CO2 136 g/km 160 g/km
Verbrauch* 7,7/4,7/5,8 l 9,6/5,3/6,9 l
Tankinhalt 66 l/Super 70 l/Super
Vorbeifahrgeräusch 74 dB (A) 71 dB (A)
Anhängelast gebr./ungebr. 1800/735 kg 1500/750 kg
Kofferraumvolumen 475 l 565 l
Länge/Breite/Höhe 4591/1770–2008**/1447 mm 4769/1820–2062**/1470 mm
Preis (wird bewertet) 4-Tüer 35.826 Euro*** 32.060 Euro****
*innerorts/außerorts/gesamt auf 100 km; **mit Außenspiegel; ***inkl. Multikontursitze 512 € und 66-Liter-Tank 60 €; ****inkl. Seitenscheiben geräuschdämmend 115 €, Dämpferregelung DCC 1100 €, Reifendruckkontrolle 85 € und 17-Zoll-Bereifung 710 €
Messwerte Mercedes VW
Beschleunigung
0–50 km/h 2,9 s 3,0 s
0–100 km/h 8,5 s 8,7 s
0–130 km/h 13,5 s 14,3 s
Elastizität
60–100 km/h 8,0 s (4. Gang) 8,3 s (4. Gang)
80–120 km/h 14,5 s (6. Gang) 15,9 s (6. Gang)
Leergewicht/Zuladung 1476/509 kg 1454/576 kg
Gewichtsverteilung v./h. 53/47 % 59/41 %
Wendekreis links/rechts 10,7/10,8 m 11,3/11,5 m
Bremsweg
aus 100 km/h kalt 36,0 m 36,9 m
aus 100 km/h warm 36,3 m 36,8 m
Innengeräusch
bei 50 km/h 57 dB (A) 57 dB (A)
bei 100 km/h 65 dB (A) 65 dB (A)
bei 130 km/h 69 dB (A) 69 dB (A)
Testverbrauch – CO2 6,8 l S – 161 g/km 7,8 l S – 185 g/km
Reichweite 970 km 890 km

Na so was: Der Turbo kann auch sparen

Der vollständige Artikel ist ab sofort in unserem Online-Heftarchiv erhältlich. Hier können Sie das Original-Heft-Layout als PDF-Dokument downloaden.
VW Passat 1.8 TSI (Typ B7), Mercedes C 180 BlueEfficiency (Typ W 204)

Veröffentlicht:

10.10.2012

Preis:

1,00 €

Martin G. Puthz

Martin G. Puthz

Fazit

Wer mit Platz geizt und zugleich beim Preis hoch pokert, kann einen Passat nicht schlagen – Pech gehabt, Mercedes. Die C-Klasse wird hier nur Zweiter, obwohl einem bei ihrem neuen Einstiegsbenziner glatt der Hut von der Ablage fliegt. Kraftausbeute und Verbrauch sind beim C 180 eine Wucht. Und führen zu einer doppelten Erkenntnis. Erstens: "Basis" steht inzwischen selbst "beim Daimler" nicht mehr für Verzicht. Und zweitens: Alles, was an Motoren darüber kommt, verdient bereits den Namen Luxus.

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