Mercedes G-Klasse W464 (2018): Vorstellung, Test

Mercedes G-Klasse W464 (2018): Vorstellung, Test

Mercedes G-Klasse W464 (2018): Test, Innenraum, Preis, Motor

— 15.01.2018

Alles Wissenswerte zur neuen G-Klasse

Mercedes legt die G-Klasse komplett neu auf – aber im bekannten Design. Der Dino wird digital und luxuriöser. Erste Mitfahrt, Sitzprobe und alle Infos!

Vorstellung: G bleibt G
Innenraum:
Limousinen-Ambiente im Urgetüm (Update!)
Fahren: Mitfahrt im Prototyp
Ausstattung: Neue Ablagen, 16 Lautsprecher, AMG-Line
Connectivity: Technik aus E- und S-Klasse
Motoren und Preis: S-Klasse-Motoren, Basis über 90.000 Euro
Technische Daten: Anfangs nur als G 500
Gebrauchtwagen: G-Klasse gebraucht ab 27.000 Euro

Vorstellung: G bleibt G

Die G-Klasse wird frischer und breiter. Die typische kantige Optik behält sie aber.

Seit 1979 baut Daimler die kantige Mercedes G-Klasse. Anfangs als reinrassiger Geländewagen konzipiert, wandelte sich der G im Laufe der Jahre mehr und mehr zum Luxus-Vehikel. Nun legt Mercedes die G-Klasse sechs Jahre nach der letzten Überarbeitung komplett neu auf – und präsentiert sie auf der NAIAS in Detroit (20. bis 28. Januar 2018). Dabei setzen die Stuttgarter mehr auf Evolution statt Revolution. Zumindest optisch: Die Grundform des Ur-G bleibt bestehen, wird aber mit modernen Elementen aufgefrischt. Der Unterschied liegt hauptsächlich im Detail. An der Front fallen als erstes die neuen LED-Scheinwerfer auf. Das Tagfahrlicht ist bei ihnen jetzt als umlaufender Ring integriert. Auch die Motorhaube wurde etwas filigraner modelliert, sie liegt aber immer noch klassisch auf der Karosse auf. An der Seite hat sich auf den ersten Blick nicht viel verändert. Mercedes hat die Spiegel neu geformt, die Türen haben abgerundete Ecken bekommen, und auch die Fenster wirken weniger rechteckig. Insgesamt lässt sich sagen, dass die Designer beim neuen G die Radien vergrößert haben, um dem Wagen etwas von seinem kantigen Erscheinungsbild zu nehmen. Hier bleiben von den Vorgängern die Schutzleisten aus Kunststoff und die typischen massiven Türgriffe erhalten. Auch das Schließgräusch der Türen soll dem der Vorgänger ähneln. Am Heck kommen LED-Rückleuchten zum Einsatz. Das Reserverad ist immer noch an der Heckklappe montiert, nur die Rückfahrtkamera wandert nun nach unterhalb des Reifens. In Sachen Assistenzsysteme kommt die neue G-Klasse endlich im Hier und Jetzt an und übernimmt Features aus der E- und S-Klasse.

Neue SUVs: Oberklasse (bis 2022)

Noch besser auf schlechter Strecke

Gebaut wird der G wieder bei Magna in Graz (Österreich). Die wichtigste Teststrecke ist der Schöckl. Jede G-Klasse musste sich hier seit Markteinführung beweisen. Auch wenn der G bei einem Großteil seiner Kundschaft nur Strecken mit Fahrbahnmakierungen zu Gesicht bekommt, ist er noch immer ein Geländewagen. Um diesen Spagat zwischen Alltagsnutzen und Offroadleistungen zu schaffen, holten sich die Entwickler Hilfe bei AMG. In Zusammenarbeit mit der Sportwagenschmiede entwickelten die Ingenieure ein neues Fahrwerk, das vorne aus einer Einzelradaufhängung mit Doppelquerlenker und hinten aus einer klassischen Starrachse besteht. Der Leiterrahmen bleibt. Um die Bodenfreiheit zu erhöhen, wurden die Achsen höher gelegt. Unterhalb des vorderen Achsgetriebes beträgt sie nun 270 Millimeter, zwischen den Achsen sind es 241 Millimeter. Muss es mal durch einen Fluss gehen, hilft die größere Wattiefe von 70 Zentimeter (Vorgänger: 60 cm). Die drei Differenzialsperren bleiben erhalten.

Innenraum: Limousinen-Ambiente im Urgetüm

Die Schalter für die drei Sperren des G bleiben am gewohnten Platz. G-Fans sollen sich sofort zurechtfinden.

AUTO BILD hat die Sitzprobe in der neuen G-Klasse gemacht. Der neue G erhält ein völlig neues Armaturenbrett, das die Front des Geländewagens optisch in den Innenraum überträgt. Die äußeren Lüftungsdüsen stellen dabei die Scheinwerfer da. Sie sind wie beim CLS in der neuen Turbinenoptik ausgeführt. Alles ist sehr wertig verarbeitet und macht durch die Verwendung von Metall einen edlen Eindruck. Auf der Cockpitabdeckung thronen zwei der serienmäßig sieben Lautsprecher. Sie sollen die markanten quaderförmigen Blinker symbolisieren. Ein Merkmal, das in keiner G-Klasse fehlen darf: der Haltegriff für den Beifahrer! Er ist weniger klobig als noch beim Vorgänger. Auch die Taster für die Betätigung der Differenzialsperren befindet sich am gewohnten Platz. G-Fahrer finden sich auch in der Neuauflage sofort zurecht. Völlig neu ist dagegen das Multifuntionslenkrad. Es erhält dieselbe Funktionalität wie die S-Klasse, natürlich gegen Aufpreis. Auch das optionale "Widescreen-Cockpit" (serienmäßig gibt es analoge Rundinstrumente) ist aus der E- und S-Klasse sowie dem neuen CLS bekannt. Es beinhaltet zwei 12,3-Zoll-Displays unter einem gemeinsamen Deckglas. Die Benutzeroberfläche lässt sich in drei verschiedenen Stilen anzeigen (Classic, Sport und Progressive). Die Bedienung erfolgt wie bei anderen Mercedes-Modellen. Vor dem Controller ist nun außerdem viel Platz: Denn der Gangwahlhebel wandert nun auch beim G ans Lenkrad. Bereits in der Basis sind die Dekore aus offenporigem Holz. Ansonsten lassen sich auch noch verschiedene Aluminium- und Carbon-Optiken bestellen.

Mercedes bläst den Geländewagen innen etwas auf, was vor allem für ein verbessertes Raumgefühl sorgt. Auf dem Papier stehen 38 Millimeter mehr Schulterraum vorne, 27 Millimeter hinten. Auch der Ellbogenraum ist gewachsen. Vorne haben die Arme ganze 68 Millimeter mehr Platz, hinten sind es 56 Millimeter. Fondpassagiere dürfen sich über 150 Millimeter mehr Beinfreiheit freuen. Vorne wächst der Raum für die Füße um 38 Millimeter. Der geschaffene Raum ist auch deutlich zu spüren. Vorne eckt man nicht mehr mit den Armen an und hinten wird der Einstieg spürbar erleichtert. Serie sind die Sitze mit Memoryfunktion, Komfortkopfstützen und Sitzheizung für vorne und hinten. Optional gibt es auch das "Aktiv-Multikontursitz-Paket" mit Massagefunktion, Sitzklimatisierung, einer leistungsstärkeren Sitzheizung sowie Seitenwangen, die per Luftkammern den Passagier im Sitz fixieren.

Detroit Auto Show (NAIAS) 2018

Fahren: Mitfahrt im Prototyp

Der Prototyp erreichte im Gelände bis zu 60 km/h.

AUTO BILD ist schon in einem Prototyp der neuen Mercedes G-Klasse mitgefahren! Wir befinden uns im Grazer Bergland (Österreich), über uns der Gipfel des Schöckl-Bergs. Gestartet wird im "High Range"-Modus, der für die normale Fahrt auf der Straße ausgelegt ist. Nach einer kurzen Passage auf der Forststraße biegen wir auf die eigentliche Teststrecke ab. Kurz anhalten, den "Low Range"-Modus einlegen. Jetzt arbeitet das Verteilergetriebe mit einem Übersetzungsverhältnis von 1:2,93. Zusätzlich zur veränderten Übersetzung wechselt das Fahrzeug automatisch in den "G-Mode", Lenkübersetzung und Gaspedalkennlinie verändern sich und ermöglichen dadurch präzises Manövrieren abseits der Straße. Damit lässt sich der G entspannt den rauen Schöckl nach unten bewegen. Einen Großteil der teils steilen Passagen meistert der Gelände-Benz lediglich mit aktivierter Mittel-Differenzialsperre, die vordere und hintere kommen nur selten zum Einsatz. Dank der Übersetzung ist auch das Anfahren auf einem Felsvorsprung mit 41-prozentiger Steigung kein Problem, laut Mercedes wären sogar 100 Prozent möglich. Die neu entwickelte Einzelradaufhängung an der Vorderachse macht den G gefühlt weniger anfällig für Wankbewegungen – das Fahrwerk entstand in Zusammenarbeit mit AMG. Auch holprige Streckenabschnitte führen zu weniger Strapazen für den Magen. Hinten bleibt die bekannte Starrachse erhalten. Mercedes hat sie allerdings überarbeitet, die Achse wird von nun von vier Längsträgern auf jeder Seite und einem Panhardstab geführt. Selbst das Vorserienmodell ist offenbar schon gut verarbeitet, während der Fahrt knarzt nichts und es gibt keine Geräusche, die untypisch wären. Aber die G-Klasse kann nicht nur gemäßigt über die Piste fahren. Wer wissen will, was der Mercedes wirklich kann, der muss bei Erwin Wonisch einsteigen. Der Fahrwerk-Chefentwickler und Testfahrer ist seit Markteinführung der G-Klasse dabei und kennt jeden Stein auf dem Schöckl. Mit ihm am Steuer wird die holprige und steile Abfahrt zur Rennstrecke. Auf einfacheren Passagen standen bis zu 60 km/h auf dem Tacho, problematischere Abschnitte meisterte die G-Klasse zum Teil mit 30 km/h.

Ausstattung: Neue Ablagen, bis zu 16 Lautsprecher

Erstmals erhält die G-Klasse serienmäßig eine Zahnstangenlenkung, die elektromechanisch betätigt wird. Sie ermöglicht es nun, Assistenzsystemen wie dem "Park-Assistent" in den Lenkprozess einzugreifen und den G automatisch einzuparken. Die Lenkung reagier nach drei Kennlinien (Comfort, Sport und Offroad) und soll sich somit jeder Fahrsituation anpassen. Passend dazu lassen sich bis zu fünf Fahrmodi über "Dynamic Select" auswählen. Serienmäßig werden die Insassen der neuen G-Klasse über sieben Lautsprecher beschallt. Wer Wert auf eine ausgefeilte Raumakustik legt, ordert das optionale "Burmester-Surround-Soundsystem" mit 16 Boxen und einem 590 Watt-Verstärker. Hier findet sich sogar ein Centre-Lautsprecher oberhalb des Innenspiegels um vollwertigen Sourround-Sound zu ermöglichen. Für die Innenraumgestaltung sind "designo manufaktur"-Elemente schon serienmäßig enthalten. Aufpreispflichtig sind die Ausstattungslinien "Exklusiv-Interieur" und "Exklusiv-Interieur Plus". Ersteres bietet sieben Farben zur Gestaltung an. Drei davon sind Nappa-Leder-Kombinationen in Schwarz und "Platinweiß", "Yachtblau" oder "Classicrot". Der Dachhimmel ist mit schwarzem Dynamica-Mikrofaser-Stoff bezogen. Die Top-Aussattung "Exklusiv-Interieur Plus" bringt noch mehr Leder in den G. Hier lassen sich auch Türverkleidungen, Teile der Mittelkonsole sowie des Armaturenbretts in Nappa bestellen. Neben einer Rautensteppung auf den Sitzen bietet Mercedes noch weitere Farben und einen hellen Dachhimmel an. Alle drei Ausstattungslinien sind mit der sportlichen "AMG-Line" kombinierbar. Hier kommen zu den Features der jeweiligen Ausstattung noch zusätzlich rote Gurte, Ziernähte und ein abgeflachtes Sportlenkrad in den Innenraum.

Neue Mercedes (2018, 2019, 2020, 2021 und 2022)

Mercedes EQS Illustration Mercedes EQGLE Illustration Mercedes EQE Illustration

Connectivity: Technik aus E- und S-Klasse

Die Connectivity-Features erhält der G aus E- und S-Klasse. Auch die Touchknöpfe am Multifunktionslenkrad übernimmt der Offroader von seinen Kollegen. Alternativ lässt sich das "Comand Online System" auch per neuentwickeltem Touchpad mit haptischen Impulsen und Controller in der Mittelkonsole oder per Sprachsteuerung (Linguatronic) bedienen. Wie es sich gehört, sind Apple CarPlay und Android Auto gegen Aufpreis mit an Bord. Auch ein WLAN-Hotspot, induktives Laden, Live-Verkehrsinformationen und der in der E-Klasse erstmals vorgestellte Concierge-Service sind für die G-Klasse erhältlich.

Motoren und Preis: Starke S-Klasse-Motoren im G

Auch der neue G fühlt sich im Gelände wohl. Der Motor leistet 422 PS und 610 Nm Drehmoment um durch den Sand zu wühlen.

Zum Marktstart wird es die G-Klasse nur als G 500 geben. An der Motorisierung ändert sich nichts. Weiterhin wird das G mit dem seit 2015 erhältlichen Vierliter-V8-Biturbo aus dem Hause AMG angetrieben. Der Motor leistet 422 PS und 610 Nm Drehmoment. Aus der S-Klasse wandert das neunstufige "9G-Tronic"-Automatikgetriebe in die Gelände-Ikone, für den G wurde die Software aber individuell abgestimmt. Es ersetzt das bisherige siebenstufige "7G-Tronic"-Getriebe. Später werden noch andere Motorisierungen folgen. Welche genau, das verrät Mercerdes aber noch nicht. AUTO BILD vermutet eine ähnliche Motorisierung wie bei der S-Klasse. Damit wäre unter anderem der neue Reihensechszylinder M 256 gesetzt. Auch ein Plug-in-Hybrid ist denkbar. Topmodell bleibt zwar der G 65 V12 mit 630 PS, doch die meisten AMG-Kunden dürften sich mit dem 612 PS starken V8 im G 63 begnügen. Ab Mai 2018 soll der neue G beim Händler stehen. Preislich bewegt er sich auf dem Niveau des Vorgängers und ist nur ein paar Hundert Euro teurer geworden. Für den G 500 ruft Mercedes in der Basis 107.040 Euro auf. Zum Vergleich: Der Vorgänger war für 106.701 Euro zu haben, allerdings nur mit Siebengang-Automatik.

Mercedes G-Klasse W464 (2018): Vorstellung, Test

Technische Daten: Anfangs nur als G 500

Mercedes G 500 • V8-Benziner • Hubraum: 3982 ccm • Leistung: 310 kW (422 PS) • max. Drehmoment: 610 Nm von 2000 bis 4750 U/min • Verbrauch: 11,1 l/100 km • Preis: ab 107.040 Euro

Gebrauchtwagen: Mercedes G-Klasse gebraucht kaufen ab 27.000 Euro

Gute W 463 sind gebraucht ab 25.000 Euro zu haben.

Die G-Klasse W 463 wird seit 1990 angeboten. Für ein gutes Modell mit weniger als 150.000 Kilometern müssen auch bei älteren Baujahren noch mindestens 27.000 Euro gezahlt werden. An der Technik hat sich seit damals kaum etwas geändert. Militär-Versionen (Wolf) sind günstiger zu haben (ab ca. 10.000 Euro), oftmals aber in einem schlechten Zustand. Darauf sollte man achten: Ölverlust am Antriebsstrang ist ein typisches G-Leiden. Rost ist vor allem bei Fahrzeugen der Baureihe 460 (bis Baujahr 90) ein ernstes Problem. Bei hartem Geländeeinsatz leiden die Stoßdämpfer sehr stark. Einen ausführlichen Gebrauchtwagentest zur G-Klasse finden Sie hier.

Autor: Andreas Huber

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