Kleine Power-SUVs im Vergleich

Mini Countryman Nissan Juke Nissan Juke

Mini Countryman Cooper S/Nissan Juke Nismo RS: Test

— 24.02.2017

Wer ballert sich in unsere Herzen?

Kleine SUVs mit Charme, Allradantrieb und richtig Schmackes. Der nagelneue Mini Cooper S Countryman trifft auf den Nissan Juke Nismo RS.

Raten Sie mal, wen wir hier meinen: 4,30 Meter lang, über 1,6 Tonnen schwer, mit Allradantrieb, Achtstufenautomatik und Platz für die ganze Familie? Kommen Sie nie drauf. Es ist der neue Mini Cooper S Countryman All4. Mini ist da wirklich nur der Name. Willkommen im postfaktischen Zeitalter, denn beim Countryman handelt es sich um ein gestandenes SUV auf der Bodengruppe des BMW X1. Der 192 PS starke und mindestens 31.900 Euro teure Maxi-Mini trifft auf den mittlerweile sieben Jahre alten Nissan Juke, hier in der Topversion 1.6 DIG-T Nismo RS. Der ist 13 Zentimeter kürzer, wiegt 170 Kilo weniger, bietet aber 22 PS mehr. Sprechen die Fakten am Ende etwa für den schrägen Juke?

Der Countryman bleibt auch als Cooper S optisch zurückhaltend

Video: Fahrbericht Mini Countryman (2017)

Neues Mini-SUV

Für viele ist die Optik Kaufgrund Nummer eins. Stellt man beide nebeneinander, wirkt der komplett neue Mini Countryman fast schon konservativ. Er sieht aus wie jeder Retro-Mini seit 2001 – nur eben etwas mehr aufgeblasen und fünftürig. Der Juke wirkt immer noch rotzfrech und frisch – vor allem als Nismo RS mit sportlichem Karosserie-Kit. Doch Design ist Geschmackssache. Werden wir konkret. Eine der größten Überraschungen des Cooper Countryman finden wir hinten auf der Rücksitzbank: Platz in alle Richtungen. So luftig und kommod saß es sich in keinem Mini zuvor. Mini? Nichts da, dieses SUV ist absolut familientauglich. Und Kinder sitzen vielleicht auch gern hinten, denn neben Platz erwartet den Nachwuchs Action wie beim Karussell auf der Kirmes, wenn Vati auf kurvigen Landstraßen aufs Gas tritt. Auf der völlig haltlosen Rücksitzbank rutschen Fondpassagiere dann hin und her wie im Musikexpress. Vorn hingegen passen die im Cooper S Countryman serienmäßigen Sportsitze perfekt, sie bieten auch bei fliegender Fahrt sicheren Halt.
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Beschleunigen im Juke erinnert an ein startendes Sportflugzeug

Hier tobt das Leben: Wer den Juke von der Leine lässt, erlebt eine ganz besondere Form von Fahrspaß.

Fliegen lässt es sich auch im Juke, nur anders und vor allem vorn auf dem Fahrersitz. Und das geht so: Fahren Sie mit dem Nismo auf eine vollkommen leere Straße, die schnurgerade im Horizont endet. Am besten ein ausgemustertes Flugfeld. Und dann geben Sie Gas, bis der rechte Fuß in der Ölwanne steht. Der Motor beginnt laut zu kreischen und hört damit auch nicht mehr auf, eine Eigenheit des stufenlosen CVT-Getriebes. Die straffe Federung teilt zwar keine üblen Schläge aus, doch der Fahrer spürt, was auf der Straße los ist. Der Schub ist beachtlich, der Horizont kommt stetig näher, während die Gepäckraumabdeckung aus Pappe mit dem Handschuhfachdeckel um die Wette klappert. Ja, in dieser blechernen Bude tobt das Leben! Das Landstraßen-Beschleunigungsszenario erinnert an ein startendes Sportflugzeug. Mit dem Unterschied, dass weder Fahrer noch Fahrzeug abheben. Die 1500 Euro teuren Recaro-Schalensitze umschließen den Körper noch fester als die Mini-Sitze, im Nissan verschmelzen Mensch und Maschine.
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Der Nismo RS lenkt gierig ein, die leichtgängige Lenkung baut einen direkten Draht zur Fahrbahn auf, dank variabler Drehmomentverteilung (Torque Vectoring) an der Hinterachse beschleunigt der Bonsai-SUV herrlich stabil aus Kurven heraus. Im Slalom ist der Juke sogar schneller als der Mini.

Für den Mini spricht das um Längen bessere Getriebe

Nach Punkten vorne: Mit den besseren Bremsen und der großartigen Automatik schlägt der Mini den Juke.

Moment mal, denken Sie, Fahrdynamik war doch stets das große Mini-Thema. Und ja, nach Punkten ist der Cooper Countryman dem Juke auch überlegen: Der Mini bremst etwas besser, sein größter Vorteil ist aber das großartig abgestimmte Achtstufen-Automatikgetriebe von Aisin. Es reagiert extrem feinfühlig auf Gaspedalbefehle, stets liegt die passende Fahrstufe parat. Dagegen wirkt die stufenlose CVT-Automatik im Juke etwas lähmend, vor allem bei höheren Autobahntempi ab 160 km/h. Aber: Die üppige Leistung von 214 PS gleicht den getriebetypischen Gummibandeffekt beinah aus. Wenn schon CVT, dann so wie im Nismo RS. Sinnfrei fanden wir jedoch die im Sportmodus imitierten acht Fahrstufen und die fest stehenden Schaltpaddles hinter dem Lenkrad. Akustisch sind die Unterschiede gering: Während der Mini unter Last mit einem synthetisch erzeugten, bemüht klingenden GTI-Getöse unnötig nervt, klingt der rotzige Juke beim Beschleunigen ehrlich mechanisch. Streichelt man bei beiden das Gas und lässt sie rollen, bleiben sie akustisch zurückhaltend.

Den Altersunterschied von sieben Jahren spürt man deutlich

Zwei ganz unterschiedliche Typen: Das reifere Auto ist der Countryman, der Juke hat aber mehr Charakter.

Das war es jedoch mit den Gemeinsamkeiten. Man merkt dem Countryman deutlich an, dass er das modernere, größere und souveränere Auto ist. Er federt geschmeidiger, seine Karosserie ist verwindungssteifer, er bietet erheblich mehr Platz und ist im Gegensatz zum Juke familientauglich. Bei der Verarbeitungs- und Materialqualität fällt der Unterschied zwischen den beiden riesig aus – fein und fest beim Mini, grob und wüst gemixt im Nissan. Der Altersunterschied von sieben Jahren ist vor allem im Juke-Cockpit zu spüren: verstreut platzierte Schalter, Klimaregler ohne Rastungen, zu kleine Bildschirme mit einer Grafik wie in den frühen 90er-Jahren. Nach Punkten hat der Power-Juke keine Chance gegen den ausgewogenen Countryman. Doch so ein Charakter-Auto wie den Juke Nismo RS baut sonst niemand: ein Mini-SUV mit eigentlich nur zwei Sitzen, dem Gesichtsausdruck eines zornigen Keilers, 214 PS und stufenloser Automatik. Sinn ergibt das nicht. Macht aber verdammt viel Spaß. So gewinnt das Japan-SUV zumindest unser Herz.
Fahrzeugdaten Mini Nissan
Modell Cooper S Countryman All4 Autom. Juke 1.6 All-Mode 4x4i Xtronic Nismo RS
Motor Vierzylinder, Turbo Vierzylinder, Turbo
Einbaulage vorn quer vorn quer
Ventile/Nockenwellen 4 pro Zylinder/2 4 pro Zylinder/2
Nockenwellenantrieb Kette Kette
Hubraum 1998 cm³ 1618 cm³
kW (PS) bei 1/min 141 (192)/5000 157 (214)/6000
Nm bei 1/min 280/1350 250/2400
Vmax 222 km/h 200 km/h
Getriebe Achtstufen-Automatikgetriebe stufenloses CVT-Automatikgetriebe
Antrieb Allradantrieb Allradantrieb
Bremsen vorn/hinten Scheiben/Scheiben Scheiben/Scheiben
Testwagenbereifung 225/50 R 18 W 225/45 R 18 Y
Reifentyp Pirelli PZero Continental SportContact XL
Radgröße 7,5 x 18" 7,0 x 18"
Abgas CO2 146 g/km 172 g/km
Verbrauch* 7,8/5,6/6,4 l 9,5/6,1/7,3 l
Testverbrauch
Sportverbrauch** 11,6 l/100 km 15,3 l/100 km
Testrunde*** 8,3 l/100 km 10,0 l/100 km
Sparverbrauch**** 6,3 l/100 km 7,1 l/100 km
Tankinhalt 51 l/Super 50 l/Super plus
Kältemittel R1234yf R134a
Vorbeifahrgeräusch 67 dB(A) 73 dB(A)
Anhängelast gebr./ungebr. 1800/750 kg 1150/734 kg
Kofferraumvolumen 450–1390 l 207-506 l
Länge/Breite/Höhe 4299/1822–1990/1557 mm 4165/1770–1977/1565 mm
Testwagenpreis 40.330 Euro 34.285 Euro
* innerorts/außerorts/gesamt auf 100 km (Herstellerangabe); ** 54 km Autobahn, davon 20 km Vollgas; *** Durchschnitt der 155-km-Testrunde von AUTO BILD; **** 101 km Stadt und Land mit wenig Gas
Messwerte Mini Nissan
Beschleunigung
0–50 km/h 2,6 s 2,7 s
0–100 km/h 7,3 s 7,3 s
0–130 km/h 12,2 s 11,6 s
0–160 km/h 19,6 s 18,7 s
Zwischenspurt
60–100 km/h 4,1 s 3,8 s
80–120 km/h 5,3 s 4,8 s
Leergewicht/Zuladung 1633/487 kg 1464/416 kg
Gewichtsverteilung vorn/hinten 58/42 % 60/40 %
Wendekreis links/rechts 11,4/11,4 m 11,4/11,4 m
Bremsweg
aus 100 km/h kalt 36,9 m 37,9 m
aus 100 km/h warm 36,0 m 37,1 m
Innengeräusch
bei 50 km/h 59 dB(A) 60 dB(A)
bei 100 km/h 66 dB(A) 68 dB(A)
bei 130 km/h 70 dB(A) 72 dB(A)
Testverbrauch – Abgas CO2 8,3 l S – 196 g/km 10,0 l SP

Mini Cooper S Countryman im ersten Vergleich

Der vollständige Artikel ist ab sofort im unserem Online-Artikelarchiv erhältlich. Hier können Sie das Original-Heft-Layout als PDF-Dokument downloaden. Der Artikel handelt von folgenden Modellen: Nissan Juke 1.6 DIG-T Nismo RS 4x4 und Mini Cooper S Countrymann All4 (Vergleichstest).

Veröffentlicht:

10.02.2017

Preis:

1,00 €


Lars Busemann

Lars Busemann

Fazit

Nur auf den ersten Blick mögen Cooper S Countryman und Juke Nismo RS ähnliche Autos sein. Der große Mini ist ein perfektioniertes, familientaugliches SUV geworden, das reichlich Punkte sammelt. Der viel kleinere Nissan ist ein agiler Kurvenkratzer für zwei, mit seiner schrägen Optik und dem gewöhnungsbedürftigen CVT-Getriebe in jeder Hinsicht außergewöhnlich. Punkte holt er so nicht unbedingt – dafür erobert er aber locker unsere Herzen.

Autoren: Lars Busemann, Manfred Klangwald

Stichworte:

SUV

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