Neuartiger US-Crashtest

US-Crashtest: Mercedes C-Klasse gegen Smart Fortwo US-Crashtest: Mercedes C-Klasse gegen Smart Fortwo

Neuartiger US-Crashtest

— 28.04.2009

Kopf an Kopf

Das Maß aller Crashtests war bisher eine Standard-Barriere. In den USA hat man nun Autos verschiedener Größen kollidieren lassen. Das Ergebnis sah für die kleineren schlecht aus.

Zwischen ungleichen Paaren kracht's besonders gemein: Jedenfalls, wenn es nach den Ingenieuren des amerikanischen "Insurance Institute of Highway Safety" (IIHS) geht. Das Institut, vergleichbar mit der deutschen "Unfallforschung der Versicherer" (UdV), hat einen bemerkenswerten Crashtest durchgeführt: Anstatt wie allgemein üblich Neuwagen an eine Barriere zu schubsen, haben die Amerikaner bewusst quer gedacht – und Auto gegen Auto krachen lassen. Die unschönen Ergebnisse bestätigen das Argument, das Besitzer großer Autos gern zu Felde führen, wirft man ihnen den Spritdurst ihrer Monstren vor: Große Autos sind sicherer als kleine, und zwar schon aufgrund ihrer Größe und ihres Gewichts. Kollidiert ein Zwerg mit einem Mittelklassewagen, geht die Beziehungskiste stets zu Lasten des Schwächeren aus – wie im wirklichen Leben, möchte man fast meinen.

Gnadenlos: Mercedes C-Klasse zerlegt Smart fortwo

Harter Schlag: Nach dem Bums gegen die C-Klasse sieht der Smart miserabel aus.

Besonders delikat: Die US-Unfallforscher vom IIHS haben sich einen Spaß daraus gemacht, Paarungen jeweils innerhalb der Familie eines Konzerns zu arrangieren. So frisst der Honda Accord ohne Gnade den kleineren Jazz (in den USA heißt er Fit), der Toyota Camry macht sich über den Yaris her, und der Smart fortwo zerschellt an der unerbittlichen Front der C-Klasse von Mercedes. Nicht gerade politisch korrekt, aber mitunter realistischer als die Barriere, die aus Gründen der Gleichmacherei benutzt wird. Im vergangenen Jahr hat bereits der ADAC in kleinem Rahmen einen Mini mit einem SUV zusammengestoßen, mit einem ähnlichen Ergebnis.

Kleine Autos schützen Insassen nicht so gut wie größere

Beim Crash mit dem Accord lässt der Honda Jazz gewaltig Federn.

Das amerikanische IIHS ging nun methodisch vor: Es klatschte je zwei Fahrzeuge zusammen, die jeweils gute Ergebnisse beim Front-Crash haben und vom gleichen Hersteller konstruiert wurden. Die Tests, die mit etwa 55 km/h (40 Meilen) durchgeführt wurden, haben keinerlei Aussagekraft darüber, ob ein Kleinwagen stabiler ist als der andere – hierfür eignen sich die Vergleichs-Crashs, die unter standardisierten Bedingungen stattfinden. Die Resultate hingegen sagen einiges aus über die Konsequenzen, die Fahrzeuggröße und -gewicht auf die Sicherheit haben. Überraschen dürfen sie uns nicht: Sie folgen lediglich den Gesetzen der Physik. Bei einer Kollision wirken gleiche Kräfte auf beide Autos, doch sie wirken stärker auf das leichtere, kleinere von beiden. So viel ist also sicher: Kleine Autos können ihre Insassen generell nicht so gut schützen wie größere, schwerere Modelle.

"Es gibt gute Gründe, ein Kleinstauto zu kaufen; zum Beispiel sind sie günstiger und sparsamer – doch in der Sicherheit gibt es Nachteile", sagt David Zuby, Vizepräsident des Instituts. Klassische Crash-Test-Werte seien nur beim Vergleich mit gleichgroßen Konkurrenten relevant, warnt er. Absichtlich wurden für die Konfrontation nur Mittelklasse-Autos gewählt – mit SUV oder Oberklassewagen dürften die Ergebnisse noch um Einiges unschöner ausfallen. Auch die US-Unfallstatistik bestätigt das Resultat: 2007 betrug die Todesrate bei Einzelunfällen von bis zu drei Jahre alten Kleinstwagen 35 zu einer Million.

Der Toyota Yaris gab beim Rempler mit dem großen Bruder Camry ziemlich nach.

Bei Mittelklasseautos lag sie mit elf rund zwei Drittel niedriger. Folgerung des IIHS: Indem die US-Regierung (so wie andere Regierungen, auch die deutsche) kleine Autos fördert, gefährdet sie die Verkehrssicherheit. So weist das Institut nach, dass die Spritspar-Vorgaben in den USA seit 1975 einseitig zu einer Gewichtsreduktion der Autos geführt hätten, die letztendlich unsicherer geworden sind. Nach Studien habe sich die Todesrate seitdem um 23 Prozent erhöht. Noch deutlicher: Allein 1993 hätte es deswegen zwischen 1300 und 2600 zusätzlicher Todesopfer bei Autounfällen in Amerika gegeben.

Autor: Roland Wildberg

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