Nissan Juke Nismo: Fahrbericht

— 01.02.2013

Bolide ohne Biss

Nissan gönnt dem Juke mit Hilfe von Haustuner Nismo zehn PS mehr. Dass der Japaner dadurch nicht zum echten Sportler wird, das zeigt der erste Fahrbericht.



Was ist denn nur in die Nissan-Ingenieure gefahren? Über ein Jahr lang trommeln sie nun schon für den Europa-Start ihrer Tuningtochter Nismo, bauen den faszinierenden Rennwagen Deltawing, zwängen den GTR-Motor in den Juke, machen den Leaf zum Rundstreckenrenner und zeigen aller Welt, wie viel Lust sie an der Leistung haben. Und dann so etwas! Denn wenn die Japaner Mitte Februar mit der Nismo-Version des Juke jetzt endlich ernst machen, werden sich Kunden und Konkurrenz ein Lachen nicht verkneifen können: Gerade einmal zehn PS mehr Leistung und ein bisschen Schminke sollen reichen, um gegen die John Cooper Works-Modelle von Mini oder den Citroën DS3 Racing anzutreten. Zwar liegt der Nismo-Aufschlag dafür auch nur bei rund 2300 Euro, so dass es den vermeintlich scharfen Japaner schon ab 26.400 Euro gibt. Doch ist er in dieser Konfiguration mehr Sondermodell als Sportwagen und verwässert damit gleich zum Start eine Marke, die bei den wenigen Fans in Europa für viel mehr Feuer steht.

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Das Heck ziert ein größerer Spoiler und ein dickes Endrohr.

Dabei fährt der Juke Nismo nicht schlecht. Wer so sanft mit dem Gas spielt, dass ihm die nervöse Stabilitätskontrolle nicht gleich wieder alle Kraft raubt, erlebt den Juke deshalb als quirligen Stadtflitzer und Kurvenräuber. Er ist relativ stramm und trotzdem noch angenehm komfortabel abgestimmt, geht knackig um die Ecken, und jenseits von 3000 Touren macht der Turbo dem 1,6-Liter-Direkteinspritzer auch ordentlich Druck. Doch weil eben schon das stärkste Serienmodell auf 190 PS und 240 Nm kommt, ist der Lustgewinn vergleichsweise gering. Zumal die Ingenieure auch beim Soundtuning sehr zurückhaltend waren. Dass der Nismo unter den tiefer gezogenen Schürzen einen Sportauspuff hat und bisweilen auch mal sein Stimmchen erheben kann, hört man deshalb nur, wenn man direkt hinter dem Wagen steht. Innen dagegen gibt er den Leisetreter, der eher den Blutdruck senkt, als dass er den Puls beschleunigen würde. Daran können auch die Sportsitze mit Alcantara-Bezug und roten Nähten, der rot eingefärbte Drehzahlmesser und das griffige Lenkrad nicht viel ändern. Und auch das Außendesign ist nicht gerade ein Blickfang: Ein paar rote Zier- du silberne Rallyetreifen, tiefere Schürzen und eine retuschierte Front mit neuen LED-Lichtleisten müssen reichen, um Aufmerksamkeit zu erregen.

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Innen wird der Fahrer in engen Schalensitzen aus Alcantara festgezurrt.

Auch mit seinen Fahrleistungen macht der Nismo keinen großen Stich: Beim Sprint auf Tempo 100 in 7,8 Sekunden holt die Sportversion gegenüber der Serie zwar ein paar Zehntel. Aber die Höchstgeschwindigkeit ist mit 215 km/h identisch. Wenigstens gilt das dann auch für den Verbrauch, den Nissan mit 6,9 Litern angibt. Neben der Basisversion mit Frontantrieb und einer knackigen Sechsgang-Schaltung bietet Nissan den Juke Nismo für 3000 Euro mehr auch als Allradler an. Dann allerdings koppeln die Japaner den Motor auch noch mit einer stufenlosen Automatik und bremsen ihn weiter ein: Für den Sprint auf Tempo 100 braucht er deshalb 8,2 Sekunden und Schluss ist schon bei 200 km/h. Gleichzeitig steigt der Verbrauch auf 7,4 Liter.

Die nächste Variante kommt

Dieser vergleichsweise lauwarme und koffeinfreie Juke Nismo ist umso unverständlicher, weil sich die nächste Evolutionsstufe bereits abzeichnet. Denn zur Presse-Premiere des neuen Modells haben die Japaner nicht nur das erste Exemplar des 370Z Nismo mit sagenhaften 344 statt 328 PS, sondern auch zwei Prototypen einer weiteren Juke-Variante mitgebracht, die wie die RS-Varianten von Audi zum Herbst nochmal einen drauf setzen sollen. Dann kommt der 1,6-Liter-Turbo plötzlich auf 218 PS, macht ordentlich Radau und geht mit seinem seinem deutlich strammeren Fahrwerk so behände zur Sache, dass man den Leistungssprung auch spüren kann. Auf Augenhöhe mit den John-Cooper-Works-Modellen von Mini und weit genug weg von der eigenen Serienvariante, wäre dieses Auto für den Start der Tuning-Tochter die bessere Wahl gewesen. Und nachdem Nissan sich mit dem Nismo-Export jetzt fast 50 Jahre Zeit gelassen hat, hätte es auf die paar Monate nun auch nicht mehr ankommen dürfen. Dass sie mit dem kleinen Kraftmeier in der aktuellen Version nicht den ganzen großen Wurf gelandet haben, wissen die Verantwortlichen aber offenbar schon selbst. Nicht umsonst kommen in ihrer Vertriebsplanung für 2013 auf fast 13.000 Juke für Deutschland gerade einmal 210 Nismo-Modelle.

Autor: Thomas Geiger

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