Rettet VW Opel vor den Chinesen?

Opel-Zukunft

— 09.06.2011

Rettet VW jetzt Opel?

Opel-Drama und kein Ende. Hohe Verluste machen dem traditionsreichen Autobauer schwer zu schaffen; erneut droht ein Verkauf. Muss VW Opel vor den Chinesen retten?

2009 war es fast so weit. Opel sollte verkauft werden, Magna stand Gewehr bei Fu, die Vertrge galten als unterschriftsreif. Doch in letzter Minute sprang die US-Regierung in die Bresche und rettete GM mit einer 50-Milliarden-Dollar-Spritze vor der Pleite. Damit war vorerst auch Opel aus der Schusslinie, der Magna-Deal platzte. Nick Reilly sollte den europischen Verlustbringer in die schwarzen Zahlen zurckfhren. Doch dieses Ziel hat der Waliser verfehlt. Schlimmer noch: Opel fuhr sich in der Minuszone fest, schrieb im ersten Quartal 2011 bereits 263 Millionen Euro in den Wind. Und ein Ende ist nicht in Sicht.

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Die Entwicklung der Marktanteile beider Marken in den letzten zehn Jahren: VW im Aufwind, fr Opel geht es bergab.

Mit dieser Entwicklung will man sich in Detroit und Washington nicht lnger abfinden. Bei GM reift die Erkenntnis, dass sich an den Grnden fr den geplanten Opel-Verkauf seit 2009 nichts Grundlegendes gendert hat. Mit Chevrolet und der Korea-Connection hat der Konzern die Kompetenz fr kleine und kompakte Autos bereits erfolgreich in ein Niedriglohnland ausgelagert an Opel vorbei. Rsselsheim entwickelt zwar noch die Mittelklasse-Modelle Astra und Insignia, doch neue Trends wie den Volt und die nchste Crossover-Generation wollen die Amerikaner von Detroit aus etablieren. Whrend deutsches Knowhow kaum von einem Tag auf den anderen zu ersetzen ist, knnte die Marke Opel in Europa relativ zgig von der Marke Chevrolet abgelst werden, die auch ohne hohe Rabatte ein gnstiges Preis-Leistungs-Verhltnis bietet immer fter brigens mit nahezu identischer Opel-Technik.

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Aber wer sollte Interesse an Opel haben? Magna wird sich kaum ein zweites Mal die Finger verbrennen wollen, Daimler/Mercedes-Benz hat mit Renault-Nissan inzwischen einen Partner fr grere Stckzahlen und kleinere Autos gefunden. Aber da sind ja noch die Chinesen. In Peking wurde gerade der nchste Fnfjahresplan fr die Autoindustrie verabschiedet. Aktuell in Arbeit ist eine Langfrist-Strategie, die bis ber das Jahr 2020 hinaus den nationalen Herstellern mehr Macht und hhere Gewinne sichern soll. Das Problem der Chinesen liegt darin, dass sie ohne westliche Hilfe nicht auskommen. Marken wie Geely, BYD oder Great Wall sind bestenfalls belchelte Mitlufer auf einem immer anspruchsvolleren Weltmarkt.

Opel hat selbst als Verlustbringer einen viel besseren Namen als alle chinesischen Autobauer zusammen. Mit der deutschen Marke als Zugpferd htte die chinesische Autoindustrie Zugang zu moderner Technologie und knnte schneller wachsen. GM knnte sich mit diesem Geschft endgltig aus dem finanziellen Dilemma freikaufen und sich gleichzeitig langfristige Synergieeffekte sichern. Doch fr Opel und fr den Standort Deutschland droht die China-Lsung zur gelben Gefahr zu werden. Die Gerchte ber eine Einkaufstour der weltweit zweitgrten Wirtschaftsmacht kursieren seit etwa drei Wochen auch im Berliner Kanzleramt, von wo aus sie inzwischen Wellen schlagen. Die Frage ist, ob ein Einstieg der Chinesen bei Opel nicht als nationale Angelegenheit zu werten wre.

"Opel ist emotional": Nick Reilly im Interview mit AUTO BILD

Die Volkswagen AG ist nach GM und Toyota der drittgrte Autobauer der Welt. Unter seinem Dach fhrt der Konzern zwlf Marken.

An dieser Stelle kommt der Name Martin Winterkorn ins Spiel. Der VW-Chef und die Kanzlerin pflegen sptestens seit dem Elektromobilitts-Gipfel ein enges, von Respekt und Vertrauen geprgtes Verhltnis. VW hlt sich in der Angelegenheit bedeckt, will blo keinen aktiven Part bernehmen, nicht mit der 20-Milliarden-Euro-Cash-Reserve protzen, bestenfalls eine Beraterrolle im Hintergrund bernehmen. Es sei denn, Opel wrde pltzlich zum Politikum, und die Politik suchte einen Retter, der mit einer deutsch-deutschen Lsung den drohenden Technologie-Aderlass und den damit verbundenen Verlust von Arbeitspltzen verhindert.

Sollte VW Opel bernehmen, knnte die Studie Flextreme GT/E auf Basis des Phaeton auf den Markt kommen. Denkbarer Name: Kapitn.

VW knnte die bernahme von Opel stemmen, denn das Unternehmen hat seine Erfahrungen im Mehr-Marken-Business gemacht. Was GM nicht gelungen ist, weil die Stckzahlen fr kleine Autos und kleine Motoren vor sich hin dmpelten und weil Detroit andere Prioritten setzte, schafft Volkswagen dank seiner modularen Modellbauksten fast mhelos. Die so erzielten Spareffekte sollten eine attraktive Preisstruktur ermglichen, die Opel nach der Wiedergeburt auch ohne Rabattschleuderei wettbewerbsfhig macht. Nach nur einer Generation wren der VW-Baukasten und moderne Antriebsstrnge installiert und die Fertigung entsprechend umgestellt. Ein VW-Manager zu AUTO BILD: "Selbst der Opel Kapitn knnte als Schwestermodell des nchsten Phaeton seinen dritten Frhling erleben ..."

Htte, knnte, wrde, sollte. Zu viele Konjunktive? Offiziell dementieren Opel wie auch VW noch alles. Doch ber Rsselsheim brauen sich dunkle Unwetterwolken zusammen, und es drfte nicht mehr lange dauern, bis der Opel-Blitz einschlgt. Fragt sich nur, wo.

Informationen zum mglichen Opel-Verkauf gibt es auch bei SPIEGEL ONLINE





Autor: Georg Kacher

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