Streifenwagen-Attrappen

Polizeiauto-Attrappen

— 19.06.2013

Echter als die Polizei erlaubt?

Achtung, falsche Streifenwagen! Anwälte, Brauereien, Handwerker, Fahrschulen und Sicherheitsdienste machen mit dem Blaulicht-Design erfolgreich Werbung.

Etwas taurig war Carsten R. Hoenig schon, als seine "Wanne" nach einem Blechschaden aus der Werkstatt kam. "All die schönen Dellen – einfach wegrepariert", sagt der Berliner Strafverteidiger augenzwinkernd. Der Rest des ausgedienten "Gruppenkraftwagens" trug dagegen noch die von Hoenig so geschätzten Einsatzspuren, obendrein Blaulichtstümpfe und grün-weißes Blechkleid. Statt Polizei steht heute "Kanzlei" an den Flanken des 30 Jahre alten Oldtimers. Der auf Straf- und Motorradrecht spezialisierte Anwalt nutzt den Wagen als Werbevehikel, parkt ihn überall in Berlin. "Mandanten haben sich an das Auto erinnert, als sie einen Anwalt brauchten. Durch die Wanne habe ich spürbar mehr Mandate", so Hoenig.

LA Design Challenge 2012: Polizeiautos der Zukunft

Sicherheitsdienst Ehrl hat eine Blaulicht-Atrappe auf dem Autodach.

Auch Brauereibesitzer Jürgen Hopf aus Schönbrunn (Bayern) nutzt die Strahlkraft polizeilicher Attribute. Erst auf den zweiten Blick entpuppt sich sein Dienstwagen als ziviler Passat. "Menschen schnallen sich urplötzlich an, werden langsamer, gehen auf Abstand", berichtet der Bierbrauer über seine Erlebnisse. Viermal hat ihn die Polizei bereits angehalten – aus reiner Neugier. Denn fehlen Blaulichter und Reflektorfolie, hat die Staatsmacht keine Handhabe. "Die wollten nur gucken", ist sich Hopf sicher, der schon mal mit einem angeblich nackt gebrauten Erotikbier auf sich aufmerksam machte. Auch sein neuester PR-Coup scheint aufzugehen: Fernsehen und Lokalpresse berichteten.

Ähnlich hohe Aufmerksamkeitswerte erzielen ein Fahrlehrer aus Hamburg mit seiner "Fahrschule 110"  und ein Polsterer aus Düsseldorf, der seinen Skoda Octavia blau-silber lackierte und mit "Polsterei" statt "Polizei" beschriftete. Sollten die nachgemachten Streifenwagen zum Trend werden, befürchtet GdP-Chef Oliver Malchow, "dass die Erkennbarkeit der Polizei verblasst. Für uns ist es wichtig, dass Polizei auch als solche erkannt wird".

Blaulichtmilieu: Oldtimer der Polizei

BMW Isetta 250 Lada 2103 Mercedes-Benz W 126

Oliver Malchow: "Der Bürger muss sicher und schnell unterscheiden können, wo Polizei wirklich drinsteckt."

Auch Sicherheitsdienste spielen gern Polizei. In München nutzt eine Firma – völlig legal – Blaulicht-Attrappen. Malchow: "Die private Sicherheit möchte über die optische Nähe zur Polizei an Seriosität gewinnen. Vor dem Hintergrund, Gewinn erwirtschaften zu müssen, ist das nachvollziehbar. Bei allem Verständnis dafür muss der Bürger aber sicher und schnell unterscheiden können, wo Polizei wirklich drinsteckt." Auch Privatleute machen gern in Blau. Ein Sachse stattete seinen VW Bus mit dem Kunstwort "Pozilei" und der Klarstellung "Bullen sind Rindviecher" aus. Die echte Polizei nahm’s zur Kenntnis – und mit Humor.

Autor: Claudius Maintz

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