Porsche 9ff GTronic gegen Leopard 2: Vergleich

— 09.10.2012

1200 Porsche-PS gegen 1500 Panzer-PS

Supersportler gegen Panzer – darf man das? Ja, so was machen wir bei AUTO BILD. Und, nein, wir meinen das natürlich nicht bierernst, sondern sind nur zum Spaß unterwegs mit den Stärksten, die aus deutschen Fabrikhallen rollen.



Die Zeichen sind offensichtlich: geweitete Pupillen, rasender Puls, feuchte Achseln. Angst! Ja, Angst. Vor einem Auto. Und das als Journalist, der für ein Automagazin arbeitet. Aber was willst du machen, wenn dich 1200 PS aus einem getunten Sechszylinder derart anbrüllen, dass der Instinkt dir rät: Vorsicht, Stefan, der will nicht nur spielen ... Jetzt nur nicht unterkriegen lassen, obwohl der Boxer im Heck so unruhig sägt, als wolle er dir persönlich ans Leder. Seine Botschaft ist unmissverständlich: Du, lieber Fahrer, bist nicht stark genug für mich! Das wollen wir doch mal sehen. Schließlich wartet an diesem nicht ganz alltäglichen Testtag noch ein ganz anderes Kaliber auf mich. Hier in Munster auf dem größten Truppenübungsplatz der Bundeswehr bekomme ich gleich die doppelte Ration verabreicht. Angetreten zur Mission "Überflieger". Heute hören gleich die beiden stärksten Stücke Deutschlands auf mein Kommando.

Der Leo und seine Kameraden: Die stärksten Panzer der Welt

Video: Leopard 2 vs. 9ff GTronic

Extremer Test

Auf der einen Seite das vom Tuner 9ff aus Dortmund zum GTronic umgebaute Porsche 911 Turbo Cabrio. Auf der anderen der bekannteste Panzer der Welt, der Leopard 2 vom Rüstungsunternehmen Krauss-Maffei Wegmann. 1200 gegen 1500 PS. Ein weiterer Krisenherd mitten in der friedlichen Lüneburger Heide. Na, Mahlzeit! Für Fahnenflucht ist es jetzt eh zu spät. Und überhaupt, heißt es nicht immer, Angriff ist die beste Verteidigung? Also ran an die Buletten – und nicht dran denken, dass diese Superkanone von 9ff knapp 250.000 Euro kostet. Ist aber immer noch ein Schnäppchen im Vergleich zum Leo. Der kostet uns Steuerzahler rund drei Millionen.

Einer der weltweit stärksten Porsche: 9ff GTronic

9ff holt 1200 PS aus dem Porsche 911 Turbo. Das getunte Cabrio schafft bis zu 375 km/h.

Wählhebel auf D, vorsichtig Gas geben. Na, wer sagt’s denn, der heiße Elfer fährt an wie jeder x-beliebige Golf. Vielleicht ein wenig rasanter, okay, aber ähnlich unspektakulär. Bis die Drehzahlnadel auf 4000 Umdrehungen steht. Dann kannst du gar nicht so schnell Mutti sagen, wie dich das Viech in den roten Bereich treibt. Dein Kopf knallt an die Kopfstütze, die straffe Gesichtshaut wird Richtung Ohren gezogen. Die Arme werden lang und länger, die eben noch bis zum Horizont reichende Teststrecke dafür plötzlich ganz schön kurz. Ausnahmezustand! Zumal das Gerät gar nicht aufhören will zu beschleunigen. Eine kurze Schaltpause, die beiden Wastegates püstern lautstark den überflüssigen Ladedruck raus, nächster Gang – und der 9ff beamt sich weiter. Noch beeindruckender als der Spurt ist die Elastizität. Um von 100 auf 200 Sachen zu beschleunigen, reichen ihm 3,6 Sekunden.

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47,6 Liter Hubraum: Jeder einzelne Zylinder hat fast so viel Hubraum wie der gesamte Porsche-Motor.

Derweil hat es sich Kollege Robin Hornig im Leopard gemütlich gemacht. Er kennt den Laden, war Offizier der Bundeswehr. Allerdings bei der Marine. Was ihm jetzt nicht wirklich weiterhilft, denn ohne Führerschein darf er nicht ans Steuer. Der linke Ausguck muss reichen. Wirklich gemütlich ist der auch nicht. Man steht aufrecht in einem engen Loch auf rutschigen Stahlrosten. Rechts daneben der Kommandant, und irgendwo in den Tiefen des 57,3 Tonnen schweren Stahlmonsters sitzt der Fahrer. Der bringt den Zwölfzylinder jetzt in Kampfeslaune. Erstaunlich geschmeidig kommt der Kraftprotz in Schwung. Jeder einzelne Zylinder hat fast so viel Hubraum wie der gesamte Porsche-Motor. Einem Schiffsdiesel gleich lässt er nun die Erde beben. Dieselschwaden vernebeln für Sekunden die Sicht. Und uns wird klar: Kamerad Leo ist eher nicht für feinstaubbelastete Innenstädte konzipiert. Kurzes Kommando, und der Leopard fährt mit einem Ruck an, die Ketten klirren über den Asphalt, das ist nicht wirklich sein Terrain.

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Leo ist in seinem Element – der 9ff kann nur neidisch zuschauen.

Um Deutschlands stärkstes Stück ernsthaft zu fordern, muss das Raubtier in die Wildnis, ins Gelände. Hier wühlt sich Leo Steigungen hinauf, die ein Mercedes G-Modell einfach so umkippen ließen. Er marschiert durch vier Meter tiefe Gräben, als ob es kleine Pfützen wären – und falls mal eine kleine Wand im Wege steht, fährt er einfach durch. So ist er halt, unser Leo. Dafür trieft Seemann Hornig nach der ersten Wasserdurchfahrt wie ein begossener Pudel. Hat ja auch keiner behauptet, Panzerfahren sei etwas für Warmduscher. Ich mach mir im 9ff derweil mal die Sitzheizung an. Jetzt will Fotograf Sven was Spektakuläres. "Beide gaaanz dicht nebeneinander fahren", ruft er, es hört sich an wie ein Befehl. Haben wir tausendmal geübt auf der Teststrecke. Mit normalen Autos. Doch wenn neben dir Leo mit den Ketten knirscht, rasselt und hustet wie ein asthmatischer Kettenraucher, dann liegt das Lenkrad nicht wirklich ruhig in der Hand.

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Volle Kraft zurück: Leopard und 9ff GTronic beim Bremstest. Aus 50 km/h steht der Sportwagen eine ganze Wagenlänge früher – dank Keramikbremsen.

Mein Tipp an alle: Falls Sie jemals einem Leoparden in freier Wildbahn begegnen – tun Sie es mit so viel Abstand wie möglich. Panzer sollen ja viel besser bremsen als Autos. Hab' ich mal gehört. Wir probieren es aus, beschleunigen die Muskelpakete auf Tempo 50 und werfen den Anker. Der Panzer hebt sein Heck, es fliegen Gummibrocken – klar, hier müssen gut 40 Tonnen verzögert werden. Dann steht der Stahlkoloss. Allerdings eine ganze Wagenlänge später als der 9ff. Die Keramikbremsen stauchen den Elfer zusammen, als wärst du gerade gegen eine Mauer gefahren. Am Ende des 2700-PS-Tages schmerzen unsere Körper. Mein Nacken vom Beschleunigen, Kollege Hornig hat sich im Gelände ein paar blaue Flecken eingefangen. Tolle Truppe sind wir, denke ich noch auf dem Weg nach Hause. Auf so eine bescheuerte Idee kommt wirklich nur AUTO BILD.
Autor:

Stefan Voswinkel

Fazit

Deutschlands stärkste Stücke im AUTO BILD-Truppentest. Helm ab für diese beiden faszinierenden Muskelpakete. Technik vom Feinsten, made in Germany. Wer das Gefecht gewinnt, ist ja wohl klar. Der Leo macht den 9ff platt – wenn er ihn denn erwischt ...

Autoren: Stefan Voswinkel,



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