Ratgeber Winter

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25 Fragen zur Kälte

Autobatterie, Frostschutz, Winterdiesel und Kaltstart – worauf sollten Autofahrer bei extremer Kälte achten? AUTO BILD beantwortet die wichtigsten Fragen.

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Die aktuellen Temperaturen machen Autofahrern in Deutschland zu schaffen: In vielen Regionen herrschen in der Nacht und am frühen Morgen Minustemperaturen im zweistelligen Bereich. Die Folge der Kälte: erhöhtes Pannenaufkommen. Automobilclubs wie der ADAC haben bereits ihre Kapazitäten aufgestockt. Trotzdem kann es bei der Pannenhilfe zu längeren Wartezeiten kommen. Die häufigste Pannenursache ist laut ADAC eine entladene Autobatterie. Bei strengem Frost können die Akkus nicht mehr ihre volle Kapazität bereitstellen. Ist die Autobatterie zudem schon etwas älter, kann die Leistung ohnehin bereits reduziert sein. Eine schwache Batterie muss aber nicht immer gleich ausgetauscht werden. Oft reicht es auch, den Akku über Nacht mit einem Autobatterie-Ladegerät aufzuladen. Was sollten Autofahrer bei extremen Frost außerdem beachten? Hier kommen die Antworten auf viele Fragen, die uns immer wieder im Winter in der Redaktion erreichen:
1. Warum macht meine Batterie im Winter schneller schlapp?
Die Leistungsfähigkeit von Autobatterien nimmt bei tiefen Temperaturen stark ab. Das Dilemma: Gerade im Winter wird zum Motorstart besonders viel Power gebraucht. Das schaffen nur fitte Batterien.
2. Wie kann ich meine Batterie im Winter fit halten?
Eine gründliche Reinigung des Batteriegehäuses vermeidet Kriechströme, saubere Pole verringern den Übergangswiderstand zur Klemme. Auf Kurzstrecken unnötige Verbraucher wie Sitzheizung ausschalten – so bleibt genug Strom zum Laden der Batterie übrig. Müht sich die Batterie beim morgendlichen Motorstart hörbar ab, ist eine Ladung per Ladegerät empfehlenswert. Verbessert sich das Startverhalten nach der Ladung nicht, sollte die Batterie ersetzt werden. Mit einem Batteriewächter (lässt sich am Zigarettenanzünder anschließen) hat man den Batteriezustand im Blick, kann rechtzeitig nachladen.
3. Gibt es einen Erste-Hilfe-Tipp bei schlappen Batterien?
Springt der Motor aufgrund der schwachen Batterie nicht an, können Sie das Auto mit Hilfe von Überbrückungskabeln und einem weiteren Fahrzeug wieder zum Laufen bringen. Wie das funktioniert, lesen sie hier. Einfacher funktioniert die Starthilfe mit sogenannten Startboostern. Das sind kleine Hochleistungsakkus, die in eine Handtasche passen und genügend Saft für den Motorstart liefern. Doch es geht auch ohne eine weitere BatterieEine heiße Wärmflasche auf die Batterie legen, rund zehn Minuten warten, bis die Wärmflasche den die Batterie auf Temperatur gebracht hat. Die erwärmte Batterie hält deutlich mehr Power für den Motorstart bereit. Ist Selbsthilfe nicht möglich und der ADAC zu beschäftigt, bieten auch Taxiunternehmen Starthilfe als kostenpflichtigen Service an.
4. Bis zu welcher Temperatur sollte mein Kühlmittel vor Frost schützen?
Das gibt der Autohersteller vor. In der Regel liegt der Frostschutz bei minus 25 Grad Celsius. Das reicht in unseren Breitengraden. Denn selbst wenn die Temperaturen über Nacht unter minus 25 Grad fallen, braucht es länger, bis das Wasser im Kühlmittelkreislauf des Motors einfriert.
5. Wie prüfe ich den Kühlmittelanteil im Motorkühlkreislauf?
Im Zubehörhandel gibt es Frostschutzprüfer, auch Frostschutzspindel genannt. Wichtig: Der Messbereich im Prüfer muss komplett mit Kühlflüssigkeit gefüllt sein, um ein richtiges Messergebnis zu erhalten. Tipp: Fragen Sie bei Ihrer Tankstelle nach einem Leihgerät.
6. Was passiert, wenn das Kühlwasser einfriert?
Eingefrorene Motoren auf keinen Fall starten! Unter anderem sitzt die Wasserpumpe fest, Motorschaden droht. Wasserschläuche überstehen das Einfrieren unbeschadet. Für den Motor gilt: Die meisten haben Froststopfen, das gefrorene Wasser drückt diese heraus. Das Einsetzen neuer Stopfen und die Kontrolle auf weitere Beschädigungen ist ein Job für die Werkstatt.
7. Darf ich Wasser in den Kühler füllen? 
Ja, denn das Kühlmittel besteht immer aus einer Mischung aus Leitungswasser und Kühlerzusatz. Trotzdem Vorsicht: Wird zu viel Wasser eingefüllt, kann der Frostschutzgehalt unter eine kritische Grenze sinken. Besonders schnell frieren Ausgleichsbehälter ein. Grund: Wird hier Wasser nachgefüllt, dauert es deutlich länger, bis es mit dem Kühlmittel im Kühler vermischt ist. 
8. Was gibt es beim Winter-Scheibenreiniger zu beachten?
Das Mischungsverhältnis sollte Frostsicherheit bis minus 20 Grad sichern. Der Frostschutzanteil reicht in der Regel für die Temperaturen in Deutschland. Gleichzeitig sorgt das Wasser in der Reinigungsflüssigkeit für einen guten Abtransport des Schmutzes.
9. Wann friert Winterdiesel ein?
Laut Gesetzgeber muss Winterdiesel bis mindestens minus 20 Grad Celsius nutzbar sein. Die meisten Sorten schaffen minus 22 Grad, einige Dieselsorten zünden noch unter minus 32 Grad. Dennoch können bereits Temperaturen um - 10 Grad für Probleme sorgen – auch wenn sich Winterdiesel im Tank befindet, den Tankstellen ab etwa Mitte November automatisch bereitstellen. Dieselfahrer ohne Garage sollten einen möglichst wind- und kältegeschützten nächtlichen Stellplatz wählen. Springt der Diesel aufgrund von der Bildung von Paraffinpartikeln nicht mehr an, sollte das Auto in einer beheizten Garage "aufgetaut" werden. Gegebenenfalls muss der Kraftstofffilter getauscht werden. Das Einfrieren von Benzin ist übrigens nicht zu befürchten. Die Temperatur müssten dazu unter minus 45 Grad Celsius fallen.
10. Wie erleichtere ich meinem alten Diesel das Anspringen?
Bei startunwilligen Dieseln sollte das alte Motoröl gegen ein Öl mit niedriger Viskosität ersetzt werden. So wird dem Anlasser das Durchdrehen des Motors erleichtert. Wer zusätzlich verbrauchte Glühkerzen tauscht und die Autobatterie pflegt, erlebt keine bösen Überraschungen an kalten Tagen. 
11. Was ist, wenn ich mit E10 oder E85 fahre?
Ethanol gilt zwar bei tiefen Temperaturen als zündunwilliger als Benzin, die Beimischung von zehn Prozent ist aber zu gering, um für Startschwierigkeiten im Winter zu sorgen. Autos für den Betrieb mit E85 besitzen eine angepasste Kaltstartautomatik. Ohne Umbau kommt es zu Startproblemen.
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12. Wie verhält sich Autogas?
Autogasmotoren werden mit Benzin gestartet. Da der Verdampfer einzufrieren droht, muss das Kühlwasser um die 50 Grad warm sein, bis auf Autogas umgeschaltet wird. Sind die Temperaturen im Keller, kann es also einige Kilometer dauern.
13. Was ist beim Fahren mit kaltem Motor zu beachten?
Hohe Drehzahlen sollten bei kaltem Motor tabu sein. Lager und Schmierflächen sind kurz nach dem Start noch nicht optimal mit Öl versorgt, der Verschleiß ist hoch. Wer ständig Kurzstrecke fährt, sollte das Öl häufiger wechseln. Grund: Kraftstoff und Kondenswasser können sich im Motoröl sammeln und für Schäden sorgen.
14. Warum steigt der Kraftstoffverbrauch im Kaltstartbetrieb?
Das Kraftstoffgemisch wird angereichert, um zum Beispiel den Motorstart zu erleichtern oder den Katalysator schneller auf Betriebstemperatur zu bringen. Auch die Gemischbildung und damit die Verbrennung sind im kalten Motor nicht optimal. Zusätzlich ist das Motoröl zäher, setzt so dem Motor einen größeren Widerstand entgegen.

15. Warum geht mein Motor trotz Start-Stopp nicht aus?
Bei Temperaturen knapp über null Grad Celsius ist die Start-Stopp-Funktion abgeschaltet. Auch bei Batteriespannungen unter 12,4 Volt bleibt der Motor bei den meisten Autos an.

16. Darf ich bei Minusgraden in die Waschstraße?
Ja, aber bitte ein Programm mit anschließendem Trocknungsgang wählen. Wichtig ist eine Vorwäsche, um anhaftendes Eis und grobe Verschmutzungen vom Blech zu spülen. Ohne die Vorwäsche drohen Kratzer im Lack.
17. Was für eine Winterausrüstung sollte im Auto liegen?
Gerade auf längeren Fahrten und Reisen in die Berge sollten Schneeketten, Taschenlampe und warme Decken im Kofferraum liegen. Auch ein Kasten mit Ersatzlampen und Sicherungen gehört ins Handschuhfach des Autos. Wer ausreichend Frostschutzkonzentrat für das Wischwasser dabeihat, muss nicht die teuren Mittel auf den Autobahntankstellen kaufen.

18. Warum friert meine Scheibe von innen?
Eine von innen gefrorene Scheibe bedeutet, dass zu viel Feuchtigkeit ins Auto gelangt. Als Erstes sollte die Ursache behoben werden, meist sind es eingerissene Dichtungen oder ein verstopfter Innenraumfilter. Es kann aber auch sein, dass Feuchtigkeit als Schneematsch über die Schuhe ins Auto kommt. Ist der Fehler gefunden: Auto trockenlegen. Tipp: einen Raumentfeuchter aus dem Baumarkt in den Wagen stellen.

19. Woran liegt es, wenn mein Wagen nicht warm wird?
Häufig ist ein defekter Thermostat schuld. Klemmt er, fliest das Kühlwasser ständig durch den großen Kühlkreislauf und wird so einfach nicht warm.

20. Funktioniert die Klimaanlage auch im Winter?

Das kommt auf die Außentemperaturen an. Die meisten Klimaanlagen haben einen Temperaturfühler, der den Kompressorstart unter fünf Grad plus verhindert. Dadurch soll die Anlage vor Schäden durch eingefrorenes Wasser geschützt werden. Besitzer älterer Fahrzeuge sollten die Klimaanlage bei entsprechend tiefen Temperaturen gar nicht erst einschalten.

21. Was mache ich bei angefrorenen Wischern?
Auf keinem Fall mit Gewalt von der Scheibe abziehen. Die empfindlichen Wischlippen werden zerstört. Besser etwas Frostschutzmittelkonzentrat auf die Wischer kippen, kurz warten und dann die Scheibenwischer abheben. Als Vorsorgemaßnahme die Wischer über Nacht von der Scheibe abheben.

22. Darf ich die Scheiben mit kochendem Wasser abtauen?
Lieber nicht. Im kalten Glas entstehen durch das heiße Wasser gefährliche Spannungen. Bei den in modernen Autos eingeklebten Windschutzscheiben endet der Auftauversuch im schlimmsten Fall mit einem langen Riss im Glas. Viel schonender für die Windschutzscheibe ist der Einsatz eines Enteisungssprays aus dem Zubehörhandel.

23. Warum sind Eiskratzer schlecht für die Windschutzscheibe?
Beim Kratzen von Eis werden Schmutzpartikel über das Glas geschoben. Die Partikel können sehr hart sein, die Scheibe zerkratzen. Es entstehen Mikrokratzer, die Streulicht und Blendung verursachen.

24. Muss ich den Reifendruck den Temperaturen anpassen?
Nein, müssen Sie nicht. Sie sollten wie immer den Reifendruck spätestens nach 14 Tagen oder vor längeren Fahrten kontrollieren und laut Herstellerangaben einstellen.

25. Warum sollte ich nicht mit dicker Jacke fahren?
Wenn die Kleidung zu dick ist, bildet sich eine sogenannte Gurtlose. Das heißt: Der Gurt liegt nicht eng genug am Körper. Im Falle eines Unfalls kann der Gurt nicht optimal schützen, der Fahrer sogar unter dem Gurt durchrutschen. Zusätzlich wird die Bewegungsfreiheit durch zu viel Kleidung eingeschränkt. Ist der Innenraum aufgeheizt, wird es mit der dicken Jacke zu warm – das sorgt für Stress. Daher Winterjacke vor dem Einsteigen oder Losfahren ausziehen.

Stichworte:

Frostschutz

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