Ratgeber Winter

— 31.01.2012

33 Fragen zur Kälte

Damit Sie die sibirische Kälte nicht eiskalt erwischt, finden Sie hier alle Antworten auf die wichtigsten Fragen rund um den Gefrierpunkt. Der AUTO BILD-Ratgeber hilft Ihnen durch den Winter.
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1. Wie erleichtere ich meinem alten Diesel das Anspringen?
Bei startunwilligen Dieseln sollte das alte Motoröl gegen ein Öl mit niedriger Viskosität ersetzt werden. So wird dem Anlasser das Durchdrehen des Motors erleichtert. Wer zusätzlich verbrauchte Glühkerzen tauscht und die Autobatterie pflegt, erlebt keine bösen Überraschungen an kalten Tagen.

2. Was ist, wenn ich mit Pflanzenöl fahren möchte?
Wenn ein Motor nicht auf die Anwendung optimiert ist, lässt sich Salatöl bei tiefen Temperaturen nur noch zu einem sehr geringen Anteil nutzen. Das Öl wird zähflüssig und ist beim morgendlichen Kaltstart für den Selbstzünder viel zu schwer zu verbrennen.
Hier die Ergebnisse der AUTO BILD-Tests Autoheizung und Sitzheizung
3. Was ist, wenn ich mit E85 fahre?
Ethanol ist bei tiefen Temperaturen zündunwilliger als Benzin, aus diesem Grund besitzen Autos für den Betrieb mit E85 eine angepasste Kaltstartautomatik. Ohne Umbau kommt es zu Startproblemen.

4. Wie verhält sich Autogas?
Autogasmotoren werden mit Benzin gestartet. Da der Verdampfer einzufrieren droht, muss das Kühlwasser um die 50 Grad warm sein, bis auf Autogas umgeschaltet wird. Sind die Temperaturen im Keller, kann es also einige Kilometer dauern.

5. Warum steigt der Kraftstoffverbrauch im Kaltstartbetrieb?
Das Kraftstoffgemisch wird angereichert, um zum Beispiel den Motorstart zu erleichtern oder den Katalysator schneller auf Betriebstemperatur zu bringen. Auch die Gemischbildung und damit die Verbrennung sind im kalten Motor nicht optimal. Zusätzlich ist das Motoröl zäher, setzt so dem Motor einen größeren Widerstand entgegen.

6. Was ist beim Fahren mit kaltem Motor zu beachten?
Hohe Drehzahlen sollten bei kaltem Motor tabu sein. Lager und Schmierflächen sind kurz nach dem Start noch nicht optimal mit Öl versorgt, der Verschleiß ist hoch. Wer ständig Kurzstrecke fährt, sollte das Öl häufiger wechseln. Grund: Kraftstoff und Kondenswasser können sich im Motoröl sammeln und für Schäden sorgen.

7. Warum geht mein Motor trotz Start-Stopp nicht aus?
Bei Temperaturen knapp über null Grad Celsius ist die Start-Stopp-Funktion abgeschaltet. Auch bei Batteriespannungen unter 12,4 Volt bleibt der Motor bei den meisten Autos an.

8. Warum qualmt mein Auspuff trotz Partikelfilter und Kat weiß?
Der weiße Qualm besteht weder aus Feinstaub, noch ist er auf Schadstoffe zurückzuführen. Es handelt sich um Kondenswasser beziehungsweise um Wasserdampf.

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9. Bis zu welcher Temperatur sollte mein Kühlmittel vor Frost schützen?
Das gibt der Autohersteller vor. In der Regel liegt der Frostschutz bei minus 25 Grad Celsius. Das reicht in unseren Breitengraden. Denn selbst wenn die Temperaturen über Nacht unter minus 25 Grad fallen, braucht es länger, bis das Wasser im Kühlmittelkreislauf des Motors einfriert.

10. Was passiert, wenn das Kühlwasser einfriert?

Eingefrorene Motoren auf keinen Fall starten! Unter anderem sitzt die Wasserpumpe fest, Motorschaden droht. Wasserschläuche überstehen das Einfrieren unbeschadet. Für den Motor gilt: Die meisten haben Froststopfen, das gefrorene Wasser drückt diese heraus. Das Einsetzen neuer Stopfen und die Kontrolle auf weitere Beschädigungen ist ein Job für die Werkstatt.

11. Leidet mein Anlasser bei langen Startvorgängen?
Ja. Wenn der Motor nicht nach fünf Sekunden angesprungen ist, steigt der Verschleiß stark an. Deshalb möglichst nie länger starten. Anschließend mindestens 30 Sekunden bis zum nächsten Startversuch warten. Vorsicht: Neben hohem Anlasserverschleiß kann auch unverbrannter Kraftstoff in den Katalysator gelangen und die Abgasanlage dadurch beschädigen.

12. Wie viel Konzentrat brauche ich im Wischwasser?
Das Mischungsverhältnis sollte Frostsicherheit bis minus 20 Grad sichern. Der Frostschutzanteil reicht in der Regel für die Temperaturen in Deutschland. Gleichzeitig sorgt das Wasser in der Reinigungsflüssigkeit für einen guten Abtransport des Schmutzes.

13. Warum macht meine Batterie im Winter schneller schlapp?
Die Leistungsfähigkeit von Autobatterien nimmt bei tiefen Temperaturen stark ab. Das Dilemma: Gerade im Winter wird zum Motorstart besonders viel Power gebraucht. Das schaffen nur fitte Batterien.

14. Wie kann ich meine Batterie pflegen?
Eine gründliche Reinigung des Batteriegehäuses vermeidet Kriechströme, saubere Pole verringern den Übergangswiderstand zur Klemme. Auf Kurzstrecken unnötige Verbraucher wie Sitzheizung ausschalten – so bleibt genug Strom zum Laden der Batterie übrig. Mit einem Batteriewächter (lässt sich am Zigarettenanzünder anschließen) hat man den Batteriezustand im Blick, kann rechtzeitig nachladen.

15. Gibt es einen Erste-Hilfe-Tipp bei schlappen Batterien?
Ja, eine heiße Wärmflasche auf die Batterie legen, rund zehn Minuten warten, bis das warme Wasser den Stromspender auf Temperatur gebracht hat. Ergebnis: Die erwärmte Batterie hält deutlich mehr Power für den Motorstart bereit.

16. Wo liegt der Unterschied zwischen Zuheizer und Standheizung?
Der Zuheizer springt bei kaltem Motor automatisch an, um das Fahrzeug möglichst schnell auf Betriebstemperatur zu bringen. Zuheizer lassen sich nicht manuell bedienen. Eine Standheizung lässt sich nach Bedarf einschalten, zum Beispiel durch Programmierung einer Abfahrtszeit, um so schon von Fahrtbeginn an ein warmes Auto zu haben.

17. Warum sind an vielen schwedischen Parkplätzen Steckdosen?
In skandinavischen Ländern werden häufig elektrisch betriebene Vorwärmer im Auto genutzt, um den Wagen bei nordischen Temperaturen problemlos starten zu können. Dafür lässt sich über einen Stromanschluss an der Fahrzeugfront die Steckdose nutzen.

18. Spare ich mit einer Standheizung Sprit?
Wir haben Kaltstart-Versuche bei minus 15 Grad Celsius auf dem Rollenprüfstand gemacht. Durch die Vorlaufzeit der Standheizung (Verbrauch: ca. 0,6 l/h) wird etwas mehr Kraftstoff verbraucht, der Schadstoffausstoß nimmt aber ab.

19. Darf ich Wasser in den Kühler füllen?
Ja, denn das Kühlmittel besteht immer aus einer Mischung aus Leitungswasser und Kühlerzusatz. Trotzdem Vorsicht: Wird zu viel Wasser eingefüllt, kann der Frostschutzgehalt unter eine kritische Grenze sinken. Besonders schnell frieren Ausgleichsbehälter ein. Grund: Wird hier Wasser nachgefüllt, dauert es deutlich länger, bis es mit dem Kühlmittel im Kühler vermischt ist.

20. Warum friert meine Scheibe von innen?
Eine von innen gefrorene Scheibe bedeutet, dass zu viel Feuchtigkeit ins Auto gelangt. Als Erstes sollte die Ursache behoben werden, meist sind es eingerissene Dichtungen oder ein verstopfter Innenraumfilter. Es kann aber auch sein, dass Feuchtigkeit als Schneematsch über die Schuhe ins Auto kommt. Ist der Fehler gefunden: Auto trockenlegen. Tipp: einen Raumentfeuchter aus dem Baumarkt in den Wagen stellen.

21. Woran liegt es, wenn mein Wagen nicht warm wird?
Häufig ist ein defekter Thermostat schuld. Klemmt er, fliest das Kühlwasser ständig durch den großen Kühlkreislauf und wird so einfach nicht warm.

22. Funktioniert die Klimaanlage auch im Winter?

Das kommt auf die Außentemperaturen an. Die meisten Klimaanlagen haben einen Temperaturfühler, der den Kompressorstart unter fünf Grad plus verhindert. Dadurch soll die Anlage vor Schäden durch eingefrorenes Wasser geschützt werden. Besitzer älterer Fahrzeuge sollten die Klimaanlage bei entsprechend tiefen Temperaturen gar nicht erst einschalten.

23. Darf ich moderne Autos überbrücken?
Ja, auch bei modernen Autos darf bei schlapper Batterie Starthilfe gegeben werden. Um die Elektronik vor gefährlichen Spannungsspitzen zu schützen, sollten vor dem Abnehmen des Überbrückungskabels möglichst viele elektrische Verbraucher, zum Beispiel die Sitzheizung und das Gebläse, im Pannenfahrzeug eingeschaltet werden.

24. Was mache ich bei angefrorenen Wischern?

Auf keinem Fall mit Gewalt von der Scheibe abziehen. Die empfindlichen Wischlippen werden zerstört. Besser etwas Frostschutzmittelkonzentrat auf die Wischer kippen, kurz warten und dann die Scheibenwischer abheben. Als Vorsorgemaßnahme die Wischer über Nacht von der Scheibe abheben.

25. Darf ich die Scheiben mit kochendem Wasser abtauen?
Lieber nicht. Im kalten Glas entstehen durch das heiße Wasser gefährliche Spannungen. Bei den in modernen Autos eingeklebten Windschutzscheiben endet der Auftauversuch im schlimmsten Fall mit einem langen Riss im Glas. Viel schonender für die Windschutzscheibe ist der Einsatz eines Enteisungssprays aus dem Zubehörhandel.

26. Warum sind Eiskratzer schlecht für die Windschutzscheibe?
Beim Kratzen von Eis werden Schmutzpartikel über das Glas geschoben. Die Partikel können sehr hart sein, die Scheibe zerkratzen. Es entstehen Mikrokratzer, die Streulicht und Blendung verursachen.

27. Muss ich den Reifendruck den Temperaturen anpassen?
Nein, müssen Sie nicht. Sie sollten wie immer den Reifendruck spätestens nach 14 Tagen oder vor längeren Fahrten kontrollieren und laut Herstellerangaben einstellen.

28. Warum sollte ich nicht mit dicker Jacke fahren?
Wenn die Kleidung zu dick ist, bildet sich eine sogenannte Gurtlose. Das heißt: Der Gurt liegt nicht eng genug am Körper. Im Falle eines Unfalls kann der Gurt nicht optimal schützen, der Fahrer sogar unter dem Gurt durchrutschen. Zusätzlich wird die Bewegungsfreiheit durch zu viel Kleidung eingeschränkt.

29. Was ist mit Reifen-Pannensets bei tiefen Temperaturen?

Die meisten Dichtmittel werden bei tiefen Temperaturen zäh, für das Befüllen durch das Ventil braucht man extrem viel Kraft. Tipp: kurz unter die Motorhaube legen. Vorsicht: Direkt auf dem Krümmer schmilzt die Plastikflasche.

30. Hilft Spiritus im Wischwasser vor dem Einfrieren?
Ja, allerdings ist mit Spiritus die Reinigungsleistung zu schlecht. Zusätzlich hinterlässt der Alkohol bei jedem Wischen einen Blendschleier auf der Windschutzscheibe, der die Sicht beeinträchtigt. Daher empfehlen wir die Verwendung von Winterreinigern, denn die enthalten auf die kalte Jahreszeit angepasste Reinigungszusätze.

31. Wie prüfe ich den Kühlmittelanteil?

Im Zubehörhandel gibt es Frostschutzprüfer. Wichtig: Der Messbereich im Prüfer muss komplett mit Kühlflüssigkeit gefüllt sein, um ein richtiges Messergebnis zu erhalten. Tipp: Viele Tankstellen bieten die Messung kostenlos an beziehungsweise besitzen Leihgeräte.

32. Was für eine Winterausrüstung sollte im Auto liegen?
Gerade auf längeren Fahrten und Reisen in die Berge sollten Schneeketten, Taschenlampe und warme Decken im Kofferraum liegen. Auch ein Kasten mit Ersatzlampen und Sicherungen gehört ins Handschuhfach des Autos. Wer ausreichend Frostschutzkonzentrat für das Wischwasser dabeihat, muss nicht die teuren Mittel auf den Autobahntankstellen kaufen.

33. Darf ich bei Minusgraden in die Waschstraße?
Ja, aber bitte ein Programm mit anschließendem Trocknungsgang wählen. Wichtig ist eine Vorwäsche, um anhaftendes Eis und grobe Verschmutzungen vom Blech zu spülen. Ohne die Vorwäsche drohen Kratzer im Lack.
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