Roadtrip auf der Route 66

— 01.04.2008

Die Straße der Legenden

Die Route 66 ist immer für Überraschungen gut: autobild.de-Autor Boris Pieritz war mit dem amerikanischen Ur-Sportwagen auf der "Mother Road" unterwegs und erwischte die Nichte von Karl May beim Suppelöffeln in Santa Fe.



Kurvige Straßen. 5000 Kilometer über Stock und Stein. 1926, als mit der Route 66 die erste durchgehende Ost-West-Trasse eröffnet wurde, reiste so jedermann. Doch die sechziger Jahre, als die riesigen Interstates durch Anregung von Präsident Eisenhower nach deutschem Vorbild gebaut wurden, bedeuteten das Ende der kleinen, ruckeligen Ost-West-Achsen. Auch die Route 66 fiel dem Geschwindigkeitsrausch zum Opfer. Mit ihr verwaisten auch die netten Örtchen links und rechts der Straße mit den unzähligen schnuckeligen Motels, Restaurants und Tankstellen. Doch die "Mother Road" hat überlebt, feiert derzeit eine Renaissance und wird zusehends zum Pilger-Mekka für Biker und Auto-Verrückte.

Tag 1 und 2 (Illionois/Missouri)

Der Gemini Giant ist eine der Attraktionen an der 66 in Illinois. Neben dem Weltraum-Monster sieht mein Hummer richtig niedlich aus.

Der Gemini Giant ist eine der Attraktionen an der 66 in Illinois. Neben dem Weltraum-Monster sieht mein Hummer richtig niedlich aus.

Wie reist man am besten über holprige Straßen? Na klar, mit einem robusten Geländewagen. Aus gegebenem Anlass natürlich am besten "made in USA". Der erste Weg führt mich somit zum Schalter des Autovermieters Hertz am Chicagoer O'Hare Flughafen, wo ich meinen mausgrauen Hummer H2 abhole. Danach geht es zum Startpunkt der Route an der Michigan- Ecke Adams Street. Die "Windy City" macht ihrem Namen alle Ehre: Es stürmt und schneit in der Kunstmetropole am Lake Michigan. Der erste Route 66-Wegweiser ist schnell gefunden und führt mich steil nach Westen, der Sonne entgegen. An den ersten beiden Tagen auf meinem Weg nach Los Angeles lerne ich, dass der Amerikaner mit Mais panierte Wurst am Stiel (engl. "Corndog") isst und irischen Whiskey mit rutschfesten Handschuhen zu sich nimmt. Komisches Völkchen. Die Top-Sehenswürdigkeiten auf diesem Streckenabschnitt sind der Weltraum-Riese "Gemini Giant" in Wilmington und der Gateway Arch in St. Louis. Zudem lohnt ein Abstecher in die Musik-Stadt Branson am Rande der Ozark Mountains, wo täglich Country-Größen des Landes auftreten.

Tag 3 und 4 (Kansas/Oklahoma/Texas)

1974 rammten drei Künstler aus San Francisco zehn Cadillac in den texanischen Boden. Seitdem ist die Cadillac Ranch das heimliche Wahrzeichen der 66.

1974 rammten drei Künstler aus San Francisco zehn Cadillac in den texanischen Boden. Seitdem ist die Cadillac Ranch das heimliche Wahrzeichen der 66.

Durch Kansas führt die Route 66 nur auf rund 20 Kilometern. Danach folgt Oklahoma. Ein probates Mittel gegen Müdigkeit am Steuer ist hier das Zählen der Rinder auf den riesigen Weiden. Ein endloses Unterfangen. Daher erscheint es mir sinvoller, ein solches Tier zu verspeisen. Ich tue das auf Empfehlung diverser "Oklahomens" im Cattlemen's Steakhouse auf dem weltgrößten Viehmarkt, dem Stockyard District – und bereue es nicht. Weltgrößter Viehmarkt, weltbestes Filet Mignon! Fans von Oldtimern können sich in Oklahoma auch austoben. Hier verrotten am Straßenrand schätzungsweise zwei Millionen alter Autos, die sehnsüchtig auf einen neuen Besitzer warten. Im Nachbarstaat Texas das gleiche Bild: Rinder, Ölpumpen, alte Autos und nette, historische Städtchen links und rechts der Route. Aus den nostalgischen Träumerein reißt einen kurz hinter Amarillo die Cadillac Ranch. Hier durften sich 1974 drei Künstler aus San Francisco austoben und zehn Caddys in den Wüstenboden stampfen. Klasse Idee! Alkoholgenuss ist in Texas hingegen eine eher leidvolle Erfahrung: Im Boot Hill Saloon in Vega muss ich eine "Wochen-Trinker-Mitgliedschaft" (fünf Dollar) unterschreiben, um ans kühle Gersten-Gebräu zu kommen. Frechheit!

Tag 5 und 6 (New Mexico)

Nach vier landschaftlich "platten" aber dennoch beeindruckenden Tagen wirkt die Grenzüberschreitung nach New Mexico wie das Eintreffen auf einem anderen Planeten. Rote Erde, Felsen, Berge, Wälder – soweit das Auge reicht. Auch wenn Sie noch nie da waren – Sie kennen New Mexico! Fast jeder Karl-May-Roman beschreibt diesen US-Bundesstaat bis ins kleinste Detail. Und wer hat noch keinen May-Schinken gelesen!? Apropos Karl May: Beim Lunch im La Casa Sena in der wunderschönen Künstler-Stadt Santa Fe spricht mich vom Nebentisch eine Deutsche an. Wie sich später herausstellt, ist es die Nichte des berühmten Schriftstellers, die mich spontan zu ihrer abendlichen Dinner-Party einladen will. Zufälle gibt's! Leider muss ich ihr absagen, da ich sonst meinen Flieger nach Deutschland verpasse. Verdammtes Zeitmanagement!

Umweltbewusst aus dem Staub gemacht. Hier saß sie und löffelte Suppe, die Käfer fahrende Verwandte des großen Karl May.

Umweltbewusst aus dem Staub gemacht. Hier saß sie und löffelte Suppe, die Käfer fahrende Verwandte des großen Karl May.

Wie im weiteren Verlauf des Gespräch deutlich wird, ist das jedoch eine gute Entscheidung. Denn als ich mich als Journalist vorstelle und meinen Arbeitgeber autobild.de nenne, verdreht meine Gesprächspartnerin die Augen. Warum wird klar, als mein Begleiter voller Stolz verkündet, dass wir mit einem dicken Hummer und anschließend mit einem spritzigen Ford Mustang unterwegs sind. "Waaas - mit einem Hummer!? Der verbraucht doch weit über 20 Liter. Das hätten sie lieber nicht verraten sollen. Wir sind hier in Santa Fe sehr umweltbewusst. Ich fahre eine alten, sparsamen Käfer!", sagt sie empört. Danach ebbt das Gespräch recht schnell ab. Dass ihr Käfer warscheinlich nicht mal einen Katalysator hat, verkneife ich mir, zahle und verlasse "Öko Fe". Noch ein Satz zu New Mexico: Wer hier eine Übernachtung einplant, sollte das "El Rancho" in Gallup anfahren. Mit ein wenig Glück liegen Sie da im gleichen Bettchen, in dem sich einst schon die schöne Katharine Hepburn wälzte.

Tage 7 und 8 (Arizona)

Am Grand Canyon ist pures Staunen angesagt. Die riesige Schlucht begeistert. Da lasse ich sogar den schicken Mustang aus den Augen.

Am Grand Canyon ist pures Staunen angesagt. Die riesige Schlucht begeistert. Da lasse ich sogar den schicken Mustang aus den Augen.

Manuelito! Nein, das ist nicht der kleine Mexikaner-Junge, dem ich zwecks Vitamin-Zufuhr nach den ganzen Steaks, Burgern und Sandwiches eine saftige Orange abkaufe, sondern der Grenzort vor Arizona. Die Zitrusfrucht habe ich bitter nötig, denn nach der Grenze kommt Wüste. Sehr viel Wüste! Hier warten die grenzenlosen Straßen, die irgendwo am Horizont enden. Zeit, auf ein sportliches Vehikel umzusteigen. In Phoenix verabschiede ich mich vom Hummer und klettere in ein knallrotes Mustang Cabrio aus der Hertz-Fun-Collection, das mich ratz-fatz zum Grand Canyon bringt. Hier ist stundenlanges Staunen angesagt. In der riesigen Schlucht offenbart sich eine der vollständigsten Schichtenabfolgen unseres Planeten. Ein Ort zum Sterben schön! Ebenso eindruckvoll ist der Petrified Forest, wo ich mir 200 Millionen Jahre alte versteinerte Baumstämme anschaue. Die gibt es im heimischen Stadtpark nicht. Die Orte Seligman, Peach Springs, Kingman und Oatman verzücken aufgrund ihrer liebevoll hergerichten Cafés, Bars und Museen – alle hübsch im Route 66-Kleidchen. Durch das Cowboy-Örtchen Oatman fahre ich jedoch mit Bleifuß, da wird nämlich noch scharf geschossen – sagen die Einheimischen.

Tag 9 und Abschied (Kalifornien)

Endpunkt Ocean Drive. Abschied von der Route 66, einer der faszinierendsten Straßen unseres Planeten.

Endpunkt Ocean Drive. Abschied von der Route 66, einer der faszinierendsten Straßen unseres Planeten.

Danach empfängt mich wieder die karge, unbarmherzige Wüste, bei Topock geht es schließlich über die Grenze nach Kalifornien. Kalifornien, Land der Reichen und Schönen! Von wegen – im östlichen Teil des Staates ist davon nichts zu sehen. Von Needles bis Barstow fahre ich rund 400 Kilometer durch die Mojave Wüste. Einzige Zuschauer sind ein paar Krähen, die von Hochspannungsmasten spöttisch auf mich heruntergucken. An einem Baum mitten in der Einöde hängen knapp 100 Paar Schuhe. Komische Gegend hier, trotzdem wahnsinnig beeindruckend. Hinter Victorville wird es dann so langsam wieder zivilisiert, sauber und grün. Palmen-Alleen und Orangenhaine anstatt Stachelkakteen und Wüstensand. Ich bin bereits in den Vororten von Los Angeles. Einerseits wunderschön, andererseits aber auch sehr traurig. Die Einsamkeit hatte was! Mein Roadtrip neigt sich unbarmherzig dem Ende entgegen. In Los Angeles fahre ich den kompletten Santa Monica Boulevard runter (alleine das dauert über eine Stunde), um abschließend am Ocean Drive in Santa Monica zärtlich die bronzene Markierung des Endpunktes der Mother Road zu streicheln.

Viele weitere Impressionen der Route 66 finden Sie in der großen Bildergalerie! Alle Infos zu den Mietwagen gibt es hier!


Hotel- und Restaurant-Tipps des Autors
  Ort Name Internet
ILLINOIS      
Übernachtung Chicago Hotel Allegro Info
Essen Springfield Cozy Dog Drive In Info
       
MISSOURI      
Übernachtung St.Louis Drury Inn & Suites Info
Essen Branson BT Bone's Steakhouse Info
       
OKLAHOMA      
Übernachtung Oklahoma City The Waterford Marriot Info
Essen Oklahoma City Cattlemen's Steakhouse Info
       
TEXAS      
Übernachtung Vega Best Western Contry Inn Info
Essen Vega Boot Hill Saloon Info
       
NEW MEXICO      
Übernachtung Gallup El Rancho Info
Essen Santa Fe La Casa Sena Info
       
ARIZONA      
Übernachtung Grand Canyon Red Feather Lodge Info
Essen Fountain Hills Two Step Saloon
       
KALIFORNIEN      
Übernachtung Victorville Quality Inn Info
Essen Pacific Palisades/L.A. The Pearl Dragon Info

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