Saab 9-3 Cabrio: Gebrauchtwagen-Test
— 13.08.2012
Ein Cabrio für Genießer
Individuell, innovativ, intelligent. Dafür stand Saab, bis Eigentümer General Motors 2011 das Licht ausknipste. Ein besonders leckerer und günstiger Schwedenhappen ist das Saab 9-3 Cabriolet.
Wir schreiben das Jahr 1986.
Saab stellt das erste Cabrio der Firmengeschichte vor. Das
900 Cabriolet wird zum Bestseller in den USA, hat zu Beginn drei Jahre Lieferzeit. Das von Fans "Saabrio" genannte Auto wird schon zu Lebzeiten eine Cabrio-Legende. Leider geht es von da an talwärts mit dem Erfolg. General Motors steigt 1989 ein, Saab-Genialität weicht GM-Sparzwang. Der
9-3 zweiter Generation (2002 bis 2009) baut auf der Bodengruppe des Konzern-Bruders
Opel Vectra C auf. Neben der Limousine mit Stufenheck und dem SportCombi bietet Saab den 9-3 ab 2003 wieder als viersitziges Cabriolet an. Die Produktion wandert von Finnland nach Österreich, Magna Steyr in Graz fertigt das Cabrio bis zum Untergang der Marke 2011. Beeindruckend ist vor allem die Qualität des Verdecks: Das mehrlagige Stoffdach öffnet und schließt perfekt, ein Knopfdruck genügt. Ist es geschlossen, glaubt man kaum, in einem Cabrio zu sitzen, so leise ist es im Innenraum.
Unser Testwagen ist ein sieben Jahre altes Saab 9-3 1.8t Cabrio in der Ausstattungslinie Vector. Die üppige Serienausstattung mit Lederpolstern, elektrohydraulischem Verdeck und Klimaautomatik ergänzte der Erstbesitzer um Sitzheizung, Navigationssystem und ...
... Metalliclack. 40.250 Euro standen 2005 auf der Neuwagenrechnung, jetzt verkaufte Saab-Händler Etehad aus Halstenbek bei Hamburg das scheckheftgepflegte Cabrio für 9900 Euro. Unser erster Eindruck: Typisch Saab sind das Zündschloss in der Mittelkonsole und ...
... das fahrerorientierte Cockpit. Genießer freuen sich über den sanften Schub des 150 PS starken Zweiliter-Turbos und schalten nachts mit dem Modus "Night Panel" bis auf den Tacho alle Anzeigen dunkel. Dynamiker kommen nicht auf ihre Kosten: Besonders in engen Kurven ...
... zerrt der Vorderradantrieb am Lenkrad, zudem ist die Karosserie nicht sehr verwindungssteif. Das ist bei Unebenheiten zu spüren, dann zittert die Karosserie, und die teils billig anmutenden Verkleidungen im Innenraum klappern. Der Zustand des Testwagens ...
... ist top: keine technischen Mängel und auch optisch überzeugend. Nach einem leichten Schaden wurde er teilweise nachlackiert, mit gutem Ergebnis. Unser Urteil: Für ein Viertel des Neupreises ist dieser Saab 9-3 ein topgepflegtes Cabrio mit Händler-Garantie.
Zum kommoden Charakter passt der Zweiliter-Turbo mit 150 PS gut. Er ist laufruhig und ausreichend flott. Der auch bei
Fiat,
Alfa und
Opel angebotene 1,9-Liter-Turbodiesel bietet ebenfalls 150 PS, aber deutlich mehr Drehmoment im Drehzahlkeller. Doch das penetrante Nagelgeräusch passt nicht zum Verwöhnaroma des Cabrios. Ebenso wenig die bis zu 280 PS starken V6-Turbobenziner: Der Vorderradantrieb ist mit der Leistung überfordert, Allradantrieb bot Saab nur im Kombi und in der Limousine an. Erste Wahl sind daher die Vierzylinder-Turbobenziner von 150 bis 240 PS. Die Preisspanne reicht von rund 7000 Euro für ein frühes Exemplar mit hoher Laufleistung bis zu 35.000 Euro für ein neues Lagerfahrzeug mit Top-Ausstattung. Für Ersatzteile sorgen die ausgegliederte Gesellschaft Saab Parts und Spezialisten wie
www.skandix.de oder
www.saabersatzteile.de.
Oben in der Bildergalerie zeigen wir, auf welche Schwachstellen beim Saab 9-3 Cabrio zu achten ist. Außerdem stellen wir die Tops und Flops unter den gebrauchten Cabrios vor.
Saab 9-3 im autobild.de-Gebrauchtwagenmarkt
| Technische Daten |
| Motor |
Vierzylinder-Turbo-Benziner/vorn quer |
| Ventile/Nockenwellen |
4 je Zylinder/2 |
| Hubraum |
1998 ccm |
| Leistung |
110 kW (150 PS) bei 5500 U/min |
| Drehmoment |
240 Nm bei 2000 U/min |
| Höchstgeschwindigkeit |
205 km/h |
| 0 - 100 km/h |
10,1 s |
| Getriebe/Antrieb |
Fünfgang manuell/Vorderrad |
| Tankinhalt/Kraftstoffsorte |
61 l/Super |
| Länge/Breite/Höhe |
4635/1762/1434 mm |
| Kofferrauminhalt |
352 l |
| Leergewicht/Zuladung |
1650/370 kg |
| Kosten für die getestete Motorvariante |
| Unterhalt |
| Testverbrauch |
10,6 l Super/100 km |
| Inspektion |
250 bis 650 Euro |
| Haftpflicht (Typklasse 15)* |
483 Euro |
| Teilkasko (Typklasse 24)* |
170 Euro |
| Vollkasko (Typklasse 18)* |
511 Euro |
| Kfz-Steuer (Euro 4) |
135 Euro |
| *Online-Tarif der HUK24-Versicherung: Zulassung in Hamburg, Fahrer nur Versicherungsnehmer und Partner (25 Jahre alt), jährliche Fahrleistung 15.000 Kilometer, Schadenfreiheitsklasse 1 (60 Prozent). |
| Ersatzteilpreise** |
| Lichtmaschine (Austauschteil) |
500 Euro |
| Anlasser (Austauschteil) |
300 Euro |
| Wasserpumpe |
400 Euro |
| Zahnriemen |
entfällt, Steuerkette |
| Endschalldämpfer |
700 Euro |
| Kotflügel vorn, lackiert |
800 Euro |
| Bremsscheiben und -klötze vorn |
380 Euro |
| **Preise inklusive Arbeitslohn und 19 Prozent Umsatzsteuer. |
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Saab 9-3 1.8t Cabrio (Typ YS3F)
Veröffentlicht:
25.07.2012
Lars Busemann
Fazit
Spinnende Elektronik, verschlissene Lager: Saab-Mängel kommen auch bei der Konkurrenz vor. Aber der Schwede ist günstiger – und deshalb ein Tipp.