Illegales Tuning: So tricksen die Autoposer

Illegales Tuning: So tricksen die Autoposer

Soko Autoposer: Polizei gegen illegales Tuning

— 30.01.2018

Polizei im Kampf gegen Poser

In immer mehr Städten macht die Polizei mit Sokos Jagd auf Poser, die mit illegal getunten Autos angeben. Hintergründe, Infos – und die neuesten Fälle!

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'Soll die Polizei Autoposer aus dem Verkehr ziehen?'

Durchdrehende Reifen, grollendes Auspuffgebrüll, abgeklebte Scheinwerfer und Scheiben: Damit zetteln meist männliche Fahrer einen Straßenwettbewerb um die schärfste Karre an. Einigen sind die gesetzlichen Vorschriften dabei ziemlich egal: Die Auspuffanlagen, Folierungen und extreme Breitreifen sind oft weder zugelassen noch in die Fahrzeugpapiere eingetragen. Das ist kein Kavaliersdelikt! Die dröhnenden Karren sind für Anwohner und Passanten eine enorme Belästigung und Belastung. Illegale Straßenrennen oder auch die falsche Bereifung können tödliche Folgen haben. Daher gehen in Deutschland gleich mehrere Landespolizeien gezielt gegen "Autoposer" (Poser = Angeber) vor, in Hamburg die gleichnamige "Kontrollgruppe Autoposer" oder auch "Soko Autoposer". Ein Video der Hamburger Polizei beschreibt die Problematik:

Poser in ganz Deutschland: die neuesten Fälle

Die Beamten kontrollierten jüngst im Hamburger Stadtgebiet 21 Fahrzeugführer. Im Rahmen der Kontrollen wurden folgende Verkehrsverstöße geahndet: Bei sechs Fahrzeugen war die Betriebserlaubnis erloschen, vier Mal aufgrund unerlaubtem Lärmtunings, zwei Fahrer missachteten rote Ampeln, zwei Fahrzeugführer benutzten während der Fahrt ihr Mobiltelefon, schließlich wurden vier Geschwindigkeitsverstöße im Bußgeldbereich und drei Ordnungswidrigkeiten wegen Verursachen von unnötigem Lärm festgestellt.

Laute Fahrzeuge in Hamburg

Auch ohne Manipulation an der Abgasanlage ist so ein Dodge Charger nicht gerade ein Leisetreter.

Darüber hinaus kam es zu Fahrzeugsicherstellungen: Einen Mercedes CLS 500 (306 PS) stellte die Polizei sicher, weil die Abgasanlage manipuliert war. Die Mittelschalldämpfer fehlten und an Katalysator und Endschalldämpfern waren Schweißnähte erkennbar. Eine Messung des Standgeräusches ergab einen Wert von 112,9 Dezibel statt der für das Fahrzeug zugelassenen 80 Dezibel. Diese Veränderung führte zum Erlöschen der Betriebserlaubnis. Ein Dodge RAM 1500 (396 PS) musste stehenbleiben, weil die nachgerüsteten Zubehör-Endschalldämpfer nicht zugelassen waren. Eine Vergleichsmessung ergab einen Wert von 103,4 Dezibel statt der zugelassenen 90 Dezibel. Ein Dodge Charger RT (345 PS) geriet wegen seines lauten Abgas-Fahrgeräuschs in den Fokus der Polizei. Bei der Fahrzeugkontrolle stellten die Beamten fest, dass eine nicht genehmigte Abgasanlage verbaut war. Statt der im Fahrzeugschein vermerkten 79 Dezibel wurden 109,9 Dezibel ermittelt. Schlussendlich hielten die Polizisten einen Audi A3 (179 PS) an, weil der Fahrer durch aggressives Fahrverhalten aufgefallen war. Auch hier wurde im Zuge der Kontrolle durch Schweißnähte an der Abgasanlange eine unzulässige Manipulation am Fahrzeug festgestellt. Eine Standgeräuschmessung von 94,5 Dezibel statt der zulässigen 78 Dezibel erhärtete den Verdacht. Somit war die Betriebserlaubnis erloschen. Gegen die vier Fahrzeugführer wurden Ordnungswidrigkeitenverfahren eingeleitet.

Viel Arbeit für die SoKo Autoposer 2018

2018 hatten die verschiedenen Ermittlungsgruppen der Polizei bereits gut zu tun. Anfang Januar gingen der Hamburger Kontrollgruppe Autoposer gleich sechs getunte Autos ins Netz. Darunter ein 271 PS starker VW Golf 6 R, bei dem die Beamten eine Lautstärke von 107 Dezibel statt der erlaubten 90 gemessen haben. Der Wagen überholte einen zivile Funkstreife der Kontrollgruppe in einem Tunnel mit lauten Gasstößen und alarmierte dabei unabsichtlich die Polizei. Erwischt wurde auch ein Mercedes SL 500, der ganze 31 Dezibel zu laut dröhnte, sowie ein Ford Mustang GT mit 441 PS, der 110 Dezibel statt erlaubter 82 abgab. Die Folge: Fahrverbot und satte Bußgelder. Ähnlich traf es ein paar Poser aus Kassel: Gleich sieben BMW wurden von einer Streife der Polizei eingezogen. Der Grund: Bis die Beamten die mutmaßlichen Autoposer überhaupt kontrollieren konnten, seien diese in einer Kolonne durch die Innenstadt gefahren und hätten immer wieder die Motoren laut aufheulen lassen. Gegen sie werde jetzt wegen "gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr" ermittelt.

Getunter Opel Vectra. Mit dieser Antenne zog der Autobesitzer das Interesse der Polizei auf sich.

©Polizei Mainz

In Mainz legte die Polizei einen Opel Vectra still, bei dem nahezu jede Veränderung ein Betriebsverbot bedeutete. Unter anderem eine Antenne, die durch eine spitze Patronenattrappe ersetzt wurde, eine viel zu helle Kennzeichenbeleuchtung, eine nachträglich eingebaute Front-LED sowie ein geänderter Kühlergrill, für den keine Genehmigung vorlag. Auf Nachfrage der Polizei gab der Opel-Besitzer an, dass er das Auto schon so mit den meisten Umbauten gekauft habe. Weiterfahren durfte er trotzdem nicht.

Hintergrund: Mannheim gründet die erste Soko "Autoposer"

Verbotener Lärm: Manche Poser fräsen drei- oder viereckige Löcher in die Abgasrohre.

©Polizei Mannheim

In Mannheim waren die sogenannten "Poser" ein besonders großes Problem. 2016 gründete die Polizei deshalb eine spezielle Ermittlungsgruppe aus sechs Beamten, die gezielt nach diesen Verkehrsrowdys Ausschau hält. Sehr erfolgreich: 2017 wurden 1284 Fahrzeuge kontrolliert, bei 459 wurden Mängel festgestellt, bei 238 die Betriebserlaubnis entzogen. Dank dieser Erfolgsbilanz nahmen andere Städte die Mannheimer Soko zum Vorbild: In Hamburg, Regensburg, Frankfurt (Main), Hannover und Mannheim wurden ähnliche Gruppen gegründet, 2018 sollen laut der Mannheimer Polizei weitere folgen.

Die Poser-Karren dröhnen mit bis zu 140 Dezibel

Die Hamburger Soko Autoposer kassierte den brüllenden Lambo von Ex-Nationtorhüter Tim Wiese ein.

In Hamburg hatte die "Soko Autoposer" bereits in den ersten vier Monaten ihrer Arbeit 62 Fahrzeuge sichergestellt, darunter auch den Lamborghini von Ex-Nationaltorhüter Tim Wiese – bei seinem Flitzer maßen die Beamten statt der erlaubten 88 Dezibel dröhnende 136 Dezibel. Zum Vergleich: Ein startender Düsenjet ist etwa 120 Dezibel laut. Seit Mitte Januar 2018 hat der Bremer seinen Italo-Supersportler wieder. Auf der berühmten Reeperbahn machte der Fahrer eines Mercedes CLK 320 direkt hinter einem Einsatzwagen der SoKo einen sogenannten Burnout. Dem alkoholisierten Fahrer wurde die Weiterfahrt untersagt. In der Galerie zeigt AUTO BILD die technischen Tricks, mit denen die Autoposer Lärm erzeugen. Dazu: krasse Beispiele für illegale Poser-Karren!

Illegales Tuning: So tricksen die Autoposer

Autoren: Maike Schade, Mareike Borgstedt,

Fotos: Polizei Mainz, Polizei Mannheim

Stichworte:

Straßenrennen

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