Fahrbericht Tesla Model S

Tesla Model S: Fahrbericht

— 25.10.2012

Edle Limousine unter Strom

Das ist eine Ansage: 4,6 Sekunden bis Tempo 100, 210 km/h Spitze und bis zu 500 Kilometer Reichweite. Wir sind das neue E-Mobil Tesla Model S gefahren.

Die Rollen in der Businessklasse sind klar verteilt. Platzhirschen sind BMW 5er, Audi A6 und Mercedes E-Klasse und dann kommt lange nichts. Weder Japaner noch Amerikaner haben den deutschen Premiumherstellern ernsthaft etwas entgegenzusetzen. Das liegt vor allem an deren technischer Perfektion und ihrem Image. Doch jetzt wagt sich ein kleiner Hersteller aus Kalifornien in diese hart umkmpfte Klasse. Mit einem Auto, dass alles anders macht und vieles besser.

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Elektrodynamiker: In 4,6 Sekunden beamt sich der Tesla S auf Tempo 100, schafft 210 km/h Spitze.

Das Model S ist von Grund auf neu konstruiert und von Anfang an als Elektroauto konzipiert worden. Das hat eine Menge Vorteile. Die wahlweise 40, 60 oder 85 Kilowattstunden groen Akkus sind platzsparend im Wagenboden unterbracht. So knnen sich selbst groe Passagiere auf allen fnf Sitzen rkeln. Und weil kein groer Benzinmotor verbaut ist, fassen die beiden Kofferrume unter der Fronthaube und der groen Heckklappe mehr als 1000 Liter. Fast noch wichtiger: Die Platzierung der Akkus sorgt fr eine ausgewogene Gewichtsverteilung von nahezu 50:50. So holt Tesla das Elektroauto mit dem Model S aus der Msli-Ecke. Die Limousine definiert sich vor allem ber ihre Dynamik: Sie sprintet in 4,6 Sekunden von null auf Tempo hundert, Schluss ist erst bei abgeregelten 210 km/h. In den USA haben sie es bereits ausprobiert, der Tesla hngt ber eine Viertelmeile sogar einen BMW M5 ab. Glaubhaft.

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Fit fr den alten Kontinent: Das Fahrwerk ist straff abgestimmt, ganz nach europischem Geschmack.

Wer einmal beim Tritt auf das Gaspedal (oder wie auch immer das bei einem E-Auto heien mag) in Richtung Horizont geschnippt wurde, wer einmal die Mhelosigkeit des flsterleisen E-Antriebs gesprt hat, tut sich danach mit jedem konventionell angetriebenen Auto schwer. Ja, so ungefhr mssen sich die Fahrer der ersten Automobile gefhlt haben, als sie Pferdekutschen begegnet sind. Willkommen in der Zukunft! Wer jetzt allerdings erwartet, das sich das Model S wie ein Prototyp fhrt, irrt gewaltig. Feines Leder, edles Holz und khles Aluminium kennen wir aus BMW, Audi und Mercedes. Im blitzsauber verarbeiteten Tesla bilden diese Materialien aber nur den Rahmen fr einen 17 Zoll groen Touchscreen-Monitor auf der Mittelkonsole das ist mehr als doppelt so gro wie ein Apple iPad. Zunchst ungewohnt, es lsst sich so aber prima navigieren, surfen und bedienen. Wie selbstverstndlich, ist der Tesla immer online. Einmal eine Navi-Karte ruck, zuck aus dem Internet laden und schon hat man fr den Hndler nur noch ein mdes Lcheln brig, der einem eine DVD mit einem Kartenupdate fr mehrere hundert Euro verkaufen will.

Aber der Tesla ist nicht nur ein Auto fr Onliner, sondern kann auch auf der Strae berzeugen. Das Fahrwerk ist straff abgestimmt, ganz nach europischem Geschmack. Dazu passt die straffe, direkte Lenkung, die einem BMW in nichts nachsteht, das Fahrverhalten ist neutral, leicht bersteuernd ausgelegt. Trotzdem kommt der Komfort nicht zu kurz. Selbst kurze Ste werden gut pariert. Unglaublich, welche Reife Tesla hier aus dem Stand hinbekommen hat. Selbst das E-Auto-Problem Nummer eins, die Reichweite, hat Tesla in den Griff bekommen. Mit dem groen Akku sollen bis zu 500 Kilometer am Stck mglich sein, bevor die Limousine wieder an die Steckdose muss. Nach unserer rund 200 Kilometer langen Testfahrt waren tatschlich noch 250 Kilometer drin obwohl Stromfresser wie Sitzheizung, Licht und Heizung eingeschaltet waren. Kompliment!

Klar, dass sich Tesla diese Qualitten gut bezahlen lsst. In den USA beginnen die Preise bei rund 65.000 Dollar, das von uns gefahrene Flaggschiff mit Vollausstattung und groem Akku kostet knapp 100.000 Dollar. Die Preise fr Europa stehen noch nicht fest.

Wie der Tesla Model S im Vergleich mit dem Fisker Karma abschneidet, lesen Sie in AUTO BILD 43/2012 ab sofort im Handel. Dazu im neuen Heft: Alle gegen den Golf ist der Wolfsburger wirklich der Beste? Die Kompakt-Konkurrenz der ganzen Welt kmpft um den Einzug ins Finale gegen den neuen Golf.
Autor:

Stefan Voswinkel

Fazit

Amerika ist wieder da. Doch nicht GM, Ford oder Chrysler zeigen wie das Auto der Zukunft aussehen kann, sondern ein kleiner Hersteller aus Kalifornien. Aus dem Stand hat Tesla eine bildhbsche und technisch berzeugende Business-Limousine auf die Rder gestellt - zu einem stolzen Preis.

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