Test Fiat 500/Mini One/Renault Twingo
Was können die Kult-Kisten wirklich?

Alle lieben den neuen Fiat 500. Aber das macht ihn nicht automatisch zu einem guten Kauf. Der Mini und der neue Renault Twingo beweisen: Es gibt durchaus Alternativen. Und die sind auch ganz originell.
- Wolfgang König
Vergessen Sie den pistaziengrünen Lamborghini. Auch den Ferrari können Sie in der Garage lassen, ganz egal, in welcher Farbe er lackiert ist. Und Porsche? Nicht einmal den Hauch einer Chance. Wenn Sie auf der Straße gut aussehen wollen, dann gibt es im Moment nur eine Wahl: Fiat 500. Der kleine Italiener verdreht Köpfe, als würde Halle Berry im Zweiteiler vorbeijoggen. Oder besser: die frühe Lollobrigida, denn an ihre Zeit erinnert er. An damals, als Frauen noch stark und üppig waren. Und Autos frech und mickrig. Nicht umgekehrt. Wer ihn sieht, dem wird es warm ums Herz – ein Trick, den Fiat vom Mini lernte. Nostalgie als Stimulanz zum Zugreifen: Der Mini ist klein, eng und teuer, doch jeder liebt ihn. Der Fiat 500 ist kleiner und kostet weniger – beste Voraussetzungen für eine Kult-Karriere. Beim dritten im Bund der herzigen Zwerge dürfte die Erfolgs-Vorhersage schon weniger gesichert sein. Auch der Renault Twingo wurzelt in der Vergangenheit, wenn auch in der jüngeren. Sein Problem: Der Witz des Urmodells ist dem Nachfolger abhandengekommen. Renault zog es vor, mit neuen Reizen zu glänzen.
Wer öfter mal zu dritt oder viert unterwegs ist, braucht den Twingo
Wie auch immer: Wer nach dem viel zitierten, aber selten realisierten klassenlosen Kleinwagen sucht, wird bei allen dreien fündig. Wobei sich immer die gleiche Frage stellt: Wie bewähren sich die lieben Kleinen im profanen Alltag? Und was an ihnen geht einem – Kult hin, Retro her – auf den Wecker? In diesem Vergleich dürfen es die besseren Versionen sein: Das Topmodell des Fiat 500 leistet 100 PS und kostet 12.500 Euro. Ein Mini One mit 95 PS ist deutlich teurer: Die Einstiegs-Version kommt auf 15.850 Euro. Und Renault bleibt im Rahmen, bietet den Twingo GT mit 100 PS für 12.400 Euro an. Eines steht schon beim Einsteigen fest: Für den Single oder das Leben zu zweit mögen Fiat und Mini ja den nötigen Lebensraum bieten. Kritisch wird es aber bei anspruchsvolleren Transportaufgaben. Im Mini lässt sich der hintere Beinraum mit Zigarettenpapier messen, während der Kofferraum an ein größeres Handschuhfach erinnert. Aber auch im Fiat würden wir den Aufenthalt im Fond nur den Bambini zumuten. Verblüffend: Der 500 ist zwar kürzer, hat aber hinten eine Spur mehr Platz, auch im Gepäckabteil. Trotzdem – wer öfter mal zu dritt oder viert unterwegs ist, braucht den Twingo. Der ist zwar auch klein, aber dennoch ein vollwertiger Viersitzer. Anders als die Kontrahenten offeriert er hinten keine Thrombose-Sitze, sondern verstellbare Polstermöbel (gegen Aufpreis), auf denen es sich auch Langbeinige bequem machen können. Außerdem ist die Einrichtung dann fast so variabel wie im Van, sodass Stückgut unterschiedlichster Ausprägung Platz findet.
Im urbanen Getümmel gibt der 500 den wuseligen Topolino

Dann lässt er die Insassen nämlich selbst auf gut ausgebauten Straßen auf den Polstern hopsen, als habe er eckige Räder. So genau wollten wir uns auch wieder nicht an den alten 500 erinnert fühlen. Außerdem ist das Lenkgefühl so, als gelte es, einen dicken Gummistrang zu verdrehen, was die wählbare Servounterstützung (Normal und Sport) nicht verhindern kann. Folglich fallen auch forcierte Kurswechsel weniger reizvoll aus, als es die ordentlichen Reserven erwarten ließen. Zumal der Fahrer mangels Halt schon mal vorzeitig vom Sitz rutscht. Das sollte besser gehen, und mit einer anderen Dämpferabstimmung und Feinarbeit an der Lenkung wäre schon viel erreicht. Beim Motor, in unserem Fall das Spitzenaggregat mit 1,4 Liter Hubraum und 100 PS, halten sich Lust und Last die Waage. Er legt sich tapfer ins Zeug, Leistung ist sicher genügend vorhanden. Doch dürfte er etwas aufgeweckter zur Sache kommen. Zugegeben, so leicht, wie es aussieht, hat es der Vierzylinder auch wieder nicht. Oder hätten Sie gedacht, dass der Retro-Zwerg über eine Tonne wiegt? Dass der Mini noch mehr auf den Rippen hat (1120 kg), ist da nur ein schwacher Trost. Aber er fällt ja auch in den Maßen üppiger aus, was die Sache relativiert. Überhaupt strahlt der kleine Engländer mehr Substanz aus, nicht zuletzt qualitativ. Im Vergleich bietet er schon fast Tresor-Charakter. Und brilliert auch bei den dynamischen Talenten: Der 500 mag fixer durchs Verkehrsgewühl flitzen, aber der Mini wetzt besser um die Kurven. Das ist seine Paradedisziplin – kein Schwanken, kein Wanken, nur zielen und rum. Er scheint sich geradezu in die Radien zu saugen – selten gut für einen Fronttriebler.
Mit dem Mini braucht man auch lange Strecken nicht zu fürchten

Ansonsten gilt: Die Zubereitung von Schokoladenmousse scheitert, wenn dafür nur zwei Sardinen und Ketchup zur Verfügung stehen. Technisch basiert der Twingo auf dem alten Clio II, eine bescheidene Grundlage also und kein Vergleich zum aufwendiger konstruierten Mini. Dass Renault etwas so Anständiges daraus gemixt hat, verdient Anerkennung. Speziell beim Kurvenfahren zeigt der Twingo Talent und macht Freude. Vorausgesetzt, wir werden nicht übermütig. Wer in der Kurve das Gaspedal lupft, muss mit Heckmeck rechnen – und vermisst das ESP (nicht lieferbar). Zum fröhlichen Grinsen langt es aber doch. Und es hält länger an als im Fiat, denn bei aller Sportlichkeit bleibt genügend Restkomfort. Nur die Kutschbock-Haltung hinter dem Lenkrad, die muss einer mögen. Welchen sollten Sie sich gönnen? Die Punkte sagen klar und deutlich: Der Twingo macht's. Er gewinnt, wer hätte das gedacht. Nicht originell genug? Dann der Mini, das beste Auto im Vergleich. Aber leider auch ganz schön teuer. Also doch der Fiat 500. Der ist zumindest der Kultigste.
Wer ist der Kultigste?

Fazit von AUTO BILD-Redakteur Wolfgang König
Natürlich würden wir auch am liebsten den Fiat 500 nehmen. Er ist so freundlich, so knubbelig, so stimmig. Und kostet nicht die Welt. Genau das ist auch sein entscheidender Vorzug gegenüber dem Mini. Der reizt uns zwar ebenfalls stets aufs Neue, geht aber ins Geld. Wer ihn sich leisten kann, bekommt jedoch das hochwertigste Auto in diesem Vergleich. Der Twingo setzt dagegen auf Habhaftes: mehr Platz, mehr Mumm, mehr Alltagstauglichkeit für weniger Geld. Damit erntet er zwar keine Emotionen, aber Punkte. Nur kultig ist er halt nicht. Nicht mehr.
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