Test Smart fortwo cdi
Sparwunder Diesel-Smart

Nur 3,3 Liter Diesel auf 100 Kilometer – kein anderes Serienauto ist sparsamer als der Smart fortwo cdi. Leider ist sein Rußfilter nur die zweitbeste Lösung.
- Joachim Staat
Da parkt das sparsamste Serienauto der Welt am Straßenrand, und keiner guckt hin. Warum nur? Weil dieses Wunderding ein ganz normales Smart fortwo Cabrio ist, silbergrau, mit schlichtem cdi-Schriftzug am Heck – dem einzigen Kennzeichen für die Diesel-Version, die jetzt in den Handel kommt. Dieser Fortwo cdi hat den niedrigsten Kohlendioxid-Ausstoß weltweit – ein Rekord, mit dem der Kleine ganz groß rauskommen sollte. Doch nun stört ein Fleck auf der weißen Weste: Der Zweisitzer schafft zwar die Euro-4-Abgasnorm, hat aber vorerst keinen vollwertigen Rußfilter, sondern nur ein offenes System, das weniger Partikel aus dem Abgas fischt. Wird der Saubermann damit zum Dreckspatz?

Kein Turboloch beim Anfahren

Verkehrte Welt: Beim Smart ist die Diesel-Variante mal nicht die stärkere Wahl, sondern nur sparsamer. Und mit 1210 Euro Aufpreis beim Cabrio (ab 14.140 Euro für den Pure) schmerzhaft teurer. Beim Coupé, das ab 11.200 Euro in den Preislisten steht, beträgt der Zuschlag sogar satte 1710 Euro. Also: Der Fortwo cdi ist ein Auto für Post, Pizzafahrer und Paketdienste. Und ein Modell, das den Flottenverbrauch von Mercedes-Benz wieder ein kleines Stück senken soll. Mit 88 Gramm hängt der Kleine zumindest beim CO2-Ausstoß pro Kilometer jeden anderen Öko-Konkurrenten ab: Polo Bluemotion (102 Gramm), Toyota Prius (104 Gramm) oder die baugleichen Citroën C1, Peugeot 107 und Toyota Aygo (alle 109 Gramm). So weit, so sauber. Wäre da nur nicht sein Umwelt-Makel.
Umwelt-Makel offener Rußfilter

Zudem müssen cdi-Käufer bis 2011 zusätzlich 9,60 Euro Steuer pro Jahr zahlen. Das sind Peanuts, verglichen mit dem Image-Schaden für den vermeintlichen Saubermann. Den hat die Deutsche Umwelthilfe, die nach dem Dosenpfand nun auch die Einführung des Rußfilters für alle Diesel erkämpfen will, als Schmutzfink tituliert. Die Organisation hat Daimler-Chrysler wegen "irreführender Werbung" verklagt. Das Verfahren vor dem Landgericht Stuttgart endete mit einem Vergleich. Smart darf nun nicht mehr mit "extrem niedrigen Emissionswerten" werben, sondern nur noch mit der Formulierung "niedrige Emissionswerte." Auch das sind Peanuts. Aber ein paar unschöne Flecken auf der weißen Weste des Spar-Weltmeisters.
Fazit von AUTO BILD-Redakteur Joachim Staat
Als Diesel ist der fortwo noch verbrauchsgünstiger und übertrifft alle anderen Sparkonzepte, von Toyota Hybrid bis Polo Bluemotion. Das sind aber auch Autos mit mindestens vier Plätzen und echter Autobahn-Reife. Der Smart mit zwei Sitzen dagegen ist kein echtes Vollwertauto – und als teurer Diesel damit für noch weniger Käufer attraktiv.
Technische Daten: Dreizylinder-Turbo, hinten quer • zwei Ventile pro Zylinder • Hubraum 799 cm³ • Leistung 33 kW (45 PS) • max. Drehmoment 110 Nm bei 2000/min • Hinterradantrieb • automatisiertes Fünfganggetriebe • vo. Scheiben-, hi. Trommelbremsen • Reifen vo. 155/60 – hi. 175/55 R 15 • Räder 4,5/5,5 x 15" • L/B/H 2695/1559/1542 mm • Radstand 1867 mm • Leergewicht 780 kg • Tank 33 l • 0–100 km/h in 19,8 s • Spitze 135 km/h • Verbrauch (EU-Mix) 3,3 l D pro 100 km/88 g CO2 • Preis: 14.140 Euro
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